Ein teuflischer Gipfel für schwitzende Profis

29. Juni 2012, 16:58
  • Mehr als 200 Stück Vieh verbrinen die Sommerzeit auf den freien Flächen.
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    Mehr als 200 Stück Vieh verbrinen die Sommerzeit auf den freien Flächen.

  • Gesamtgehzeit 4½ Stunden. Höhendifferenz 600 Meter. Wildalm-Hütte auf der Sulzriegelalm (während der Almsaison bewirtschaftet). ÖK25V Blatt 4211-West (Veitsch),  Maßstab 1:25.000
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    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 4½ Stunden. Höhendifferenz 600 Meter. Wildalm-Hütte auf der Sulzriegelalm (während der Almsaison bewirtschaftet). ÖK25V Blatt 4211-West (Veitsch), Maßstab 1:25.000

Bärenkögerl klingt zahm, ist es aber nicht: vom Lahnsattel markierungslos und teilweise ohne Steig auf die Wildalpe

Den langen Höhenzug der Wildalpe zwischen dem Halltal und dem oberen Mürztal zieren zwar zwei Sendemasten, die natürlich per Fahrzeug erreichbar sind, dennoch präsentiert sich der Berg dem Wanderer sehr naturbelassen. Es gibt keine Markierung, nur bis zur Sulzriegelalm eine schüttere Beschilderung. Danach fehlen sogar Wege und Steige. Die Wildalpe sei daher nur "geländegängigen" Bergsteigern empfohlen.

Doch dafür können sich diese auf ein besonderes Erlebnis freuen: Sobald die baumfreie Zone erreicht ist, hat man immer wieder einen beeindruckenden Blick auf die wilde Südseite des Göllers, weiter oben auch auf Veitsch und Tonion. Gekrönt wird diese Schau vom Gipfelpanorama, das unter anderem Schneealpe, Hinteralm, Gippel, Hochschwab, Zellerhüte, Ötscher, Dürrenstein, den Großen Sonnleitstein und die beiden Proles bilden.

Der urtümliche Charakter der ausgedehnten freien Flächen, auf denen mehr als 200 Stück Vieh die Sommerzeit verbringen, wird durch verfallene Hütten auf der Hochalm nochmals unterstrichen. Eine vielfältige Pflanzenwelt ergänzt die Szenerie.

Allerdings, und das muss dazugesagt werden, müssen die Gipfelfreuden in dieser einmaligen Landschaft mit Schweiß bezahlt werden, denn der weglose Anstieg von der Sulzriegelalm zum Bärenkögerl ist sehr steil.

Die Wildalpe, die gemeinhin als Geheimtipp für Skitourengeher gilt, wird in der warmen Jahreszeit daher relativ wenig bestiegen. Das jedenfalls kann man dem Gipfelbuch entnehmen. Und die am Kreuz befestigte Schatulle hat ein Witzbold (oder vielleicht sogar ein Dummkopf), der auch auf anderen Gipfeln seit langer Zeit sein Unwesen treibt, mit der Aufschrift "I. Kyselak" versehen.

Bei schlechter Sicht oder gar bei Nebel ist von der Wanderung dringend abzuraten, denn dann kann es auf den ausdehnten Almflächen selbst für erfahrene Bergsteiger Orientierungsprobleme geben. Die Bundesamtskarte sollte man mithaben.

Der Sage nach erscheint auf der Wildalm der Teufel den Sennerinnen, die auf den Kirchgang verzichten. Lediglich mit einem Rosenkranz kann er in die Flucht geschlagen werden.

Die Route: Vom höchsten Punkt des Lahnsattels - beim Denkmal für die Opfer der Lawinenkata strophe von 1878 - geht man nach Süden zum Waldrand und hält sich rechts (Wegweiser Wildalm) auf einer Forststraße, später dann links auf einem Steig (auch hier Wegweiser). Man erreicht wieder eine Forststraße und folgt dieser bis zu einer spitzen Abzweigung nach links, um zur Sulzriegelalm zu gelangen. Gehzeit eine Stunde.

Über den steilen Rücken steigt man nun weglos nach Westen auf. Nach dem Bärenkögerl verflacht das Terrain, und man erreicht über die Hochalm die beiden Sendemasten und den Gipfel. Gehzeit ab Sulzriegelalm 1½ Stunden. Auf der Anstiegsroute kehrt man zum Ausgangspunkt zurück. Dafür braucht man zwei Stunden. In der Waldpassage zwischen den beiden Forststraßen ist besondere Achtsamkeit geboten. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 30.6.2012)

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8 Postings
Orientierungsprobleme!

