Oh, du liebe Praterstraße: Café Ansari

Severin Corti
29. Juni 2012, 17:18
  • Heitere Gelassenheit: Die Stimmung im Café Ansari ist so, wie man sich die Welt wünschen möchte.
    foto: gerhard wasserbauer

    Heitere Gelassenheit: Die Stimmung im Café Ansari ist so, wie man sich die Welt wünschen möchte.

  • Essen und Trinken? Auch mehr als köstlich.
    foto: gerhard wasserbauer

    Essen und Trinken? Auch mehr als köstlich.

Was ist denn hier los? Direkt neben dem Mochi hat schon wieder ein bestes und schönstes Lokal der Stadt aufgemacht!

Viel ist nicht passiert: Im Parterre eines großen Zinshauses sind zwei Lokale eingezogen. Aber das allererste Stück der Praterstraße, wo alte Platanen das Bild bestimmen, ist damit ganz wundersam wachgeküsst worden.

Erst kam mit dem dunkel schillernden Mochi ein japanisches Restaurant, bei dem die Wartezeit auf einen Tisch vom Start weg in Wochen gemessen wurde - wegen tollen Essens und Designs ebenso wie abartiger Liebenswürdigkeit der Betreiber. Jetzt ist im selben Haus das Café Ansari fertig geworden. Gregor Eichinger, der mit traumwandlerischem Gespür für Stimmungen schon viele Lokale verzaubert hat, ist der Architekt. Nana und Nasser Ansari vom Madiani am Karmelitermarkt erfüllen den Ort mit Leben.

Die Pracht des Ortes

Als Erstes nimmt einen die Pracht des Ortes ein. Der langgestreckte Saal mit Eichendielen und großen Fenstern ist mit Möbeln ausgestattet, die im Vergleich filigran wirken: lange, mit Linoleum bespannte Tische, sanft geschwungene Holzbänke, eine Beleuchtung, deren verästelte Konstruktion die Decke noch weiter wirken lässt. Und eine schlichte Schank, die mit handgearbeiteten Kacheln von Matthias Kaiser ausgekleidet ist: Deren zarte Grüns scheinen auf kaum merkbare und umso geheimnisvollere Weise zu vibrieren, ganz speziell bei Tageslicht. Der Wiener ist bei japanischen Töpfermeistern in die Lehre gegangen. Auch sonst ist das Ansari voll feiner Details wie dem Trinkbrunnen samt Gläsern, an dem sich die Gäste selbst bedienen - ein Statement von apodiktischer Großzügigkeit zur kleinlichen Debatte um den Geldwert von Leitungswasser in der Gastronomie.

Und das Essen? Ist zuerst einmal georgisch und damit ziemlich exotisch für diese Stadt, wenngleich Habitués des Madiani manche der Gerichte vertraut vorkommen mögen. Dennoch: Wien ändert sich, wenn die Küche eines so schönen, großen und wohl auch prominenten Lokals nicht mehr unbedingt wienerisch oder italienisch oder panasiatisch sein muss - und dennoch heiß geliebt wird. Dass man nicht anders kann, als sie zu lieben, wird gerade in der Glut dieses Sommers offenbar.

Viele Vorspeisen

Aus der kalten Küche kommen aufwändig zusammengefügte Finessen, ebenso leicht wie vielfältig: kühl schmelzige Melanzanirollen mit Walnüssen und Granatapfel; zart und doch höchst würzig gefüllte Karotten; in Sumac und Za'atar gewälzter Schaffrischkäse mit Grapefruitfilets; grandios marinierte Rote Rüben mit Pignoli; verblüffend gewürzter Rindfleischsalat mit kühlen Gurken - und so weiter.

Wie stets im Orient ist angezeigt, viele Vorspeisen zu bestellen und gemeinsam zu verkosten. Wer dann noch kann, hält sich an butterzarte Calamari mit Avocado-Sesam-Creme, an handfest gewürzte Köfte (hier: Kufta) mit seidigem Tahina-Joghurt oder geschmortes Rind mit Spinat und Paradeisern. Auf der kleinen, klug zusammengestellten Weinkarte erfreuen auch ein paar der neuen, auf ganz alte Art gemachten Kvevri-Weine aus Georgien - nicht zufällig jene Gegend der Welt, wo der Weinbau vor mehr als 5000 Jahren sozusagen erfunden wurde. Danach gibt es herausragenden Kaffee von Fürth - oder aber ebensolchen Schwarztee aus dem Samowar! (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 29.6.2012)

Café Ansari
Praterstr. 15
1020 Wien
Tel.: 01/276 51 02
Küche: Mo-Sa 8-22 Uhr
VS € 3,90-9,20, HS € 8,20-18,60

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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service gut, essen gut.

kann die vorwürfe hier nicht teilen. waren heute abend zu fünft dort. haben ohne reservierung noch einen platz bekommen. essen war in weniger als 15 minuten da, getränke superflott. qualität sehr gut, portionsgrößen ok. service war sehr freundlich und kompetent. wir haben uns wohl gefühlt und werden wieder hingehen. einzig kinderhochstühle fehlen und ein wickelplatz.

Schlechtestes Service von Wien

Frühstück: Wir warteten bei Bestellung um 09.55h 20 Minuten auf 2 Eier mit Speck, die allerdings ohne Speck, dafür fetttriefend serviert wurden. Das Besteck wurde erst nach weiteren 3 Minuten nachgeliefert. Klar, dass die Eier kalt waren.Der bestellte 0,25 l Saft wurde nie gebracht, dafür ein Roter-Rüben-Saft, der auf einen halben Liter mit Leitungswasser aufgespritzt worden war. Der um 09.55h bestellte Tee mit Minze fand sich nur auf der Rechnung, es wurde aber hartnäckig behauptet, dass er gebracht worden wäre. Das ist kein Einzelfall.....

