Festtag einer bedrohten Spezies

Peter Matzanetz
29. Juni 2012, 19:44
  • Perfektes Facility-Management: Die Doppelfassade des "Nature Towers" in Lissabon ist begeh- und daher auch leicht reinigbar.
    foto: ertex solar

    Perfektes Facility-Management: Die Doppelfassade des "Nature Towers" in Lissabon ist begeh- und daher auch leicht reinigbar.

  • Als das Schloss Laxenburg errichtet wurde, dachte man noch in vielen 
Jahrhunderten. Dieses langfristige Lebenszyklus-Denken wird heute oft 
vermisst.
    foto: atga marketing

    Als das Schloss Laxenburg errichtet wurde, dachte man noch in vielen Jahrhunderten. Dieses langfristige Lebenszyklus-Denken wird heute oft vermisst.

Facility-Management müsse von Anfang an mitgedacht werden, so lautete der Tenor des 20. ATGA Facility Kongress im Schloss Laxenburg

Wien/Laxenburg - Der ATGA Facility Kongress, der heuer zum 20. Mal stattfand und im historischen Schloss Laxenburg über die Bühne ging, hatte einen deutlichen Fokus auf die branchenübergreifende Vernetzung zwischen Architekten, Technikexperten und Vertretern der Immobilienbranche. Rund 230 Personen nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil. Ziel war es, sich gemeinsam Gedanken über die Optimierung von Gebäuden und Nutzungskonzepten zu machen.

"Als Facility-Management vor vielen Jahren als Thema neu aufgekommen ist, ging es damals noch vor allem um Kostenvorteile", erklärt Markus Aschauer, Geschäftsführer der ATGA Marketing GmbH. "Heute geht es weniger um die Kosten als vielmehr um den Gedanken, langfristig und möglichst wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig zu planen."

Facility-Management sei keine losgelöste Sache, sondern funktioniere heutzutage nur noch stark branchenübergreifend, so der Tenor unter den Teilnehmern. Außerdem müsse ein Facility-Manager die Optimierung der Gebäudenutzung bei Bauherren, Gebäudeverwaltern oder Planern frühzeitig reklamieren. Eine misslungene Gebäudeplanung könne - einmal passiert - grobe Probleme verursachen.

Mit wenig Aufwand hohe Einsparungen möglich

An plakativen Negativbeispielen mangelt es freilich nicht. "Oft werden in Gebäuden Fenster eingebaut, die nicht zu öffnen und daher auch schwer beziehungsweise nur auf teure Weise zu reinigen sind", erklärt Aschauer, "immer wieder werden auch Leuchtkörper so montiert, dass sie in unerreichbarer Höhe liegen und so schwer zu tauschen sind."

Gegen solche Planungsdefizite möglichst früh vorzugehen wäre auch laut Horst Pichlmüller, Präsident des Facility Verbandes IFMA Austria, der beste Weg: "Auf diese Weise erreicht man mit relativ wenig Aufwand hohe Einsparungen." Eine laufende Abstimmung mit anderen Professionisten befürwortet hingegen der Architekt und Objektmanager Christian Maeder. Und gibt zu bedenken: "Bis zur Fertigstellung eines Neubauprojekts vergehen mitunter acht bis zehn Jahre. In so einer langen Zeit ändern sich die Ansprüche der Mieter ans Gebäude."

Auch die Abstimmung der technischen Lösungen wird immer wichtiger. "Heizungs- und Kühlungsfirmen können zwar geniale Dinge hervorbringen", bekrittelt Christian Pillwein, Leiter des Gebäudebereichs bei der Beckhoff Automation GmbH. "Aber die besten Ideen bringen nichts, wenn die Steuerungstechniken am Ende nicht aufeinander abgestimmt sind."

Zu kurz gedacht kommt teuer

Der Betrieb eines schlecht funktionierenden Gebäudes würde auf Dauer teurer zu stehen kommen. Mehr Problemeinsicht soll eine sogenannte Lebenszyklusbetrachtung bringen (siehe Interview). "Die Betrachtungsweise über den Lebenszyklus einer Immobilie bezieht nicht nur die Investitionskosten, sondern auch die laufenden Betriebskosten über einen bestimmten Zeitraum mit ein", sagt Karl Friedl vom Beratungsunternehmen M.O.O.CON.

Weitere Erkenntnisse des diesjährigen Facility-Kongresses gab es in der Nachhaltigkeitsfrage. Michael Wannbacher, Coach in Sachen Energie-Autarkie, kritisierte dabei die geringe Investitionsbereitschaft beim Energiesparen und forderte generell mehr Weitsicht: "Dem Bauherrn ist es meist ziemlich egal, wie hoch die Betriebskosten sind. Einem Investor geht es in erster Linie um den Verkaufserlös." Wenn der Ball über den Reinvestitionsansatz zurück an den Gebäudenutzer gespielt werde, so Wannbacher, sei das definitiv keine Lösung im ökologischen Sinne.

