Österreicher pfuschen ohne Reue

29. Juni 2012, 10:18

Salzburg - Pfusch gilt in Österreich als Kavaliersdelikt. Diesen Befund lieferte der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider bei einer Tagung zu Sozialbetrug und Korruption im Gesundheitswesen an der Universität Salzburg. Schneider führt seit 1996 jährlich repräsentative Umfragen zum Thema Schwarzarbeit durch.

Demnach ist für die Hälfte der Befragten Pfusch ein Kavaliersdelikt. Ein Drittel hat kein Problem damit, selbst schwarz zu arbeiten. Zum Vergleich: Einen Krankenstand vorzutäuschen ist nur für 17 Prozent ein Kavaliersdelikt, alkoholisiert Auto zu fahren nur für sieben Prozent. "Nur zwei Prozent der Befragten würden einen Pfuscher anzeigen, nur vier Prozent sprechen sich für hohe Geldstrafen aus", nannte Schneider weitere Ergebnisse.

Der Linzer Wirtschaftsprofessor warnte davor, in Sachen Pfusch Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben. "So einfach ist die Geschichte nicht." Pfusch richte zwar einen Schaden an, stifte auf der anderen Seite aber auch Nutzen. So werde für viele die Pflege alter Menschen durch Pfusch überhaupt erst möglich, beim Bau eines Hauses durch "Nachbarschaftshilfe" entstehe auch eine Wertschöpfung. Die großen Verlierer der Schattenwirtschaft seien der Staat sowie die Krankenversicherungen. Es entgingen Steuereinnahmen und Versicherungsbeiträge. 

Forderung nach Strafen

Insgesamt bezifferte der Experte das geschätzte Volumen der Schattenwirtschaft in Österreich im Jahr 2012 mit 19,6 Mrd. Euro. Um dem Pfusch zu begegnen, brauche es einerseits Strafen. Andererseits seien auch Anreizsysteme wie ein Handwerkerbonus, eine befristete Mehrwertsteuerrückvergütung, steuerliche Absetzbarkeit oder höhere Zuverdienstgrenzen sinnvoll. In Skandinavien habe sich eine befristete Sperre von schwarz arbeitenden Firmen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen bewährt.

Nicht alles, was im Rahmen der Schattenwirtschaft erledigt wird, gehe der legalen Wirtschaft an Aufträgen verloren, stellte Schneider klar. Weil Dinge offiziell zu teuer seien, würden sie dann nicht oder selbst gemacht. Nur ein Drittel lande in der offiziellen Wirtschaft. Das Ausmaß an Pfusch hat auch mit der Wirtschaftsentwicklung zu tun: Läuft die Konjunktur schlecht, steigt das Ausmaß an Schattenwirtschaft. Und nicht zuletzt haben hohe Sozialabgaben und Steuern einen Einfluss: "Wenn man den Faktor Arbeit immer teurer macht, darf man sich nicht wundern, wenn gepfuscht wird", stellte Schneider klar.

Warum es aus soziologischer Sicht zu Sozialkriminalität kommt, versuchte Nikolaus Dimmel von der Universität Salzburg zu beantworten. In den unteren Einkommensschichten sei das Ausweichen in die "informelle Ökonomie" für viele die einzige Überlebensmöglichkeit. Bei höheren Einkommensschichten gehe es auch um Gier. Armut, Arbeitslosigkeit oder niedrige Einkommen führten so zu einer kollektiven Ausweichbewegung aus dem legalen System, meinte Dimmel. (APA, 29.6.2012)

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Bei der Steuerlast kann man sich aber zB einen Hausbau ohne Pfuscher kaum mehr leisten. Ein vom Staat hausgemachtes Problem. Warum soll man daher Reue zeigen?

natürlich ohne Reue,

reuen tuts einen, wenn man nur normal arbeiten geht.

Pensionisten in der EU:

Der Franzose: In der Früh ein Zigarettal und dann ab zur Freundin.
Der Italiener: In der Früh ein Caffè Corretto und dann ab zum Enkerl hutschen.
Der Österreicher: In der Früh ein paar Tabletten und dann ab zum pfuschen...

Österreicher pfuschen ohne Reue

Na klar.
Wir haben ja unsere Politker als Vorbild.
Schwarzarbeit wird mitunter härter und hartnäckiger verfolgt wie Korruption auf höchster Ebene.
what shalls? :-)
Es wird eh bald "shallen".
Spätestens bei den nächsten Wahlen.

pfusch wird es auch immer geben

selbst wenn eine offizielle handwerkerstunde nur mehr 10 euro kostet wird man danach trachten die leistung um 5 euro zu bekommen.

