Damit Flexibilität nicht zur Falle wird

  • Barbara Schwarz, Landesrätin in NÖ für Soziales, Arbeit, Familie.
    foto: standard/hendrich

    Barbara Schwarz, Landesrätin in NÖ für Soziales, Arbeit, Familie.

  • Kurt König, Human-Resources-Direktor Umdasch AG.
    foto: standard/hendrich

    Kurt König, Human-Resources-Direktor Umdasch AG.

  • Helmut Mahringer, Arbeitsmarktexperte des Wifo.
    foto: standard/hendrich

    Helmut Mahringer, Arbeitsmarktexperte des Wifo.

  • Ulrike Weiß, Human-Resources-Direktorin Baxter.
    foto: standard/hendrich

    Ulrike Weiß, Human-Resources-Direktorin Baxter.

  • Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria.
    foto: standard/hendrich

    Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria.

Flexible Arbeitszeiten und Teilzeit: Bedürfnisse von Firmen und Wünsche von Mitarbeitern passen oft nicht zusammen

Frauen arbeiten meist Teilzeit, um ihre Familienrolle ausfüllen zu können - nicht immer optimal. Klappt Führung in Teilzeit? Fabian Kretschmer war bei einer Diskussion im Wiener Haus der Industrie.

Barbara Schwarz, Landesrätin in NÖ für Soziales, Arbeit, Familie.

"Elterndasein wird stets mit Mutterdasein gleichgesetzt. Teilzeitmodelle müssen jedoch für beide Elternteile stattfinden - auch Väter haben ihren Teil zu leisten. Beide können schließlich 30 Stunden arbeiten. Wie das Familienleben geführt wird, entscheidet sich natürlich im Privaten, da kann die Politik keine Vorschriften machen, sondern nur die bestmögliche Infrastruktur bereitstellen. Mein Modell ist, dass es den Kindern gut tut, wenn die Eltern viel zu Hause sind, aber das sollte jeder selbst entscheiden.

Ich denke, dass man Führungspositionen auch Teilzeit ausüben kann. Da muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Ich schicke auch manchmal um 24 Uhr noch E-Mails raus und bin für meine Mitarbeiter erreichbar. Das geht schon, sollte aber nicht zur Regel werden. Es darf nicht in Richtung Ausbeutung gehen.

,Weibliche' Berufe weisen oft eine schlechtere Bezahlungen auf. Ich bitte junge Frauen daher stets, gut darüber nachzudenken, welchen Beruf sie ergreifen."


Kurt König, Human-Resources-Direktor Umdasch AG.

"In den 90ern ist unser Unternehmen sehr erfolgreich von einer Frau geführt worden - die hat aber überhaupt nicht über Teilzeit nachgedacht, sondern gearbeitet, wann es notwendig war und wann sie es wollte. Führung hat meiner Ansicht nach auch immer etwas mit Anwesenheit zu tun, und zwar körperlicher Anwesenheit. Wenn man in der Produktion 100 Mitarbeiter führt, aber nur zwei bis drei Tage die Woche anwesend ist, dann funktioniert das nicht.

Viele Unternehmen haben ein Problem mit Flexibilität, weil sie die Diskussion nur auf Überstunden einengen. Es gibt kaum Bereitschaft bei uns, an Zeiten zu arbeiten, zu denen andere nicht arbeiten - also etwa Samstagfrüh. Um das für unsere Mitarbeiter schmackhaft zu machen, werden wir wohl finanzielle Anreize setzen müssen.

Bei Umdasch haben wir eine Teilzeitquote von zehn Prozent. Die meisten davon sind Wiedereinsteigerinnen. Insgesamt sind unsere Führungspositionen kaum von Frauen besetzt, die sind an einer Hand abzuzählen."


Helmut Mahringer, Arbeitsmarktexperte des Wifo.

"In Österreich werden Führungspositionen hauptsächlich von Männer besetzt, weniger als fünf Prozent auf Führungsebene sind weiblich. Teilzeitarbeit hingegen ist eindeutig von Frauen dominiert. Innerhalb von 15 Jahren hat sich der Frauenanteil nahezu verdoppelt, Tendenz steigend. Das Gros des Beschäftigungsanstiegs kommt aus der Teilzeitarbeit - in Zeiten, in denen das Arbeitsangebot sinkt, ein wichtiges Reservat.

Im Vergleich zum EU-Durchschnitt haben wir in Österreich bei Frauen eine höhere Teilzeitquote, bei Männern liegen wir deutlich drunter.

Die Gründe für Teilzeitarbeit sind bei Frauen fast ausschließlich Kinder und pflegebedürftige Eltern. Bei Männern spielt das kaum eine Rolle. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Frauen, die früher nicht erwerbstätig gewesen wären, mittlerweile durch Teilzeitarbeit ins Berufsleben einsteigen. Viele wollen einmal Teilzeit arbeiten - aber nicht ihr ganzes Erwerbsleben lang. Teilzeit ist jedoch oft ein Weg in die Sackgasse."


Ulrike Weiß, Human-Resources-Direktorin Baxter.

Ich habe zwei kleine Kinder im Alter von vier und acht Jahren. Bei beiden Schwangerschaften bin ich nach sieben Monaten wieder in den Job eingestiegen.

Seit meine jüngste Tochter nun auch im Kindergarten ist, arbeite ich 34 Stunden die Woche. Rund dreimal wöchentlich gehe ich um 15 Uhr, um meine Kinder vom Kindergarten und der Schule abzuholen. Fast die Hälfte all unserer Labortechniker arbeitet Teilzeit. Insgesamt haben wir 400 Leute in Teilzeit, also knapp zehn Prozent. Diese Mitarbeiter haben fast alle individuelle Arbeitszeitmodelle. Bei uns ist so gut wie immer die Familie der Grund, wenn Eltern auf Teilzeit gehen - sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Insgesamt arbeiten bei uns 20 Väter auf Elternteilzeit. Auf ,Director Level' gibt es jedoch noch keine Männer bei Baxter, die Teilzeit arbeiten. Mittlerweile haben wir jedoch auch viele Frauen in Führungspositionen. Uns geht es darum: Wie kann ich gut qualifizierte Frauen im Job halten, wenn sie Kinder bekommen?


Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des abz*austria.

"Ich teile mir seit über 17 Jahren meine Führungsposition mit einer Kollegin. Wir haben mittlerweile 80 Angestellte und 30 freie Mitarbeiter in unserem Unternehmen. 64 von ihnen arbeiten auf Teilzeit.

Jedes Unternehmen wird langfristig erkennen müssen, dass Führungspositionen auch durch Teilzeitarbeit geleistet werden können. Bei uns kann man von sechs bis 22 Uhr ohne Kernzeit arbeiten, ohne fixe Anwesenheitszeiten, denn unsere Philosophie lautet: Anwesenheit alleine bedeutet nicht gleich Führung.

Wenn ich zehn Prozent weniger arbeite, heißt das nicht automatisch, dass ich zehn Prozent weniger leiste. Die Frauen in unserem Unternehmen gehen nicht nur wegen ihrer Kinder auf Teilzeit, sondern weil sie eine andere Work-Life-Balance leben wollen. Wichtig sind Role-Models, um das Thema in den Köpfen der Leute voranzubringen. Statistiken belegen, dass, immer wenn eine Familie ein Kind bekommt, die Väter noch mehr arbeiten und die Mütter nur mehr 20 Stunden." (Fabian Kretschmer, DER STANDARD, 30.6./1.7.2012)

Share if you care