Die Sache mit dem Strumpf

28. Juni 2012, 17:51
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Die Vorstellung dessen, was wir "Hölle" nennen, ist konkret geworden

Der ORF lebt für die Dauer der Fußball-EM von mehreren arithmetischen Wundern. Für deren erstes kann er nichts. Halbfinalspiele eines großen Turniers leben von der Ausgeglichenheit der beteiligten Kontrahenten. Ergo quälen sich die Mannschaften häufig in die Verlängerung hinüber. Dort warten die Teams mit zuckenden Wadenmuskeln, bis endlich der Schlusspfiff ertönt. Hurra, die Lotterie des Elfmeterschießens kann beginnen!

Das zweite arithmetische Wunder ist hingegen hausgemacht. Es lautet auf den Titel "Gernots Verlängerung" und stellt etwas so Rares wie Seltsames dar: die Verlängerung einer Verlängerung, das Nachspiel zum Hauptspiel, das Wagnis, mit den Mitteln übler Pennälerscherze schlechte Unendlichkeit zu erzeugen. Aber damit lappt die Mathematik endgültig in die Theologie hinüber, und diese lebt von der Erhellung echter Glaubensinhalte.

Als Glaube, der die Bezirke des Wahns streift, muss die Annahme gelten, Viktor Gernot eigne sich als Pointenschleuder. Es fällt auf, dass die von Gernot in aller Weile vorbereiteten Witze auf die körperliche Integrität der Witzobjekte zielen. Trägt Cristiano Ronaldo auf einem eingeblendeten Foto irgendwelche Lockerungsstrümpfe, dann handelt es sich eben um die "Venenstrümpfe seiner schwangeren Freundin". An die Sitzrunde mit den üblichen Comedians werden landesübliche Speisen verabreicht. Wenn dann ein wandelndes Orakel die Szene betritt, darf es "Penne alla Bunga-Bunga" verkosten.

Die Vorstellung dessen, was wir "Hölle" nennen, ist konkret geworden. Sie währt eine ewige Verlängerung lang. In ihrer Mitte steht eine Couch, auf der heimische Comedians sitzen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 29.6.2012)

  • Viktor Gernot, höllische Pointenschleuder.
    foto: orf

    Viktor Gernot, höllische Pointenschleuder.

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