Merkel knickt vor Spanien und Italien ein

29. Juni 2012, 16:43
  • Angela Merkel lenkte nach hartem Ringen ein.

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Nach dramatischer Nachtsitzung einigen sich die Eurochefs auf eine Bankensuperaufsicht und 120 Milliarden Krisenhilfe

Brüssel - Durchbruch nach einem 13 Stunden langen Nervenkrieg: Auf Druck Italiens und Spaniens hat der EU-Gipfel am Freitag in Brüssel Nothilfen zur Stützung von Euro-Wackelkandidaten beschlossen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel lenkte nach hartem Ringen ein und kam den Krisenländern entgegen. Diese sollen künftig leichter auf den Euro-Rettungsfonds zugreifen können - und dabei weniger Auflagen erfüllen müssen. Der Rettungsfonds soll zudem Banken aus hoch verschuldeten Ländern direkt Hilfen gewähren und damit deren Staatshaushalte entlasten. Im Gegenzug stimmten Spanien und Italien nach anfänglicher Blockade einem Konjunkturprogramm von 120 Mrd. Euro zu.

Die Einigung gelang nach einer turbulenten Nachtsitzung. Die unter Druck der Finanzmärkte stehenden Länder Spanien und Italien pokerten hoch. Merkel kam ihren Widersachern, Italiens Premier Mario Monti und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, entgegen. In einem anderen Punkt blieb Merkel hart: Nach ihrem klaren Nein tauchen gemeinsame Anleihen (Eurobonds) nicht im Kommunique des Gipfels auf.

"Keine Leistung ohne Gegenleistung"

Die deutsche Kanzlerin verteidigte die Beschlüsse: "Wir sind unserer Philosophie 'Keine Leistung ohne Gegenleistung' treu geblieben", sagte Merkel am Freitag bei der Ankunft zur zweiten Gipfelrunde. "Insofern bleiben wir also vollkommen in unserem bisherigen Schema: Leistung, Gegenleistung, Konditionalität und Kontrolle." Merkel musste am frühen Nachmittag nach Berlin zurückreisen, um an der Abstimmung über den Fiskalpakt und den Rettungsfonds ESM im deutschen Bundestag teilzunehmen.

Laut Gipfelerklärung einigten sich die Regierungschefs darauf, die bestehenden Instrumente der Hilfsfonds EFSF und ESM "flexibel" zu nutzen, um die Staatsanleihenmärkte zu stabilisieren. Italien und Spanien leiden derzeit unter hohen Zinsen und haben akute Schwierigkeiten, sich frisches Geld an den Märkten zu besorgen. "Wir bekräftigen, dass es von ausschlaggebender Bedeutung ist, den Teufelskreis zwischen Banken und Staatsanleihen zu durchbrechen", hieß es in der Erklärung. Ob dies ausreichen wird, ist zumindest für Mario Monti noch nicht klar. Italien könnte in Zukunft zur Beantragung von Hilfen aus den europäischen Rettungsfonds gezwungen sein, um die hohen Risikoaufschläge auf seine Staatsanleihen zu senken. Momentan beabsichtige er dies aber nicht, sagte Monti in Brüssel.

Keine zusätzlichen Sparprogramme

Länder mit guter Haushaltsführung können vom Sommer an - ohne zusätzliche Sparprogramme - Unterstützung aus den Rettungsschirmen EFSF und ESM erhalten, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Sie müssen dafür lediglich den Budgetempfehlungen der EU-Kommission folgen. Details sollen die Euro-Finanzminister bei ihrem nächsten Treffen am 9. Juli festlegen.

Der Krisenfonds ESM soll Banken künftig direkt unterstützen dürfen. Bisher war das laut ESM-Vertrag nicht möglich, sondern das Geld sollte an die Regierung des jeweiligen Landes überwiesen werden. Das würde die Schulden der Staaten erhöhen, weswegen Italien und Spanien dagegen protestiert hatten. Voraussetzung dafür ist aber laut Erklärung, dass vorher eine einheitliche Bankenaufsicht in der Eurozone geschaffen wird, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) eine zentrale Rolle spielen soll. Merkel sprach von einer "Superaufsichtsbehörde" für Europas Banken.

