Ainetter: "News" soll wieder stärker polarisieren

  • Wolfgang Ainetter.
    foto: apa

    Wolfgang Ainetter.

Wochenmagazin "News" will "wieder mehr annecken" Neuer Chefredakteur Ainetter hält zwölf Prozent Reichweite für machbar

Wien - Das Wochenmagazin "News" will nach den Reichweitenrückgängen der vergangenen Jahre wieder kantiger werden und bei den Lesern zulegen. Das kündigte der neue Chefredakteur Wolfgang Ainetter im Interview mit dem Branchenmagazin "Extradienst" an. Zuvor hatte bereits im STANDARD gesagt, dass er die Position von schärfen wolle. "News" "'News' muss wieder mehr anecken, Menschen auf die Füße treten. Nur so wird man relevant. Wir werden also stärker polarisieren", so der ehemalige "Heute"-Chefredakteur, der am 1. Juli sein neues Amt antritt.

Darüber hinaus müsse die Illustrierte wieder "mehr emotionalisieren, mit Bildern und Geschichten, die berühren", sagte Ainetter. "Aufdecker-Stories sind wichtig für Image und Relevanz. Für die Jungen braucht man eine besonders gut abgestimmte Mischung aus Seriosität und Unterhaltung. Wo 'News' stärker werden muss, ist der People-Teil. Auch in diesem Bereich muss es wieder den Anspruch geben, exklusive Stories zu haben", lässt Ainetter Kritik an der bisherigen Positionierung anklingen. Es gehe "weniger um eine Society-Wochenschau als vielmehr um das Setzen eigener Themen".

Kantiger

Mit einem kantigeren Profil will Ainetter die "News"-Reichweiten, die in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind, wieder steigern. Derzeit hält das Wochenmagazin bei etwas über 9 Prozent Marktanteil und knapp 670.000 Lesern. "Unser nächstes Ziel muss es sein, wieder zweistellige Reichweiten-Werte zu haben. Vielleicht sind mittelfristig auch wieder zwölf Prozent machbar", glaubt Ainetter.

Strenge will der neue "News"-Chefredakteur in Sachen Verhaltensregeln zeigen. "News"-Geschäftsführer Matthias Schönwandt musste im Vorjahr nach nur drei Monaten das Unternehmen wieder verlassen, weil er mit Geschenken für Anzeigenkunden gegen den Verhaltenskodex des "News"-Hauptgesellschafters Gruner+Jahr verstoßen hatte. Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss, für den "News" mit Aufdeckergeschichten immer wieder Material lieferte, tauchte zuletzt "News"-Wirtschaftsressortleiter Markus Leeb neben "Krone"-Kolumnist Michael Jeannee und "Österreich"-Geschäftsführer Wolfgang Zekert auf der Jagdeinladungsliste des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly auf. Ainetter dazu im "Extradienst": "Ich muss erst mit dem Kollegen, reden, um mir dann ein Urteil bilden zu können. Aber für mich gilt: ich will nicht, dass die Redaktion Geschenke annimmt. Grundsätzlich nicht."

Personelle Konsequenzen soll Ainetter unterdessen an anderer Stelle getroffen haben. So berichtet das Branchenblatt "Horizont" in seiner aktuellen Ausgabe, dass "News"-Autor und Chefredaktionsmitglied Walter Pohl von Ainetter abgelöst wurde und das Heft demnächst verlassen soll. Der neue "News"-Chefredakteur verwies dazu gegenüber dem "Horizont" lediglich darauf, über Redaktionsinterna nichts sagen zu können. (APA, 29.6.2012)

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