Das Problem entsteht am späten Nachmittag. Da sind die Akkus der Smartphones meist schon leer.

Orientierungsprobleme?

Das Problem sollte heute wohl überwunden sein. Jedes Smartphone mit der entsprechenden App (z.B. Apemap mit ÖK50) bietet gerade in solchen Umgebungen hervorragende Sicherheit. Auch bei Nebel!

Ähm...

... mein Smartphone funktioniert gerade mal 1,5 Stunden mit permanent laufendem Navi und das wenn ich Glück habe! Wandertouren haben häuftig 5 Stunden Gehzeit und mehr.

Man lässt das Smartphone auch nicht permanent laufen sondern zieht es nur zu Rate, wenn man den Weg nicht weiß oder kontrolliert ab und zu ob man noch am richtigen Weg ist. Und no na muss man natürlich alles andere abdrehen (d.h. Handy in den Flugmodus schalten); über Nacht komplett ausschalten.

Ich habe unzählige Berg-/Ski-/Rad- und Trekkingtouren mit meinem 08/15 Nexus S gemacht. Es hat erst diese Wochenende wieder zwei volle Tage durchgehalten und dabei habe ich auf Gipfeln wiederholt auch gesurf (Wetterbericht, Aldis Blitzinfo), Nachrichten gelesen und nicht gerade besonders Akku gespart. Nachher war der Akku immer noch zu 1/3 voll.

Ich habe es auf das Beispiel mit dem Nebel bezogen.

Und da MUSS man das Navi permanent laufen lassen. Das hat einem Kollegen auf dem Mont Blanc wahrscheinlich gerettet, er ist mit seinen Begleitern bei null Sicht nur mehr nach Navi gegangen, es ist ihm nichts anderes übrig geblieben. Und wenn bei meinem Handy das Navi permanent läuft, hält es eben nur max. 1,5 Stunden! Auf das würde ich mich nicht verlassen, selbst mit Ersatzakku, also max. 3 Stunden! 3 Stunden können im Gebirge und Nebel schnell vergehen! Ein besseres Handy werde ich mir trotzdem nicht zulegen. (C; AUßerdem würde ich mich gerade im Gebirge nicht allein auf das Navi verlassen. Das kann schon mal um 150 m falsch liegen (bei Signalproblemen, etc.) und das ist im Gebirge ganz schön viel!

Nein muss man nicht,

weil man beim Wandern (und hier geht's ums Wandern) üblicherweise einen Weg, einen Steig, einen Hang, einen Rücken, den man hinauf muss, etc. oder zumindest eine Richtung hat in die man sich fortbewegen muss. Abgesehen davon kann man sowieso nicht permanent auf's Navi schaut, weil man dann nicht mehr gehen kann. Es geht hier auch nicht um die Westalpen sondern um niedrige Voralpenberge. Ich verlasse mich in Island bei mehrtägigen Touren durchs Hochland auch nicht auf's Smartphone.

Dass man sich bereits auf einfachen Steigen im alpinen Gelände nur mehr sehr eingeschränkt an ein GPS Gerät/Navi halten kann, hat mit Smartphones nichts zu tun.

"Dass man sich bereits auf einfachen Steigen im alpinen Gelände nur mehr sehr eingeschränkt an ein GPS Gerät/Navi halten kann, hat mit Smartphones nichts zu tun."

Stimmt natürlich und habe ich so nicht behauptet. Hoffe, ich habe nicht zu missverständlich formuliert! (C;
Meiner Erfahrung sind derartige Abweichungen entweder durch "schlechten Empfang" bedingt (= GPS-Signale Mangelware bzw. problematisch) oder durch Ungenauigkeit im elektronischen Kartenmaterial.

Vor ein paar Jahren wollte ich mich hinreißen lassen und mir ein Navi für's Wandern zulegen. Meine Liebe konnte mich davon abhalten. Heute sage ich zum Glück! (C: Für mich ist das Gehen lt. Karte ein bisserl wie "Rätselrally" oder "Orientieren im Gelände". Das ist mir anscheindend vom Grundwehrdienst, wo ich Artillerie Beobachter war geblieben! (C: Scherz beiseite, das macht mir einfach mehr Spaß.

Genau so..

und außerdem kann man sich einen Ersatzakku einstecken. Bei Bergtouren, bei denen man ev. in Notsituationen kommen kann und länger Verbindung haben muss, kann das lebensrettend sein.
Second source Akkus haben oft auch eine höhere Kapazität als das Original und kosten nicht viel.

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