Hochzeit für staatliche Postenbesetzer

  • Ex-Notenbankerin Gertrude Tumpel- Gugerell steht  derzeit hoch im Kurs 
bei der Regierung.
    foto: apa/fohringer helmut

    Ex-Notenbankerin Gertrude Tumpel- Gugerell steht derzeit hoch im Kurs bei der Regierung.

Bei der Notenbank zeichnet sich ein rot-roter Wettlauf um den Gouverneur ab, bei der Volksbanken AG eine Warterei

Wien - Abseits des seit Jahren gepflegten großkoalitionären Zanks über den Fortbestand der Staatsholding ÖIAG ist die Entscheidung längst gefallen: Die staatliche Beteiligungsholding (OMV, Post, Telekom Austria) wird nicht aufgelöst. Korrekt müsste es heißen: Die ÖIAG kann gar nicht aufgelöst werden.

Der Grund: In dem Fall wäre der - für die Republik Österreich überaus vorteilhafte - Syndikatsvertrag mit OMV-Partner Ipic aus Abu Dhabi obsolet. "Das hieße, viel Geld zu verbrennen", betonen Kenner der Materie, "ein Pakt wie der Ende der 1980er-Jahre für die OMV geschmiedete, wäre nie wieder aushandelbar."

In diesem Sinne stellte der ÖIAG-Aufsichtsrat am Donnerstag die Weichen: Das mit dem Abgang von Markus Beyrer vakant werdende Vorstandsmandat wird ausgeschrieben. Mit der Suche nach Kandidaten betraut wird traditionsgemäß Personalberater Egon Zehnder International. Brauchbare Vorschläge erwartet man für die routinemäßige ÖIAG-Sitzung im September, im Herbst soll Beyrers Nachfolger in außertourlichen Hauptversammlungen von Post, Telekom und OMV als Präsident installiert werden.

Ein Name, der derzeit für so gut wie jede heikle Mission gehandelt wird: Stephan Koren, bis vor wenigen Monaten im Bawag-Vorstand. Er soll, geht es nach Finanzministerin Maria Fekter, eigentlich die Führung der teilverstaatlichten Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) übernehmen. Als offenes Geheimnis gilt: Eine etwaige Zusage Korens - die Ausschreibungsfrist für Chef und Vize endet dieser Tage - wäre wohl der Staatsräson geschuldet. Da könnte die ÖIAG-Führung eine interessante Alternative sein, zumal Koren im Aufsichtsrat der ÖIAG und ihrer Bankentochter Fimbag sitzt.

Stichwort ÖVAG: Bis der gesamte Vorstand der maroden Bank steht, wird es dauern, denn auch die zwei einfachen Vorstandsmandate werden ausgeschrieben.

Wie immer der neue ÖIAG-Chef heißt: Er muss den schrittweisen Einstieg von America Movil (übernimmt die rund 20 Prozent der Investoren rund um Ronny Pecik) bei der Telekom koordinieren. Die Mexikaner kommen in zwei Wochen nach Wien, um über einen Pakt für die Zukunft zu sprechen. Die klingt in TA-Kreisen rosig: Wien soll Headquarters und Osteuropa-Brückenkopf bleiben, es soll sogar nennenswert Streubesitz an der Börse bleiben. Und: Die ÖIAG werde nicht unter Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) gehen.

Als Joker gilt Koren auch im Spiel um das Direktorium der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), konkret den von Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek (ÖVP), dessen Vertrag nicht verlängert wird. Im Rennen um den Gouverneursjob soll Ex-EZB-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell gegenüber Ewald Nowotny (beide SPÖ) übrigens aufgeholt haben. Als Fürsprecherin im Kanzleramt gilt just Marlies Stubits-Weidinger, bis vor kurzem Duchatczeks Büroleiterin.

Tumpel-Gugerell steht derzeit generell hoch im Kurs: Nach ihrem Einzug in den ÖBB-Holding-Aufsichtsrat wurde sie am Donnerstag von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) mit dem Aufsichtsratsvorsitz der Forschungsfördergesellschaft FFG betraut. Sie ersetzt dort Ex-IV-Chef Peter Mitterbauer, der seit 2004 als FFG-Präsident fungierte. (Luise Ungerboeck, Renate Graber, DER STANDARD, 29.6.2012)

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