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vergrößern 1377x505Hedgefonds sind in der Eurokrise immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt worden. Der Mai war zuletzt eines der schlechtesten Monate für die Industrie, für Hedgefonds mit Aktienstrategien etwa der schlechteste seit September 2011. Und eine Reihe von Fondsmanager haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen, weil die Märkte der vergangenen eineinhalb Jahre, geprägt von hoher Korrelation (Anlagen bewegen sich in dieselbe Richtung) und einem volatilen Auf-und-Ab, wenig Opportunitäten bieten, etwa für fundamentale Aktienanalyse.
So sind es Manager wie Paul Sinclair, die aufgrund der gestiegenen politischen Unsicherheit keinen Mehrwert mehr für Kunden liefern können. Steigt die politische Unsicherheit, steigen die Korrelationen zwischen verschiedenen Anlageklassen. Kurz gesagt: hängt alles von der europäischen Politik ab, tun sich viele Zahlenjongleure schwerer. Sie kehren der Branche lieber den Rücken - oder schließen zumindest ihre schlechter laufenden Fonds.
Soweit zur anekdotischen Evidenz. Doch die Zahlen zeigen einen anderen Trend. Blickt man auf das verwaltete Vermögen der Branche, fällt auf, dass sich die Hedgefondsindustrie eigentlich gut von der Finanzkrise erholen konnte (siehe Grafik). Das investierte Volumen ist bereits wieder deutlich über die Marke von 2000 Milliarden US-Dollar angestiegen.
Gestützt wird die Branche besonders von der Nachfrage von institutionellen Anlegern wie Versicherungen. Vor kurzem hat etwa der Fonds-Vermögensverwalter Feri in Deutschland eine Hedgefonds-Konferenz veranstaltet, laut eigener Darstellung wegen der gestiegenen Nachfrage nach Beratung zum Thema Hedgefonds. Der Einladung sind Versicherungen, Family Offices (also Verwalter von großen Privatvermögen) und Investmentgesellschaften gefolgt. Der Tenor war eindeutig: Angesichts von unattraktiven Zinsen auf klassische Staatsanleihen werden alternative Anlagen immer wichtiger. Marcus Storr, Leiter der Hedgefondsabteilung bei Feri, geht davon aus, dass die Branche in den nächsten zehn Jahren 500 Milliarden Dollar zusätzlich einsammeln kann.
Lehren aus der Krise
Das bedeutet freilich nicht, dass die Industrie sich nicht ändern wird. Der Niedergang der Dach-Hedgefonds, also jener Fonds, die ihr Geld wiederum in Hedgefonds-Strategien investiert haben, könnte langfristig anhalten. Zu teuer ist es für viele Investoren, auf zwei Ebenen (auf Ebene des Fonds und der Subfonds) Gebühren abzuführen. Hedgefonds sind mit der 2/20-Formel (zwei Prozent jährliche Managementgebühr und 20 Prozent erfolgsabhängige Vergütung) in jedem Fall ein profitables Geschäft für den jeweiligen Manager. Wenn diese Gebühren doppelt bezahlt werden, bleibt nichts mehr für die Anleger über. Eine aktuelle Studie der Fondsanalysten von S&P etwa hat gezeigt, dass Dach-Hedgefonds kaum Mehrertrag liefern können. Übermäßige Kosten sollten Anleger demnach vermeiden.
Anleger sollten noch eine zweite Lehre ziehen: Size matters. Das gilt nicht nur für klassische Investmentfonds. Auch Hedgefonds haben immer wieder große Probleme, an ihren Erfolg anzuschließen, wenn sie einmal über eine gewisse Größe wachsen. Ein perfektes Beispiel dafür ist John Paulson. Mit seinen erfolgreichen Wetten gegen die Immobilienblase in den USA hat er nicht nur Ruhm, sondern auch viel Geld eingesammelt. Das hat den Fonds groß gemacht, sehr groß sogar. Bis zu 12 Prozent des ausstehenden Volumens an Anteilen des SPDR Gold ETF hat Paulson gehalten und hat damit im großen Stil auf das gelbe Edelmetall gewettet. Als Investoren wegen der durchwachsenen Performance Geld abgezogen haben, musste Paulson sich auch von Goldpositionen trennen, was den Druck auf den Goldpreis zuletzt erhöht hat.
Hingegen sind es primär Medien, die Hedgefonds bereits abgeschrieben haben (siehe Reuters, oder sehr ähnlich bei der "Presse"). Die spekulativen Fonds könnten an ihre glorreichen Zeiten nicht mehr anschließen. Oder wie Reuters schreibt, stelle sich die Frage, wann Hedgefonds wieder zu ihrem "Midas touch" kommen könnten. Dabei sollten Anleger regelrecht Angst vor dem "Midas touch" haben, also vor Managern, die in jedem Fall versprechen die Kundengelder zu vergolden. Die milliardenschweren Pyramidenspiele von Madoff, Stanford und Co. sollten noch nicht vergessen sein. (Lukas Sustala, 29.6.2012)
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