Teheran kündigt Militärmanöver mit Raketentests an

1. Juli 2012, 23:05
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Zeitliche Nähe zu Inkrafttreten des EU-Ölembargos

Teheran/Dubai - Nach Inkrafttreten des Ölembargos der Europäischen Union hat der Iran mit Vergeltung gedroht. "Wir setzen unsere Pläne zur Abwehr der Sanktionen um und werden eine Antwort auf diese böswillige Politik geben", erklärte der iranische Zentralbank-Gouverneur Mahmoud Bahmani am Sonntag der staatlichen Agentur Mehr zufolge.

Die Folgen des Boykotts seien für den Iran zwar hart, doch habe das Land 150 Milliarden Dollar an ausländischen Devisenreserven aufgebaut. Der iranische Ölminister Rostam Qasemi (Kasemi) kündigte ebenfalls Vergeltungsmaßnahmen an und erklärte, mit dem Embargo werde sich Europa letztendlich nur selbst benachteiligen, weil dadurch der Ölpreis steige.

Raketentests

Zugleich kündigte der Iran militärische Raketentests an und warnte Israel mit scharfen Worten davor, einen Angriff auf iranische Atomanlagen zu wagen. "Wenn sie irgendwelche Aktionen unternehmen, dann werden sie uns eine Rechtfertigung dafür liefern, sie vom Angesicht der Erde zu fegen", sagte General Amir Ali Haji Sade (Hajisadeh) von den Revolutionsgarden der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Die Übungen der Raketeneinheiten würden die Botschaft verbreiten, dass der Iran auf alles Böse entschlossen und stark reagieren werde. Und er verwies darauf, dass auch die US-Stützpunkte in der Region in der Reichweite iranischer Raketen lägen.

Der Iran verfügt über Raketen, die angeblich 2000 Kilometer weit bis nach Israel fliegen können. Das iranische Militär hatte im Atomstreit mit dem Westen in den vergangenen Monaten wiederholt damit gedroht, die für die weltweite Ölversorgung wichtige Straße von Hormuz zu blockieren.

Seit Sonntag sind sämtliche Öl- und Kraftstoffeinfuhren aus dem Iran in die Europäische Union untersagt. Zudem dürfen europäische Firmen iranisches Öl nicht mehr transportieren und auch nicht entsprechende Schiffe versichern. Die EU und die USA wollen mit dem Einfuhrverbot sowie weiteren umfangreichen Sanktionen den Iran zur Abkehr von seinem Atomprogramm bewegen.

Sie werfen der Islamischen Republik vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernkraft an Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran bestreitet dies. Trotz des erhöhten Drucks haben aber auch die jüngsten Verhandlungen der fünf UN-Veto-Mächte und Deutschlands mit dem Iran keinen Durchbruch gebracht.

Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur sind die iranischen Ölexporte seit Ende 2011 um eine Million Barrel täglich auf 1,5 Millionen gefallen. Im März hatte der Ölpreis wegen der drohenden Lieferausfälle einen Höchststand von 128 Dollar je Barrel (159 Liter) erreicht. Seither ist er auf 85 Dollar gesunken. Zum einen hat Saudi-Arabien seine Produktion ausgeweitet, zum anderen sank die Nachfrage wegen der weltweit schwächeren Konjunktur.

Da die EU auch Versicherungen aus Europa untersagt hat, Tanker mit iranischem Öl zu versichern, kann der Iran auch an seine Hauptkunden aus Asien weniger verkaufen. Japan und China können die Importe zum Teil aufrechterhalten, da sie Alternativen zu den europäischen Versicherungen gefunden haben. Südkorea und Indien suchen noch nach einer Lösung.

Der Iran hatte gedroht, auf das Embargo mit einer Blockade der Meerenge von Hormuz zu antworten. Die wichtigste Schiffsroute für Öllieferungen nach Westeuropa und in die USA wäre damit versperrt. Die Vereinigten Arabischen Emirate nahmen deshalb vorsorglich eine Ausweich-Pipeline zum Golf von Oman in Betrieb. Andere OPEC-Produzenten wie Kuwait und Katar wollen weiterhin über die Straße von Hormuz liefern. (APA)

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