"Just do it": Zehn Jahre katholische Priesterinnen

29. Juni 2012, 14:43
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Seit zehn Jahren trotzen die Frauen den Kirchengesetzen und arbeiten als Priesterinnen und Bischöfinnen unter anderem mit originellen Fürbitten

Passau - Es war ein Jubiläum ohne Prunk und Protz: Schwere Dienstlimousinen suchte man am Freitag vor der Passauer Redoute ebenso vergebens wie VertreterInnen der politischen Bühne. Ob die Honoratioren gekommen wären, wären sie denn eingeladen gewesen, ist höchst fraglich, feierten doch römisch-katholische Priesterinnen ihr zehnjährige Weihejubiläum.

Nach den römisch-katholischen Kirchengesetzen darf es so etwas gar nicht geben. Und so wurden die sieben Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA, die sich vor genau zehn Jahren auf einem Donauschiff vor Engelhartszell zu Priesterinnen weihen ließen, folgerichtig 2003 vom Vatikan exkommuniziert. "Das ist eine Beugestrafe und schließt uns nicht aus der Kirche aus", wird Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger aus Salzburg nicht müde zu betonen.

Zu einer Massenbewegung hat sich die "Initiative Weiheämter für Frauen in der römisch-katholischen Kirche" oder kurz RCWR ("Roman Catholic Women Priests") in den zehn Jahren seit der Priesterinnenweihe durch den argentinischem Bischof und Befreiungstheologen Romulo Braschi nicht gerade entwickelt, aber Mayr-Lumetzberger ist zufrieden.

"Just do it"

"Wir haben alles erreicht, was man erreichen konnte", sagt die Salzburgerin. Weltweit 130 römisch-katholische Priesterinnen und zehn Bischöfinnen zeugen davon, dass etwas in Bewegung geraten sei. Besonders viel Zuspruch findet die Priesterinnen-Bewegung in den USA. "Just do it" (Mach es einfach) ist dort ihr Motto.

Die Runde, die sich an diesem Freitag in der Dreiflüssestadt versammelte, war klein, dafür aber umso ernsthafter und inniger bei der Sache. Zwei Bischöfinnen - Mayr-Lumetzberger und die Argentinierin Alicia Braschi - feierten die Heilige Messe. Gott möge helfen, in den "verkrusteten Kirchenstrukturen den Geist Jesu wiederzubeleben", brachte ein Teilnehmer in den Fürbitten vor.

Einen großen öffentlichen Rummel wollte Mayr-Lumetzberger aus dem weiblichen Weihejubiläum nicht machen - auch aus Furcht vor der in Passau noch besonders mächtigen Amtskirche, die womöglich bei der Überlassung des Saales interveniert hätte.

Kein gottgegebenes Priesterinnen-Verbot

Zwei der sieben vor zehn Jahren gegen den Willen der Amtskirche auf der Donau geweihten Priesterinnen haben sich zurückgezogen, die anderen sind voll bei der Sache. Die in Krems geborene Dagmar Braun Celeste muss bei ihren Messen nicht einmal auf eine Kirche verzichten. Die Lutheraner stellten dafür ihr Gotteshaus zur Verfügung, berichtete die mit dem ehemaligen Gouverneur von Ohio verheiratete katholische Priesterin: "So wird die Bewegung auch Teil der Ökumene".

Für die Priesterinnen und ihre AnhängerInnen ist das Weiheverbot für Frauen natürlich nicht gottgegeben, sondern eine Erfindung männlicher Kirchenpotentaten. Die emeritierte Geschichts- und Theologieprofessorin Dorothy Irvin, die in Tübingen lehrte, hat viele Nachweise aus den ersten acht Jahrhunderten nach Christus gefunden, die beweisen, dass Frauen sehr wohl als christliche Priesterinnen tätig waren. Das Argument des Vatikans, man könne Frauen nicht ordinieren, weil Jesus das auch nicht getan habe, wischt die Wissenschaftlerin mit einem Satz vom Tisch: "Männer hat er auch nicht ordiniert."

Reformen, weil BeitragszahlerInnen wegbrechen

Treibende Kraft der Priesterinnen-Bewegung ist zweifellos die pensionierte Salzburger Lehrerin Mayr-Lumetzberger. Viele Taufen, Begräbnisse, mehr als 40 Hochzeiten und ungezählte Messen und Segnungen hat sie bereits als Diakonin, Priesterin und Bischöfin vorgenommen. "In vielen von uns", sagt sie, "ist ein Gottes-Gen: Wir möchten das machen. Wir wissen gar nicht, warum". Sie hat die Zuversicht einer Prophetin, dass ihre Bewegung sich irgendwann durchsetzen wird: Die große Kirchenreform werde sich in Europa dadurch einstellen, "dass die Kirche die Masse der Kirchenbeitragszahler wegbrechen werden".

Kirchenaustritte berühren die Priesterinnen des RCWP nicht, weil sie ohnehin keinen Cent aus dem Kirchensteueraufkommen erhalten. Alle ihre Aktivitäten finanzieren sie selbst oder aus Spenden. "Das ist auch gut so", meint Bischöfin Mayr-Lumetzberger: "Da bleiben wir unabhängig". (APA, 29.6.2012)

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