Preis Handwerker

Das Problem ist nicht der Preis pro Stunde. Versuchen sie mal einen Handwerker zu bekommen um z.B. einen verstopften Abfluss frei zu machen. Mir ist es passiert, dass ein Installateur zum Thema Erneuerung der Heizungsanlage eines Einfamilienhauses gemeint hat: Ich erstelle einen Kostenvoranschlag nur, wenn ich sicher bin, den Auftrag zu erhalten. So schlecht kann es dem Handwerk nicht gehen.

untertags gehen sie pfuschen oder beschäftigen pfuscher,

besonders im privaten häuslbau. abends dann am stammtisch maulen diese "rechtschaffenen" österreicher über die griechen, die ihre steuern nicht zahlen.

Sie vergessen eines

Die meisten Pfuscher haben einen 40-45 h Job in dem Sie alles normal versteuern müssen. Und nach der Arbeit oder am WE werden dann nochmal einige Stunden angehängt. So schauts in der Regel aus.

back to the roots..

leistung gegen leistung ist sehr im kommen.

nicht vielleicht???? wenn man sieht welche berufsverbrecher hier in österreich ungestraft herumlaufen dürfen, noch frech aus den seitenblicken feixen und auf alle sch....n und ihre ergaunerte marie zählen, nein, da wird der kleine wurstel sicher ein schlechtes gewissen haben, meine güte!

Verursacher Prinzip!

gibts da nicht einen exfinanzminister

der uns vorzeigt wie man keine steuern zahlt?

nicht nur - die aktuelle geht sogar soweit jahrzehntelange steuerhinterziehung (schweiz) völlig ohne ernstzunehmende konsequenzen oder nachhaltige systemänderung zu amnestieren... nicht mal der khg hatte dafür die eier(stöcke).

ist ja lächerlich

erst unlängst war zu lesen, daß in Ö die Quote wieviel gefpuscht wird am niedrigenst in der EU ist und jetzt wird wieder gewettert wie böse die Leute sind, die sich die regulären Betriebe nicht leisten können.

Pfuschen ist oftmals einfach nötig um überhaupt auf ein halbswegs akzeptables Einkommen zu kommen, mit dem man auch mal größere Anschaffungen finanzieren kann (Auto, Urlaub, Wohnung...).

Mit anderen Worten:

"Ich zahle keine Steuern, weil ich dann mehr Geld hab."

NEIN!!

Ich zahle zu viele Steuern im Brotberuf um mir ein durchschnittliches Leben (Mobilität, Wohnungseigentum, glg. Urlaub) leisten zu können und bin deshalb gezwungen abseits absurd hoch versteuerter Arbeitsverhältnisse dazu zuverdienen.

Pfff ein durchschnittliches Leben ... Vielleicht sollte einfach nicht jeder ein Auto haben und jedes Jahr in Urlaub fliegen?

na super - ist nicht mobilität / örtliche flexibilität eine der kernforderungen der arbeitgeber ("leistungsträger") an die arbeitnehmer ("faule säcke")...

Nein

Der Arbeitgeber wird kaum sagen: "Zieh hinaus aufs Land und bau dir ein schönes Haus!"

So weit kann man die Steuern gar nicht senken, dass nicht mehr gepfuscht wird.

Die Skrupellosigkeit, mit der man sich über Gesetze hinwegsetzt, ist bemerkenswert. Aber auch die Doppelmoral: "Wir dürfen den ehrlichen Steuerzahler um Millionen betrügen, aber wenn der Greißler das Butterbrotpapier mitwiegt, dann schreien wir auf!"

Weil aber "alle" (über 90%) so denken, fühlen sich die Rechtsbrecher im Recht. Man sieht wieder einmal: Die Mehrheit hat in einer Gesellschaft viel Macht und nützt das schamlos aus.

Die Mehrheit hat in einer demokratischen Gesellschaft immer recht! Ich sag ja immer die Demokratie hat Mängel...

Sehe ich absolut genauso! Und ich finde das ist ein interessantes Beispiel dafür, wie sich die Menschen ihre Entscheidungen selber schönreden.

Einerseits schreien wir, weil wir den "korrupten Griechen" Hilfsgelder schicken müssen, andererseits lassen wir beim Hausbau pfuschen, weil "sonst könnt sich das ja keiner leisten!" oder "Das Geld is bei mir besser aufgehoben als beim Staat!" - genauso wie die Griechen jahrelang ihr Nichtbezahlen von Steuern gerechtfertigt haben.

wo unrecht zu recht wird - wird widerstand zur pflicht!

Danke für die Zustimmung :-)

Schwarzarbeit darf nicht zu Recht werden (und wenn, dann bitte nicht in Selbstjustiz sondern über Gesetzesbeschluss im Parlament).

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