Auf der Agenda stand am Freitag unter anderem die Gewalt in Syrien. Auch über das Mandat des luxemburgischen Regierungschefs Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der Eurogruppe sollte ursprünglich entschieden werden. Die Entscheidung wurde allerdings laut Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann "auf die nächsten Tage" verschoben. Juncker hat indes eine Verlängerung seines Postens als Vorsitzender der Eurogruppe abgelehnt. Die Staats- und Regierungschefs der anderen 16 Staaten mit Euro-Währung seien nicht bereit gewesen, den Luxemburger Notenbankpräsidenten Yves Mersch zum Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank zu ernennen, sagte Juncker am Freitag in Brüssel. Ohne die Ernennung Merschs werde aber auch er nicht an der Spitze der Eurogruppe weitermachen.

"Keine Sieger und Besiegten"

Juncker zeigte sich mit dem Gipfelergebnis zufrieden. "Es geht hier nicht um Erpressen, es geht nicht um Sieger, Besiegte, Gewinner, Verlierer, wir bemühen uns hier gemeinsam", sagte er. Ein weiterer Teil des Notpakets kommt Spanien zugute. Das Land hat beim EFSF bereits europäische Finanzhilfen für seine angeschlagenen Banken beantragt - im Gespräch ist eine Summe von bis zu 100 Mrd. Euro. Die Chefs vereinbarten, dass - wenn diese später auf den ESM übertragen werden - der neue Krisenfonds ESM in bestimmten Fällen auf seinen Status als "bevorzugter Gläubiger" verzichtet. Bei diesem Sonderstatus würde der Krisenfonds bei einer Pleite bevorzugt bedient - solche Regelungen schrecken private Investoren ab.

Der Gipfel einigte sich darauf, an der Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion weiterzuarbeiten. Grundlage war ein Bericht von EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy. "Wir haben uns auf das weitere Verfahren geeinigt", sagte Van Rompuy in der Nacht. Ein erster Zwischenbericht soll bis Oktober vorgelegt werden. Teile des Berichts wie Forderungen nach einem Machtverzicht der Mitgliedsstaaten und die langfristige Vergemeinschaftung der Schulden hatten erheblichen Widerspruch vor allem aus Deutschland hervorgerufen.

Der französische Staatspräsident Francois Hollande erwartet auch die Einführung einer Finanzsteuer noch im laufenden Jahr. Das sagte der Sozialist am Freitag in Brüssel. Nachdem eine Lösung im Kreis aller 27 EU-Staaten gescheitert war, gehen nun mindestens neun Länder in einer kleinen Gruppe voran, darunter Deutschland, Frankreich und Österreich.

Investoren erleichtert

Die Märkte reagierten auf die Schnellmaßnahmen positiv: Die Zinsen an den Anleihemärkten gingen in Freitagfrüh deutlich zurück, die Börsen waren weltweit im Plus und auch der Euro profitierte. Zeitweise stieg die Gemeinschaftswährung wieder über die Marke von 1,26 Dollar. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Vormittag um über zwei Prozent ins Plus. Zuvor hatten die Börsen in Asien nach dem nächtlichen Verhandlungsmarathon für gute Vorgaben gesorgt. In Tokio stand ein Plus von 1,5 Prozent zu Buche. Der ATX war zu Mittag knapp 2,2 Prozent im Plus.

Die Staatsanleihen der angeschlagenen Euroländer Spanien und Italien reagierten mit einem massiven Rückgang der Zinssätze. In Madrid sank die Rendite für richtungsweisende Anleihen mit der Laufzeit von zehn Jahren im Vormittagshandel um 0,54 Prozentpunkte auf 6,31 Prozent. Am Vortag stand der Zinssatz noch knapp unter der Marke von sieben Prozent und damit auf einem Niveau, das die Staatsfinanzierung auf lange Sicht kaum mehr möglich macht.

