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Helsinki - Voittaja Vojta! Sieger Vojta! Im Vorlauf über 1.500 m bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki hat Andreas Vojta am Samstag seinem Namen alle Ehre gemacht. Der 23-Jährige stürmte über 1.500 m in 3:41,24 Minuten mit der schnellsten Zeit aller 28 Teilnehmer in den sonntägigen Endlauf (17.50 Uhr MESZ), für das sich der EM-Elfte von 2010 auch noch etwas aufgehoben hat. "Eine kleine Reserve für das Finale ist noch da." Abends tat es Beate Schrott ihrem Landsmann gleich und qualifizierte sich als Halbfinal-Zweite bei schwierigen Bedingungen für das Finale über 100 m Hürden. Gerhard Mayer beendete seinen Wettkamp im Diskusfinale mit Platz acht (62,85 Meter). Den Titel gewann der Deutsche Robert Harting (68,30) vor dem Esten Gerd Kanter (66,53) und dem Ungarn Zoltan Kovago ( 66,42).
Als Zwölfter der Qualifikation gerade noch in den Endkampf gekommen, gab es für Mayer nur eine Devise: "Den elften Platz angreifen". Dass es wie bei der WM 2009 in Berlin nun Rang acht wurde, sei "ein Traum".
"Es war ein völlig untypischer Ablauf, ich habe die Scheibe vor dem Wurf unter dem Shirt tragen müssen, so stark hat es bei mir geregnet", erzählte Mayer, der anders als die Konkurrenten schon beim Einwerfen die Regenschuhe angehabt hatte. "Ich wusste, es wird regnen. Und so hatte ich dann schon ein besseres Gefühl. Das macht viel aus." Außerdem habe man vor zwei Wochen nach einem Blick auf die Wetterprognosen diese Bedingungen trainiert, Trainer Gregor Högler hat seinem Schützling bei der Vorbereitung mit dem Wasserschlauch auf die Füße gespritzt und den Ring gegossen.
"Genießen"
Schrottmusste sich in ihrem Semifinale in 13,08 Sekunden bei 2,3 m/s Gegenwind nur der Weißrussin Alina Talaj (13,03) geschlagen geben. Das zweite Halbfinale gewann die Türkin Nevin Yanit bei 0,6 m/s Rückenwind in 12,92. Das Finale geht um 21.35 Uhr in Szene. "Das war nicht leicht. Es gab ja einen Fehlstart, und da war es schwierig, sich zu konzentrieren", sagte die 24-Jährige, die bei der EM in Barcelona vor zwei Jahren im Vorlauf wegen Fehlstarts disqualifiziert worden war.
Kurz vor dem Start hatte es in Strömen geregnet - ein gutes Omen für Schrott. "Ich dachte mir, ich hatte heuer schon so oft schlechte Bedingungen, das wird mein Rennen." Der Finaleinzug war das Ziel gewesen, nun kann es Schrott locker angehen. "Das ist mein erstes EM-Finale. Ich will es genießen."
Vojta hatte bis Samstagvormittag nicht gewusst, dass sein Name wie der eines Siegers klingt. Auf dem Weg ins Olympiastadion musste er seine Akkreditierung herzeigen und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass sein Name auf Finnisch Sieger bedeutet. "Da habe ich mir gedacht, wenn die das sagen, dann müssen wir das machen", erzählte der Athlet von Wilhelm Lilge aus dem team2012.at nach seinem Lauf, in dem er bei kühlen und windigen Bedingungen alles richtig gemacht hat. "Das war perfekt."
Vojta war in den ersten Lauf gelost worden und froh, dass die Konkurrenz das Tempo hochhielt. "Ich hatte mir sonst überlegt, selbst vorzugehen, damit ich es über die Zeit schaffe", meinte Vojta. Nur die jeweils ersten vier sowie die weiteren vier Zeitschnellsten der zwei Rennen kamen in den Endlauf. "Ich habe versucht, mich auf Position drei, vier zu halten. Aber das wollen alle. Da kommt es dann schon mal zum Gerangel", deutete er auf blutige Schienbeine. Die Füße steckten in neuen Schuhen, einer blau, einer grün. Sie sollen ihn auch bei Olympia zu guten Leistungen tragen.
Vojta unterbrach für die EM sein Höhentrainingslager in St. Moritz. Ursprünglich kamen die Kontinentaltitelkämpfe in der auf die Sommerspiele ausgerichteten Qualifikation nicht vor, doch dann entschied sich der Heeressportler dazu. Auch wegen der so positiven Erinnerungen an Barcelona 2010. "Die EM war mein Wunsch, mit Wettkampfcharakter natürlich, denn ich bin ja nicht zum Trainieren da. Und ich brauche mich im europäischen Feld nicht zu verstecken, das hat heute gut ausgeschaut."
Das merkte auch die Konkurrenz. So fand sich der Türke Ilham Tanui Özbilen (3:41,38) auf Platz zwei wieder, übrigens ein gebürtiger Kenianer (William Biwott Tanui), der erst vor einem Jahr die Staatsbürgerschaft wechselte. Vojta freute sich über den Vorlaufsieg, jedenfalls gäbe das ein besseres Gefühl, als wenn man es als Achter gerade noch über die Zeit schaffe. Im zweiten, langsameren Vorlauf wurde Brenton Rowe Achter (3:47,18) und schied als Gesamt-20. aus.
Mit Vojtas im Stadion anwesenden Eltern freuten sich auch ÖLV-Präsident Ralph Vallon und Generalsekretär Helmut Baudis, die am Freitag nach Helsinki gereist sind. Es könnte die erfolgreichste Freiluft-EM für Österreich seit 2002 in München werden, als als beste Leistungen die Ränge sechs, sieben und elf verbucht wurden. (red/APA, 30.6.2012)
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