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Alfred Hitchcock hat bezaubernde Filme gemacht und bezaubernd offenherzige Gespräche geführt. In seinem berühmten 50-Stunden-Interview mit François Truffaut verriet der bauchige Meisterregisseur einst ohne Umschweife, dass ihn beim Drehen von Marnie vor allem die Idee amüsiert habe, "eine fetischistische Liebe zu zeigen. Ein Mann will mit einer Diebin schlafen, weil sie Diebin ist, wie andere mit einer Chinesin oder Negerin schlafen wollen."
Als Kenner auch eher entlegener Triebkonstellationen (Psycho!) hat sich Hitchcock bei diesem Fetischvergleich merklich zurückgehalten (außer natürlich bei der Verwendung des N-Wortes, das wir ihm heute nicht mehr durchgehen ließen). Wenn Hitchcock mit seltsameren sexuellen Begierden hätte aufwarten wollen, hätte er seinen Blick nur ins österreichische Neurosenparadies werfen müssen.
Ein Blick in die psychoanaly tische Literatur zeigt, dass auch heute noch wunderliche Austro-Fetischismen grünen und blühen. So berichtet die Zeitschrift Couch Potatoe vom Fall eines polymorph-perversen Wiener Ehepaars, das nur auf Touren kommen konnte, wenn es ein Foto von der Angelobung des Kabinetts Schüssel II neben dem Bett stehen hatte. Schüssel I ging dagegen gar nicht. Die Analytiker stehen bis heute vor einem Rätsel.
Sonderbar auch die Causa des unter dem Namen "Herr Franz" bekanntgewordenen jungen Burgenländers, der ausschließlich dem GV mit Frauen aus Zell am Ziller frönen wollte. Bei etlichen Versuchen, mit Damen anderer geografischer Provenienz (Innerbraz, Zell am See) anzubandeln, blieb Herrn Franzens Schniedelwutz konstant schlapp. An eine Frau aus Zell am Ziller braucht Herr Franz aber nur zu denken, schon wird er von enormer Lust übermannt und kennt nur noch ein Ziel: den Kleinen in den Zirkus zu führen. Ein Fall von Tirol-Fixierung, wie man ihn nicht alle Tage auf der Couch hat.
Die beliebteste Sexualfantasie der Österreicher ist und bleibt freilich Petting mit einer Sachertorte. Jüngsten Forschungen zufolge träumen bis zu zwei Drittel der Österreicher davon, einmal einer Sachertorte mit dem Zeigefinger unter die Glasur zu greifen und kräftig in den Weichteilen zu pulen. Eine sehr extravagante und sehr österreichische Obsession. Nur schade, dass Hitchcock sie nicht mehr verfilmen kann. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 30.6./1.7.2012)
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