Swiss-Piloten springen nicht bei AUA ein

28. Juni 2012, 17:35
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Kurz vor dem Übergang von der AUA zur Tyrolean weigern sich Swiss-Piloten, bei der AUA einzuspringen, Ersatz für den Ersatz wird Contact Air sein

Wien - Für den AUA-Vorstand kam die kurzfristige Absage der Swiss, als Kompensation für den Abgang von zahlreichen Piloten im Sommer einen Flieger samt Crew nach Wien zu schicken, überraschend. Der Swiss-Flieger war im Juli und August ebenso fix eingeplant wie geleaste Flieger anderer Gesellschaften. Andernfalls wäre der Flugplan nicht im vollem Umfang aufrechtzuerhalten.

Die Swiss bestätigte STANDARD-Informationen, dass sich die Schweizer Piloten auf eine Klausel im Arbeitsvertrag berufen, wonach sie nicht für andere Airlines fliegen, deren Mitarbeiter quasi in einem Arbeitskampf sind. Die kurzfristige Absage wird damit begründet, dass man erst ausloten musste, ob die Unterwanderungsklausel auch tatsächlich anzuwenden sei. Laut Kilian Kraus von der Schweizer Gewerkschaft Aeropers sei man von den Kollegen aus Österreich gebeten worden, Flüge zu unterlassen, bis die Situation bei AUA und Tyrolean geklärt sei. Wie berichtet wurden die Kollektivverträge von AUA und Tyrolean gekündigt. Ein neuer Konzern-Kollektivvertrag soll ausgearbeitet werden.

Die Swiss schickt stattdessen eine geleaste Fokker 100 der Contact Air nach Wien, die die Strecken nach Zürich und Warna (bulgarische Schwarzmeerküste) fliegen wird. Contact Air hat ihren Sitz in Stuttgart und ist Mitglied von Lufthansa Regional und Partner der Swiss. Die Lufthansa hat einen derartigen "Unterwanderungsschutz" nicht in ihren Verträgen.

Auch die profitable Swiss spielt derzeit diverse Szenarien durch, wie sie den Europa-Verkehr künftig aufstellen soll. Laut einem internen Strategiepapier, das der Schweizer "Handelszeitung" zugespielt wurde, gibt es dabei die Variante, die Swiss in zwei Gesellschaften zu trennen. Ein Teil würde nur noch die Langstrecken-Flüge anbieten. Der andere, neue Teil würde das Europa-Geschäft umfassen.

Dafür könnte die Swiss, wie es in dem Papier heißt, eine "neue EU-Plattform" einrichten. Die Swiss würde dann mit zwei verschiedenen Betriebsbewilligungen fliegen. Fürs Personal würden in den zwei Einheiten unterschiedliche Anstellungsbedingungen gelten. "Wir haben im Europa-Verkehr Probleme mit der Kostenstruktur", sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister jüngst. "Diese gehen wir dieses Jahr Schritt für Schritt an."

Kampf im Cockpit

Bei der AUA wird der Einsatz von Freelancern - das sind jene Piloten, die um teures Geld im Zuge des Betriebsübergangs auf die Tyrolean abgefertigt wurden, sich aber bereiterklärt haben, im Sommer temporär für die AUA zu fliegen - "mit großer Sorgfalt" vorbereitet. Nur ausgesuchte Piloten sollen ins Cockpit geschickt werden. Hintergrund ist, dass sich etliche Piloten, die weiter bei der AUA fliegen, weigern, mit den Freelancern zu fliegen. Um eine Eskalation zu vermeiden, will man seitens der AUA nur "eine Handvoll" Freelancer einsetzen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 29.6.2012)

  • Die Swiss durfte keine eigene Crew nach Wien schicken, jetzt muss kurzfristig Contact Air einspringen.
    foto: christian galliker / aeropers

    Die Swiss durfte keine eigene Crew nach Wien schicken, jetzt muss kurzfristig Contact Air einspringen.

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