Wenn es ums Sparen geht, sind letztlich auch die Facility-Manager selbst eine bedrohte Spezies. Rund 2,5 Prozent der laufenden Betriebskosten sind nämlich dem Posten des Facility-Managements anzulasten - und die müssen sich erst einmal rentieren. (Peter Matzanetz, DER STANDARD, 30.6./1.7.2012)

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8 Postings

ah, ein hausmeister-kongress!

Facility Management - was hat das mit "Hausmeister" zu tun?

Sehr geehrter Herr oder sehr geehrte Frau northrim,

was hat Facility Management mit "Hausmeister" zu tun? Ich ersuche Sie hierzu um eine Erklärung.

Ich bin seit 1996 im Bereich des Immobilien- und Facility Management tätig. Und immer wieder, so ein bis dreimal pro Jahr, lese ich diesen "Hausmeister"-Vergleich.

Nun ist die Immobilienwirtschaft durchaus nicht unschuldig bei der Schaffung von heißer Luft durch neue Etiketten, denken wir nur an "Property Management". Aber warum dieser hämische Hass auf den Management-Ansatz Facility Mangement, welchen man mit ewig wiedergekauten Assoziationen mit dem 2000 abgeschafften Stand des Hausmeisters herabzuwürdigen versucht?

Vielleicht können Sie es mir erklären. Bitte!
-Peter Prischl-

nun gut, ich versuche, mein posting zu erklären: ich bin nicht vom fach, meine aussage hierzu mag für einen profi indifferent erscheinen, dies bitte ich zu entschuldigen. ich möchte zusätzlich hinzufügen dass ein "hausmeister" (ich bleibe der einfachheit halber bei diesem ausdruck) mir weder mal eine frau ausgespannt noch mir irgendwie in die suppe gespuckt als dass ich hämischen hass auf diesen ehrbaren berufsstand entwickeln würde. mein posting war eher (wie "Igor Gassner" es auch sah) als kritik an der verwendung von hochtrabenden, englischen ausdrücken für "normale" berufsfelder gedacht. Es ist schließlich nicht quantenphysik oder die viel zitierte "rocket science"...

Danke für Ihre Stellungnahme!

Finde ich sehr fair von Ihnen, dass Sie sich so erklären.
Auch ich meine, dass wir oft sinnlose Anglizismen verwenden, allerdings gerade bei Facility Management sehe ich keine Möglichkeit einer adäquaten deutschsprachigen Bezeichnung.
("Gebäudebewirtschaftung" ist erstens NICHT das Gleiche wie Facility Management, sondern ein Teilbereich desselben, und ist zweitens kein sehr schöner und flüssiger Ausdruck)
Ihr
-Peter Prischl-

Gebäudebewirtschaftung könnte man auch sagen

Der Zwang zum Englischen in allen Bereichen des Lebens geht mir schön langsam auf die beiden meinen.

Facility Management ist NICHT das Gleiche wie "Gebäudebewirtschaftung"

Sehr geehrter Herr Gassner,
Gebäudebewirtschaftung ist nur ein Teilbereich von Facility Management. Der Managementansatz Facility Management - "FM" zielt auf die Zufriedenheit einer Arbeitsplatznutzerin oder eines Gebäudenutzers ab (wobei es sich auch um einen Zementsack handeln kann, welcher eben auch adäquat "behaust" sein will) und geht daher von den Bedürfnissen einer Softwareentwicklerin in ihrem Büro, eines Vorschulkinds in seinem Kindergarten, eines gebrechlichen Greises in seiner Wohnung, einer Gruppe 15jähriger in einem Einkaufszentrum, einer Geschäftsreisenden in einem Hotel, einem Infarktpatienten in einem Krankenhaus, eine... etc. aus.
Gebäudebewirtschaftung trägt dazu bei, aber FM geht weit darüber hinaus.
-Peter Prischl-

Kostenoptimierung

Das wird nur in den Fällen funktionieren, in denen der Investor plant ein Objekt auch selbst langfristig zu nutzen! in den meisten Fällen wird aber für Dritte gebaut, die wiederum oft dann auch wieder vermieten und da sind die wirtschaftlichen Interessen zu verschieden.

Die "verschiedenen wirtschaftlichen Interessen" ...

... von Gebäudenutzern/-mietern, Immobilieneigentümern und Immobilien-/Facility Managern sind oft nur eine Ausrede, nicht gründlich zu konzipieren, zu planen, zu bauen, zu nutzen und zu betreiben.
Jeder Bügeleisenhersteller will Gewinn machen und weiß, dass er daz seine KundInnen zufrieden machen muss, indem sie ordentlich bügeln können.
Eine Immobilie ist trotz all der Sagen und Märchen, mit denen unsere Branche immer noch agiert ("... eine Immobilien ist ein Wert an sich ... Immobilien steigen immer im Wert ... man baut nur einmal ...") auch nichts anderes:
Ein Produkt mit vielen Dienstleistungskomponenten, dass mehr nützen als kosten muss.
Und das müssen Facility ManagerInnen hinkriegen.
-Peter Prischl-

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