Eine starke Entspannung der Lage zeigte sich auch bei den Staatsanleihen in Italien. Hier sank die Rendite der zehnjährigen Anleihen in der Früh deutlich unter die Marke von sechs Prozent und damit auf ein etwas gemäßigteres Niveau. Zuletzt gab der Zinssatz um 0,42 Punkte auf 5,74 Prozent nach. Geringere Zinskosten entlasten die angespannten Budgets in den Krisenländern. (APA, 29.6.2012)

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was machen die USA wenn einzelne Länder pleite sind?

gibts da auch so was vergleichbares?

Der ESM ist inakzeptabel,

eine sich ausserhalb der Legislatur bewegende Einrichtung soll über die Finanzen der Bürgergemeinschaften eingreifen können. Die Europa Wahlen sind wohl nur ein Feigenblatt des zu erwartenden totalitären Regimes, wenn man die Bestimmungen des ESM verinnerlicht.
Es ist grundsätzlich nichts gegen eine demokratische Gemeinschaft der EU einzuwenden, jedoch müssen sich alle Bürger mehrheitlich zu einheitlichen Prinzipien bekennen. Das ist heute nicht erfüllt und bei vielen Beschlüssen mit Aussenstehenden werden die Gemeinschaftsmitglieder sogar benachteiligt.
Damit hat die ihre Berechtigung seit einigen Jahren verloren und leider zweifle ich daran, dass sie diesen Anforderungen jemals gerecht wird.

Es ist keinesfalls gerechtfertigt Banken mit

niedrigstverzinstem Kapital auszustatten, die mit hochverzinsten Papiere weiter spekulieren, d.h. keine vernünftige Bewertung der Kreditwürdigkeit der Schuldner vornehmen. Siehe Immobilienkrise in den USA, die nahende Krise mit den Kreditkarten oder aber auch den Kauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten. Selbstverständlich setzt all das voraus, das auch entsprechende wahre Informationen über den Schuldner vorliegen, damit eine Beurteilung möglich ist und keine Verzerrung der Märkte allenfalls durch Insiderhandel ... stattfinden. Es kommt, wie fast allen Bereichen auf die Aufrichtigkeit und den Charakter der einzelnen Menschen an. Ist das nicht gegeben, fehlt das notwendige Vertrauen für eine funktionierende Gemeinschaft.

Es wird Zeit die Spekulationen

in der Finanzwelt auszuschalten. Nachhaltigkeit wird gerne getönt, das ist aber an der Börse, speziell bei den Derivaten, kein Leitstrategie. Wenn sich die Finanzwelt von der Realwirtschaft abkoppelt, ist ein Crash abzusehen.
Die gemeinsame Haftung ist eine Zumutung, denn eigentlich werden dabei auch jene bestraft, die ordentlich gewirtschaftet haben. Der Mißstand gehört an der Wurzel behoben. Es gehört soviel Sand in das Getriebe der Finanzinvestitionen gestreut, dass eine reale Bewertung der Aussichten einer Investition erzwungen wird, d.h. ein Produkt kann erst nach z.b. zwei Jahren wieder gehandelt werden.

Nacht- und Nebelaktion im Bundestag

Merkel goes decline.
Und 2/3 der Lemminge marschieren im Gleichschritt mit.
Gute Nacht Europa.

Und wie immer

ist Österreich unter den Mitläufern an vorauseilender Stelle.

und was genau ist nun der Unterschied zu einer Vergemeinschaftung der Schulden durch Eurobonds, wenn nun der Rettungsfonds ESM, den die EU-Länder speisen, die Schulden der überschuldeten Länder aufkauft?

Freitag 5 Uhr früh, , sehe ich auf meinem Monitor wie alle Werte nach oben explodieren. Charts mit senkrechten, gegen Himmel fahrende Linien. So etwas habe ich in 10 Jahren nicht gesehen.

