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Istanbul - Unter dem Druck öffentlicher Proteste von Frauenrechtlerinnen, aber auch nach Kritik aus den eigenen Reihen hat die konservativ-islamische Regierung in der Türkei zwar die angekündigte Verschärfung der Abtreibungsfristen offenbar zurückgenommen. Gesundheitsminister Recep Akdag und Familienministerin Fatma Sahin kündigen aber weiter eine Neufassung des Gesetzes zur Abtreibung an.
Die Vorlage des Gesetzes im Kabinett war aus Zeitmangel zunächst fallengelassen worden, wird aber für die nächsten Tage erwartet, zumal auch die Sommerpause des Parlaments verschoben worden ist. "‚Mein Körper gehört mir‘ zu sagen, ist nicht verantwortungsbewusst", sagte der Gesundheitsminister. Er will die bisher geltende Frist von zehn Wochen für eine legale Abtreibung behalten, den Eingriff aber nur noch in bestimmten Spitälern zulassen.
Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, können bis zur 20. Woche abtreiben lassen. Kritiker der zunächst angekündigten Verkürzung der Abtreibungsfristen oder gar eines Verbots hatten eingewandt, Frauen in der Türkei würden damit nur in die Illegalität gezwungen. Gesundheitlich riskante Eingriffe wären die Folge. Premier Tayyip Erdogan ermuntert seit Jahren türkische Eltern, mindestens drei Kinder in die Welt zu setzen.
Schwangere überwacht
Recherchen einer türkischen Zeitung zufolge sammelt das Gesundheitsministerium Daten von Frauen, die in Spitälern oder Gesundheitszentren einen Schwangerschaftstest machen. Bei einem positiven Test sende das Ministerium diese Daten dann an den Familiendoktor der Schwangeren, sodass dieser die Betreuung übernehmen kann.
In einem Fall, der nun bekannt wurde, erhielt ein Familienvater eine SMS: "Glückwunsch! Ihr Schwangerschaftstest war positiv. Bitte suchen Sie ihren Doktor auf." Seine unverheiratete Tochter hatte drei Tage zuvor einen Test gemacht. Sie war bei der Sozialversicherung unter den Kontaktdaten ihres Vaters registriert. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2012)
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