Dem heurigen Jahr wird eine Sekunde geschenkt

Internationales Erd-Rotations-Service fügt vor 2:00:00 Uhr MESZ in der Nacht auf Sonntag eine Schaltsekunde ein

Braunschweig - Genau eine Sekunde mehr Zeit gibt es zur Jahresmitte. In der Nacht auf Sonntag (1. Juli) - genauer: vor 2:00:00 Uhr MESZ - wird in die Weltzeit eine Schaltsekunde eingefügt werden, wie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig mitteilte. Beschlossen habe die Zusatzsekunde der Internationale Erd-Rotations-Service (IERS) in Paris.

Es ist bereits die 25. Schaltsekunde seit 1972. Durchschnittlich sind Schaltsekunden etwa alle 18 Monate notwendig, doch zuletzt gab es eine im Jahr 2008. Nötig sind die "geschenkten" Sekunden, weil Sonnen- und Atomzeit nicht exakt gleich sind. Die Sekunden werden in unregelmäßigen Abständen in die Zeit eingefügt. "Wenn man Schaltsekunden häufig braucht, dreht sich die Erde langsam. Wenn man sie nicht braucht, dreht sie sich schnell", erklärt der Physiker Andreas Bauch von der PTB.

Schaltstunde im Jahr 2600

Derzeit wird eine Änderung des Vorgehens überlegt; beispielsweise wurde der Vorschlag gemacht, statt der unregelmäßigen Schaltsekunden, die manche Computersysteme aus dem Takt bringen können, im Jahr 2600 eine Schaltstunde einzufügen. Eine endgültige Entscheidung wurde auf 2015 vertagt.

Erdrotation wird langsamer

Abgeleitet wird unsere Zeit von hochgenauen Atomuhren. Das Problem ist aber, dass die 1967 festgelegte und bis heute gültige Dauer der Atomsekunde sich an astronomischen Daten vergangener Jahrzehnte orientiert, in denen sich die Erde noch etwas schneller drehte als heute. Dadurch ist eine Sekunde zustande gekommen, die minimal kürzer ist als dies nach der Länge eines Tages berechnet wird - ein Tag geteilt durch 24 (Stunden), danach geteilt durch 60 (Minuten) und schließlich geteilt durch 60 (Sekunden). Um Atom- und Sonnenzeit in Einklang zu bringen wurde daher beschlossen, eine Zeitskala mit Schaltsekunden als weltweite Referenzzeit zu nehmen. Funkuhren stellen sich automatisch um. Uhren, die per Hand gestellt werden, müssten um eine Sekunde angehalten werden. (APA/red, derstandard.at, 29.6.2012)

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