Monti: Italien könnte in Zukunft zur Beantragung von Hilfen aus den europäischen Rettungsfonds gezwungen sein, um die hohen Risikoaufschläge auf seine Staatsanleihen zu senken.

Wenn Brüssel an den Weihnachtsmann glaubt, dann ist das auch ein Signal an die Märkte. Aber kein nachhaltiges, denn Weihnachten dauert auch nur ein paar Tage.
Wenn sich die Zocker vom Freitagsekt erholt haben, gehts wieder nördlich mit den Spanien/Italien-Bonds.
Die bloße Ankündigung der Hilfe erhöht das Ausfall-Risiko für die privaten Bondgläubiger, denn sie befürchten, daß wegen dem Gläubigervorrecht von IWF/ESM für sie nichts mehr übrigbleibt. Das rechtfertigt die höheren Zinsen.

Der ehemalige Goldmann-Sachs-Berater Mario Monti sollte das aber wissen.

Die Finanzindustrie muss dringend zurechtgestutzt werden -

bis auf's Minimum!!!
Und das Zinseszinssystem muss gestoppt werden!!!

Ja, doch wer soll das tun?

Die eine Hälfte der Politiker geht mit der Bankerlobby ins Bett, die andere Hälfte sind Abnicker und naive Dilettanten.

Die heutige husch-husch-aktion im dt. parlament -

auch dass der ESM im falle spaniens auf seinen bevorrechtigten gläubigerstatus verzichten solle - zu gunsten privater, stellt ein von den parteien gewolltes scheitern der demokratie dar!

Ja worauf warten denn die Regierungen noch?

Warum fahren sie nicht mit Panzern alles nieder wie einst die Chinesen?

Dass sie es tun wollen und werden ist längst klar, alle rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen sind längst geschaffen. Wozu also noch warten und "Demokratie" vorgaukeln, wo längst die Konzerne und Banken alle Macht übernommen haben? Was hält sie noch auf?

EM

Bin schon neugierig was während der Olympischen Spiele über die Bühne geht - da sitzt der Pöbel nämlich wieder vor der Glotze.

Na endlich! Freibier für ALLE, Deutschland zahlt!

Für festliche Anlässe ist Natursekt das einzig wahre!

Nein! Wir zahlen den Deutschen das Freibier.

Nur um das auch mal zu posten

Früher hatte der Kunde bei den Banken
FinanzBerater, heute heissen sie Betreuer.
In Zukunft werden sie wohl Sachwalter heissen.

Man kann es gar nicht oft genug Posten

www.youtube.com/watch?v=QijyQwEHgXg

Wo kann ich in einer Bewegung gegen die Druckerprssse für den Süden anschließen?

DAS GEMEINWOHL FÖRDERN (wenn geht, ohne Nutzniesser die nur blöd reden)

http://3.bp.blogspot.com/_ERYyI9zh... dioten.JPG

Banken verstaatlichen! - JETZT!

Unsinnsvorschlag

Die Erfahrungen, die wir in Ö. mit verstaaatlichten
Banken gemacht haben, s. ehem. Länderbank,
Zentralsparkasse und Bank Bgld., legen nicht nahe,
einen derartigen Schritt auch nur anzudenken.

wenn man nur die Pleitebanken verstaatlicht macht es ja auch keinen Sinn oder ?

Unsinnsargument

Falls Sie es noch nicht verstanden haben: Dieser Beschluss von gestern hat nichts Anderes zur Folge als die beschleunigte Umverteilung von Steuerzahlergeldern zu den Banken.

Sie werden sich vergangene Zeiten noch herbeiwünschen!

Ich finde die Beschlüsse als problematisch und be-dauere, dass Frau Merkel darauf eingegangen ist.

Aber was spricht angesichts der schlechten Erfahr-
ungen für eine Verstaatlichung von Banken?

angeblich wurden die alten Weltwunder ohne Geld (Druck) erbaut.

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