Hürdenlauf in die Selbstständigkeit

1. Juli 2012, 16:34
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40 von 100 Studierenden in Österreich wollen kurz- bis mittelfristig ein eigenes Unternehmen gründen. Damit das auch in großem Umfang passiert, müssten einige Hürden fallen - etwa jene, die den Zugang zu Kapital versperren

Wien - Das Studienjahr ist aus. Tausende Hochschulabsolventen werden nach einer wohlverdienten sommerlichen Verschnaufpause im Herbst ihre ersten Schritte ins Berufsleben unternehmen. Einer Umfrage zufolge möchte jeder Zehnte von Beginn an sein eigener Chef sein, ein Drittel fasst diese Option nach einigen Jahren Praxiserfahrung ins Auge.

"Mit diesem Ergebnis liegen wir im europäischen Schnitt, könnten aber weit besser sein", sagte Norbert Kailer, Vorstand des Instituts für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung (IUG) der Johannes Kepler Universität Linz, dem STANDARD.

Das IUG hat für den Global University Entrepreneurial Spirit Students' Survey (Guesss), eine mit standardisiertem Fragebogen zum dritten Mal nach 2006 und 2009 vorgenommene Erhebung der Gründungsabsichten und -aktivitäten von Studierenden, den Österreich-Part übernommen. Als größte Hindernisse auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind der Zugang zu Kapital, das finanzielle Risiko, fehlende Kontakte zu Kunden sowie gesetzliche Vorschriften und Regulierungen genannt worden (siehe Grafik).

Das deckt sich im Wesentlichen mit den Sorgen und Nöten, die auch gestandene Unternehmer in Österreich rückblickend als größte Hindernisse auf dem Weg zur eigenen Firma angeben. Österreich ist kein Land, in dem Unternehmertum besonders geschätzt würde - zumindest bisher nicht. Auch für angehende Akademiker war ein Leben als Beamter lange Zeit das Maß aller Dinge. Doch das ändert sich. Davon zeugt nicht zuletzt die Zahl neu gegründeter Unternehmen, die sich in Österreich im Vorjahr bei insgesamt 35.000 eingependelt hat. Viele sind wegen mangelnder Jobchancen in die Selbstständigkeit gezwungen worden; für immer mehr ist die Selbstständigkeit aber ein zunehmend erstrebenswertes Ziel.

Frauen sind zurückhaltender

"Das Einkommensmotiv steht dabei nicht an erster Stelle", weiß Institutsleiter Kailer von der Uni Linz. "Den meisten geht es um die Selbstverwirklichung". Zwischen Männern und Frauen gebe es da kaum Unterschiede. Sehr wohl seien Frauen aber tendenziell vorsichtiger als Männer, was den Schritt in die Selbstständigkeit betrifft.

Die Gründungsidee stammt bei 60 Prozent der Befragten aus dem Studium. Gesundheitswirtschaft, Beratung sowie Kommunikations- und Informationstechnologie haben bei den angedachten Feldern für ein Selbstständigwerden die Nase vorn. Am häufigsten genutzt wurden von den insgesamt 40 Prozent potenziellen Unternehmensgründern an Österreichs Hochschulen Vorlesungen zum Thema Gründungen und Unternehmertum allgemein, Innovation und Ideengenerierung sowie die Erstellung von Geschäftsmodellen.

"Derzeit hängt es mehr oder weniger vom Engagement Einzelner ab, ob das Interesse an einer Unternehmensgründung angefacht und die Lust darauf wachgehalten wird". Elisabeth Zehetner, Vertreterin der Jungen Wirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, plädiert für eine Institutionalisierung desselben: "Das gehört flächendeckend gemacht. Man muss Techniker mit Betriebswirtschaftlern zusammenbringen, dann sind die Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg auch größer".

Die Universität Linz mit ihrem Lehrstuhl für Unternehmensgründung sei ein Vorbild und verdiene Nachahmer.

Weltweit waren bei der im vergangenen Herbst in 26 Ländern durchgeführten Erhebung mehr als 93.000 Studierende involviert. In Österreich nahmen insgesamt 4550 Studierende von 23 Universitäten, Fachhochschulen und Privatunis daran teil. (Günther Strobl, DER STANDARD, 2.7.2012)

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    Das Studium ist zu Ende (im Bild frisch gebackene Akademiker in Bonn), europaweit werden erste Schritte ins Berufsleben gesetzt. In Österreich spekulieren 40 von 100 mit einer eigenen Firma.

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