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Wien - Natürlich ist Frankreich, auch was die Literatur und ihre Preise angeht, anders als alle anderen. Die Literaturpreise, deren Zahl in Frankreich nach vorsichtigen Schätzungen bei etwa 2000 liegt (gegenüber rund 500 bis 600 belletristischen Neuerscheinungen in jedem Jahr), stellen mehr dar als bloß eine sachliche Anerkennung für die schriftstellerische Leistung.
An der Preis-Spitze steht der älteste und prestigereichste Prix Goncourt, der 1903 von Edmond de Goncourt geschaffen wurde, um "das beste erzählerische Werk auszuzeichnen, das im Laufe des Jahres erschienen ist". Heuer wurde Didier Daeninckx für seine Novellensammlung L'Espoir en contrebande ausgezeichnet, 2010 hieß der Preisträger Michel Houellebecq, der für sein Werk La carte et le territoire geehrt wurde und einen symbolischen Scheck in Höhe von zehn Euro erhielt. Eigentlich soll der Prix Goncourt ganz unbekannte oder doch nur wenig bekannte Autoren vorstellen.
Von diesem Reglement ist man inzwischen abgekommen. An der Art und Weise, wie die Entscheidungen zustande kommen, entzünden sich heftige Dispute. Nicht um literarische Qualität geht es, sondern meistens um handfeste geschäftliche Interessen. In den Jurys für die großen Literaturpreise - neben dem Goncourt sind das vor all den vielen anderen der Prix Fémina, der Prix Médicis, der Prix Interallié und der Prix Renaudot - sitzen Preisrichter, die oft Verleger, Lektor, Literaturkritiker und Schriftsteller in einer Person sind. Verständlich, dass viele die Neigung haben, Autoren des eigenen Verlags den Vorzug zu geben. Die Häuser Gallimard, Grasset und Le Seuil sind eine Art "Trio infernal". Bei dem Preiszirkus geht es zu wie im Clan der Sizilianer. Man kennt sich, man fördert sich gegenseitig.
Ohnehin verlief die Geschichte des Prix Goncourt ziemlich kurvenreich. Seine Erfinder, die Brüder Jules und Edmond de Goncourt, hatten sich den Preis als Gegenstück zur Académie française vorgestellt. Edmond de Goncourt, der seinen jüngeren Bruder um 26 Jahre überlebte, verfügte in seinem Testament, dass über den Preis jährlich zehn Persönlichkeiten des literarischen Lebens bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant entscheiden sollten.
Ihr Urteil wurde nach dem Tod des Stifters erstmals 1903 gesprochen, und zwar im Restaurant Champeaux am Pariser Börsenplatz - beim Nachtisch. Aus dem nachgelassenen Vermögen der Brüder (ihr Vater hatte eine erhebliche Geldmenge sowie eine berühmte Kunstsammlung besessen) ging den Jurymitgliedern eine jährliche Apanage von jeweils 6000 Francs zu. Der Preisträger erhielt 5000 Francs.
Infolge der Geldentwertungen nach dem Ersten Weltkriegs schmolz allerdings das Vermögen dahin. Das Ansehen, das sich dieser Preis bis heute bewahren konnte, geht auf seine Frühzeit zurück. 1919 wurde Marcel Proust für seinen Roman Im Schatten junger Mädchenblüte ausgezeichnet, obschon in der Presse unmittelbar nach Kriegsende das dokumentarische Werk Holzkreuze (Les croix de bois) des gefallenen Autors Roland Dorgelès favorisiert worden war.
Um Fehlentscheidungen beim beim Prix Goncourt zu korrigieren, wurde 1926 von Literaturkritikern als eine Art Ergänzung der Prix Renaudot ins Leben gerufen. Er erinnert an den Arzt, Philantropen und Herausgeber der ersten französischen Zeitung, La Gazette, Théophraste Renaudot. Beide Jurys versuchen, sich oft gegenseitig Kandidaten abspenstig zu machen. Doch nach wie vor dominiert das Verlags-Trio Gallimard, Le Seuil, Grasset, im Volksmund auch "Galligrasseuil" genannt.
Normalerweise wird der durch den Prix Goncourt gekrönte Roman zum Bestseller im Weihnachtsgeschäft. Dem kann dann aber auch noch der Preis der Académie française in die Quere kommen. Für Ärger sorgen seit einigen Jahren auch der Prix Fémina und der Prix Médicis, die noch vor dem Goncourt ins Rennen gehen. Zwar heißt es bei Goncourt: "Die Preise sind für die Schriftsteller da!"
Tricks und Manöver
Aber zur Wahrung des Alleinvertretungsanspruchs lässt sich die Goncourt-Jury immer neue Tricks und Störmanöver einfallen. Das hat inzwischen das gesamte System der Literaturpreise in eine Krise gestürzt. Hinzu kommt, dass die große Zahl von Neuerscheinungen es den Juroren nahezu unmöglich macht, auch nur annähernd ein seriöses Qualitätsurteil zu fällen.
Seit 1988 gibt es auch noch den Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten. Er genießt ein hohes Ansehen. Seine Jury besteht aus Schülern zwischen 15 und 18 Jahren, die unter Aufsicht ihres Literaturlehrers den Preisträger aus etwa zwölf Romanen der offiziellen Selektion der Académie Goncourt auswählen, der dann von Tausenden meist jüngeren Leuten gelesen wird. Auf solche Veränderungen setzen inzwischen mehr und mehr Buchkäufer, weil sie mit den etablierten Preisen nicht mehr viel anfangen können.
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der schreibt 15 mal concourt, meint es also ernst.
auch in der printausgabe!
bin schon neugierig, mit welch schwachem witzchen der ranftl nächste woche diese peinlichkeit in der angeblichen qualitätszeitung zu entschuldigen versucht...
Man kann, nicht zu Unrecht, diese Auszeichnungen an den Pranger stellen aber man sollte zumindest den Namen richtig schreiben. Der Prix Gancourt, mit G, ist kein Concour, mit C - man erhält schließlich keinen Preis für einen Wettbewerb.
Mit freundlichen Grüßen
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