"Nicht Ruhestätte für Wissenschafter - Arbeitsakademie"

Interview
1. Juli 2012, 20:10
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    foto: apa/gindl

Jürgen Mittelstraß, Chef des Wissenschaftsrates

STANDARD: Die Doppelstruktur der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgerorganisation unter einem Dach und Präsidium - ist in Kritik. Zu Recht?

Mittelstraß: Für mich ist die Alternative Gelehrtengesellschaft/Forschungsträger eine unglückliche. Sie würde auf eine völlige Trennung von Gelehrtengesellschaft und Forschungsinstitution hinauslaufen. Es gäbe eine ganz andere Möglichkeit, nämlich die, dass man sich als Arbeitsakademie versteht und etabliert. Was allerdings ein stark verändertes Selbstverständnis der Akademie und ihrer Mitglieder bedeuten würde.

STANDARD: In welchem Sinn?

Mittelstraß: In dem Sinne, dass die Mitgliedschaft nicht ein akademischer Ehrenposten ist, mit der Möglichkeit, eigene Forschungsinteressen mit einer von der Akademie gewährten kleinen Infrastruktur zu verfolgen, es würde vielmehr ein starkes Engagement in inter- oder transdisziplinär gebildeten Arbeitsgruppen sowohl wissenschaftlicher als auch wissenschaftspolitischer Art bedeuten. Ein Beispiel dafür ist die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die sich als Arbeitsakademie versteht und von den Mitgliedern verlangt, sich in Arbeitsinitiativen einzubringen.

STANDARD: Diese Wissenschaftsakademie wurde 1992 gegründet - Sie waren dabei. Was war die Idee?

Mittelstraß: Wir haben gesagt, Akademien haben heute nur noch eine Existenzberichtigung, wenn sie nicht Ruhestätten für Wissenschafter sind, sondern aktiv kritisch über Wissenschaft nachdenken und die Verbindung zur Gesellschaft herstellen. In der Akademie sieht sich die Wissenschaft selbst an. Sie reflektiert ihre Arbeit, ihren Status in der Gesellschaft und berät die Gesellschaft - damit lässt sich die Trägerschaft von wissenschaftlichen Einrichtungen durchaus verbinden.

STANDARD: Die Junge Kurie kritisiert, dass sie de facto nichts mitentscheiden kann, sondern immer von den "Alten", die weit weg sind von der Forschung, dominiert wird.

Mittelstraß: Die Junge Kurie ist selbst Teil des Problems. Eine gute Idee, aber ihre Realisierung ist eine Fehlkonstruktion, weil die Junge Kurie nicht jung ist, und weil sie eine Konstruktion in der Akademie ist, die nicht zu Ende gedacht ist. Vorbild sollte die Junge Akademie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina sein. Die ist wirklich jung, Durchschnittsalter knapp über 30, und sie ist unabhängig und selbstständig - genau das soll sie sein. Sie ist nicht Teil einer der beiden Akademien. Die sorgen als Schirm für die nötigen institutionellen und finanziellen Dinge. So etwas in die Akademie hineinzuziehen wie die Junge Kurie in Österreich, schafft nur Probleme. Man muss sie im Grunde neu gründen, wenn man sie haben will. (nim, DER STANDARD, 2.7.2012)


Jürgen Mittelstraß (75), Direktor Konstanzer Wissenschaftsforum, Vorsitzender Öst. Wissenschaftsrat (seit '05), korrespondierendes ÖAW-Mitglied.

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2 Postings

Dem ist leider nicht viel hinzuzufügen. Ein wackerer Totengräber der österreichischen Wissenschaft.

erfüllungsgehilfe von IV, VauPe und CV

der herr mittelstrass ist ein erfüllungsgehilfe der interessen von industriellenvereinigung, OeVP und CV, von denen er zum vorsitzenden des unnötigsten gremiums namens wissenschaftsrat gemacht wurde.
mit seinen 75 jahren begreift er vieles gar nicht, zu dem er die in auftrag gegebenen meinungen als die des wissenschaftsrates verkauft.
seine interviews zu finanzierung der FHs auf kosten der unis sind genauso unsinn wie seine ausführungen zur akademie.
die SPOe hat den konserativen ideologen das feld der unis und akademie kampflos überlassen, das rächt sich.

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