EU: Bedenken gegen Übernahme von Orange durch "3"

"Keine höheren Preise für Kunden hinnehmen"

Das Ringen um die 900 Millionen Euro schwere Übernahme des Mobilfunkanbieters Orange zieht sich weiter hin. Die EU-Kommission hat wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen die geplante Übernahme durch Hutchison 3G Austria ("3"). Eine erste Marktuntersuchung der Brüsseler Behörde habe ergeben, dass die Fusion "erhebliche wettbewerbsrechtliche Probleme auf dem Einzelhandelsmarkt für Endkunden und auf dem Großhandelsmarkt für Netzzugang und Verbindungsaufbau bereiten könnte, wenn Organe als Wettbewerber wegfiele", teilte die Kommission am Freitag mit.

In einer Stellungnahme reagierte "3" betont gelassen: Man sei "weiterhin zuversichtlich und erwartet positiven Ausgang", so der Mobilfunker.

Markt könnte beeinträchtigt werden

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia erklärte, mit der Übernahme würde die Zahl der Netzbetreiber in Österreich von vier auf drei reduziert. "Daher muss die Kommission sicherstellen, dass dieser Zusammenschluss nicht zu höheren Preisen für die Endkunden führt". Die Kommission muss innerhalb von 90 Arbeitstagen entscheiden, ob der wirksame Wettbewerb auf dem Binnenmarkt durch den Zusammenschluss erheblich beeinträchtigt werden könnte. Das Vorhaben wurde am 7. Mai 2012 bei der Kommission angemeldet.

Nur zwei weitere Anbieter

Die Mobilfunkbetreiber Hutchison 3G Austria und Orange bieten in Österreich Mobilfunkdienste für Endkunden an und sind darüber hinaus auf damit verbundenen Märkten, wie dem Netzzugang und Verbindungsaufbau für Großkunden, tätig. In Österreich gibt es nur zwei weitere Mobilfunkbetreiber - A1 Telekom Austria und T Mobile - auf diesen Märkten. Der Zusammenschluss von "3" und Orange steht in enger Verbindung mit zwei weiteren Vorhaben. Zum einen will "3" die 700.000 Kunden des Orange-Billigtochter Yesss an Branchenprimus Telekom Austria verkaufen. Dieses Vorhaben stösst allerdings auf Widerstand.

Für den Yesss/Telekom-Deal brachten am Donnerstag die Wettbewerbshüter in Wien einen Prüfungsantrag beim Kartellgericht ein. "Beide Anbieter haben die Bedenken der Wettbewerbsbehörde bislang nicht ausräumen können", teilte die BWB mit - der WebStandard berichtete.

"Wir sind nach wie vor an Yesss interessiert"

Dass die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung für den Deal eingeleitet hat, sei nicht überraschend, sagte Telekom-Austria-Sprecher Alexander Kleedorfer . 2005 wurde auch der Kauf von tele.ring durch T-Mobile vertiefend in Brüssel geprüft. Um den Orange-Verkauf an "3" über die Bühne zu bringen, muss Orange Austria ihre Billigtochter Yesss verkaufen: Sie soll an Marktführer A1 gehen. "Wir sind nach wie vor an Yesss interessiert", sagte Kleedorfer in Hinblick auf einen Artikel im "WirtschaftsBlatt", das unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, dass die Telekom Austria den Kauf von Yesss ad acta gelegt haben soll.

Sendestandorte und Frequenzen

Zum anderen will die Telekom Austria von "3" Sendestandorte, Frequenzen und Rechte des geistigen Eigentums erwerben, die sich derzeit im Besitz von Orange befinden. Laut "3"/Orange muss die Frequenzübertragung von der österreichischen Telekom-Regulierungsbehörde (RTR) genehmigt werden. Die beiden Zusammenschlussvorhaben erfolgen im Vorfeld einer anstehenden Frequenzversteigerung und der Einführung von LTE, der neuen vierten Mobilfunk Generation. (APA, 29.6.2012)

Share if you care