Kirchenreformer in Oberösterreich arbeiten zusammen

Plattform "Wir sind Kirche" und der Pfarrerinitiative vollzogen am Freitag offiziell einen "Schulterschluss"

Linz/Bregenz - Die Kirchenrebellen rücken, zumindest in Oberösterreich, näher zusammen. Vertreter der Laieninitiative, der Plattform "Wir sind Kirche" und der Pfarrerinitiative vollzogen am Freitag offiziell einen "Schulterschluss" und wollen künftig gemeinsam für eine Kirchenreform kämpfen. Und wie es sich in Zeiten des Ungehorsams gehört, wurde von den Reformern eine entsprechende Protestnote präsentiert. Darin enthalten ist zwar kaum Neues, dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz soll das Fünf-Punkte-Manifest dennoch übermittelt werden.

Konkret gefordert wird unter anderem, dass das "große Potenzial geistbegabter und theologisch gebildeter Personen" in den Pfarren bestmöglich genutzt wird. Gemeint ist damit vor allem auch der Einsatz von verheirateten Priestern. Darüber hinaus wünschen sich die Reformer ein Ende der "Blaulicht-Pfarrer". Priester sollen nur für eine Pfarre die Leitung innehaben. Der wahrscheinlich aus kirchenrechtlicher Sicht heikelste Punkt: "Jede Pfarre soll in ihrer Pfarrkirche am Sonntag das Gedächtnis von Leben, Tod und Auferstehung von Jesu Christi feiern, auch wenn kein Priester anwesend ist." Die Protestzusammenführung bleibt aber bis auf weiteres ein oberösterreichisches Phänomen. "Österreichweit ist die Beziehung zwischen den einzelnen Reformgruppen nicht ganz so harmonisch. Da ist ein bisschen der Sand im Getriebe", erläutert Pfarrer Franz Salcher, Sprecher von "Wir sind Kirche" in Oberösterreich.

Vier Bischofskandidaten

Während man in Linz gegen die Kirchenführung den Aufstand probt, ist in Vorarlberg seit mehr als einem halben Jahr der Bischofssitz verwaist. Doch jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Laut einem Bericht der Vorarlberger Nachrichten soll die Nuntiatur aus den Vorschlägen für einen Nachfolger nun vier Kandidaten ausgewählt haben.

Chancen auf das Bischofsamt sollen demnach haben: Diözesanadministrator Benno Elbs, der unter Bischof Fischer Generalvikar war und in Vorarlberg der Wunschkandidat vieler ist, der Vorsitzende des Diözesangerichts Walter Juen, der als konservativ geltende Anton Lässer, Leiter des Priesterseminars Leopoldinum-Heiligenkreuz, und Pfarradministrator Thomas Felder. Letzterer gehört der geistlichen Familie "Das Werk" an, deren Wirken vom Vatikan mit einem Bischof aus ihren Reihen belohnt werden könnte. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 30.6.2012)

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