Naaajaaaa...

War vorgestern zu Mittag dort - kaum was los. Service trotzdem chaotisch bis verzweifelt. Essen (gegrilltes Huhn mit Süßkartoffelpürree) war ausgezeichnet, aber die Portion für 12,20€ ein Witz. Ich will keine "bekannt großen Portionen" aber mehr als ein GRuß aus der Küche war das nicht.

Also a bisserl hypertroph das Lokal, aber vielleicht wirds ja noch...

also das Lokal hat Potential, aber es braucht noch Zeit bis Service und Küche eingespielt sind. Solche Artikel führen leider dazu, dass das Lokal mit dem Ansturm nicht fertig wird und der Abend nicht zu einem positiven Erlebnis führt... leider. In 3 Monaten wieder mal...

Sehr schön!
Und als frischer Student und Neu-Wiener: Hab mein Leben bisher in der Leopoldstadt sehr genossen. Ich denk' ich hätte es nicht besser treffen können.

wünsche den Ansaris alles Gute, was im Madiani bisher kredenzt wurde war von aller erster Güte und auf erfrischende Art und Weise eine feine Abwechslung zur üblichen Kulinarik dieser Stadt.

*freu*!

den betreiberInnen toitoitoi und alles gute für dieses großartige projekt!

gar keine innereien?

Lieber Fotograf ...

... wenn ich im Text lese "Als Erstes nimmt einen die Pracht des Ortes ein. Der langgestreckte Saal mit Eichendielen und großen Fenstern ..." dann sollte das auch im Foto etwas herüberkommen.

hm

wie wärs mit hingehen?

Pinoli!

Ein Pignolo ist - passenderweise - der Wortklauber.

Es gehen wohl beide Schreibweisen...

Mal sehen...

Sehe ich mir gerne mal an. Das Madiani ist allerdings - gemessen am Standard der georgischen Küche, wie man sie in Georgien selbst aber auch in Russland oder der Ukraine antrifft - ziemlich unterdurchschnittlich.

Gut,

dass Sie es sich zumindest einmal ansehen wollen.
Den Rest Ihres Schreibens halte ich für quenglerisch-nörglerische Besserwisserei, mit der Sie zeigen wollen, dass Sie schon in anderen Ländern die Originalküche gekostet haben.
Ja, das Essen in Thailand ist auch vielfältiger und anders gewürzt als hier im Thai-restaurant, dasselbe gilt für die chinesische und die indische Küche.
Das liegt zum einen an den (nicht)vorhandenen Zutaten, zum anderen daran, dass die Köche hier andere Geschmäcker zu befriedigen haben, als zu Hause und zum dritten gibt es hier nicht so eine riesige Menge an Menschen, die ebendas verzehren wollen, wie in den Ursprungländern.Daher auch eine kleinere Auswahl.
Das Madiani hat erfrischend köstliche Speisen zu bieten!

Die Zutaten wachsen in den Metropolen Russlands auch nicht, da sind klimatisch sogar wir näher dran. Überhaupt ist die georgische Küche nicht so fern von europäischen Geschmack dass man sie erst adaptieren müsste. Das ist bei den von Ihnen zitierten thailändischen, indischen und chinesischen Küchen sicher anders.
Die georgische Küche ist einfach unglaublich toll und vielfältig und meines Wissens gibt es kein Lokal mit ordentlicher georgischer Küche in Wien. Das Madiani könnte ein solches sein aber stattdessen haben sie sich entschieden eine leicht georgisierte Variante von Neni, Tewa und anderen Naschmarktlokalen zu machen. Das finde ich ärgerlich.

Na dann...

fahrn´s halt nach Georgien

"meines Wissens gibt es kein Lokal mit ordentlicher georgischer Küche in Wien"

meines Wissens gibt es in Wien überhaupt fast keine Lokale mit ordentlicher Küche anderer Länder ... wenn man mal von der überpräsenten toskanischen Küche absieht, die allerdings doch recht bäuerlich und wenig originell ist.

Die übrigen Länderküchen sind entweder nur ein müder Abklatsch des Originals, oder überhaupt nicht vorhanden :-(

Man kann in Wien recht gut...

...chinesisch essen, vor allem Sichaun-Küche

Sichuan-Küche

Haben Sie da einen Lieblings-Chinesen, den Sie mir empfehlen können? Wär nett. Dank im voraus :-)

Oh, du liebe Ungargasse: No. 27

Das erst kürzlich eröffnete und hier http://derstandard.at/1339637931341 bereits rezensierte No. 27 in der Ungargasse bietet teuflisch scharfe Sichuan-Küche.

Sichuan

Gerne: mein liebster ist "Meister Xiao", 18. Bezirk
https://plus.google.com/100767545... 5003/about

Famuilienbetrieb und Xiao ist tatsächlich ein ausgebildetere meister der traditionellen chinesischen Küche.

Von einer überpräsenten toskanischen Küche habe ich in Wien noch nichts bemerkt. Wo gibt's die?

Dann würde ich ...

... Ihnen das Tenmaya (in einer Seitenstraße der Kärntner Straße) empfehlen - wundervoll, Küche, Service, alle stimmt dort - da fühlt man sich wirklich wie in Japan.

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