Ägyptens First Lady als erste Dienerin

Die Frau des neuen ägyptischen Präsidenten setzt auf Bescheidenheit

Schon vor der ersten Runde der ägyptischen Präsidentschaftswahlen hatten lokale Medien einen Blick auf die Ehefrauen einiger Spitzenkandidaten geworfen. Naglaa Ali Mahmoud, die Gattin des späteren Wahlsiegers Mohammed Morsi - er wird am heutigen Samstag als Präsident vereidigt - brach gleich mit einem Tabu und verriet ihr Geburtsjahr.

Aber sonst vertritt die neue First Lady ein islamisch-konservatives Rollenverständnis. "Der Islam hat uns gelehrt, dass die Herrscher der Völker ihre Diener sind, wie die Frau. Sie sollte ihrem Mann dienen und helfen, so wie er dem Land dient. Neu geschaffene Titel wie Ägyptens First Lady lehnen wir ab", sagte sie damals. Sie nennt sich lieber Umm Ahmed, Mutter von Ahmed. Mahmoud wird sich weiterhin sozial engagieren. Ein politisches Engagement lehnt sie ab.

Die heute 50-jährige Mutter von vier Söhnen und einer Tochter hat mit 17 Jahren, gleich nach dem Ende ihrer Schulzeit, in Kairo geheiratet und ist ihrem Mann in die USA gefolgt. Dort hat sie sich zur Dolmetscherin weitergebildet und arbeitete als Übersetzerin. Seit die Familie aus den USA zurück ist, widmet sich Mahmoud neben ihrem Hausfrauen-Job dem Bildungsprogramm für Mädchen in der Frauensektion der Muslimbrüder.

Konservative Haltung

Morsi versteckt seine Frau nicht, wie das bei konservativen Muslimen oft der Fall ist. Sie war bei verschiedenen seiner Wahlveranstaltungen präsent, ohne allerdings das Wort zu ergreifen. Auch in Interviews spricht der neue Präsident immer wieder ungefragt über sie. Das ist in einer Region, in der Ehefrauen von Politikern viel weniger in der Öffentlichkeit präsent sind als etwa in Europa oder Amerika, keine Selbstverständlichkeit.

Die äußere Erscheinung entspricht Mahmouds konservativer Haltung. Sie trägt einen Khimar, einen Umhang, der vom Kopf bis zu den Knien reicht, und eine bodenlange Abaya und verzichtet auf Make-up. Es ist das typische Outfit von Millionen Ägypterinnen vor allem auf dem Land, aber auch in der Stadt und ein starker Kontrast zur ihrer Vorgängerin Susanne Mubarak, der westlich orientierten Tochter eines ägyptischen Vaters und einer walisischen Mutter.

Moderne, säkulare Städterinnen haben zum Teil wenig Freude, dass die erste Frau im Staat mit ihrer "Muslimbruder-Uniform" künftig so gar keine Eleganz ausstrahlen wird. Aber Mahmoud steht zu ihrer bescheidenen Herkunft und will eine ganz normale Frau bleiben und den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 30.6.2012)

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