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vergrößern 600x861Eine Fanin mit dem Abbild des von ihr geliebten Justin Bieber.

Der versucht derweil, ohne Schaden erwachsen zu werden.
Der Glaube, so heißt es, könne Berge versetzen. Vielleicht heißt das neue Album von Justin Bieber deshalb "Believe". Es ist erst der zweite Longplayer des 18-jährigen Kanadiers, dennoch gilt "Believe" jetzt schon als meistverkauftes Album des Jahres und sein Schöpfer als der bestverkaufendste Popstar unsere Tage. Auf 55 Millionen Dollar wird Biebers Verdienst aus dem Vorjahr geschätzt, sein Marktwert in der Werbung ist astronomisch.
Was vielen Anlass gibt, an ihrem Glauben zu zweifeln, muss Bieber als wahr gewordenes Märchen erscheinen. Oder als Vorsehung. Schließlich ist Justin der Sohn einer gottesfürchtigen alleinerziehenden Mutter, die Justin lieber als Pastor Freude spenden sehen wollte denn als Popstar, der Teenager auf der ganzen Welt zur Raserei treibt.
Doch für ihn stellt das keinen Widerspruch dar. Er sagt, er würde regelmäßig beten und sich bei Gott bedanken, in dessen Händen er all unsere Geschicke liegen sieht. Da wundert es nicht, dass er gegen Abtreibung auftritt, Sex ohne Liebe nicht richtig findet und mit der Einschätzung aufhorchen lässt, sexuelle Orientierung sei eine freie Entscheidung. Gleichzeitig unterstützt er Organisationen, die Suizidprävention unter Lesben, Schwulen und Transsexuellen betreiben. Alles ist sehr kompliziert.
Sogar das mit dem Erfolg. Denn wie alle großen Teenie-Stars steht Bieber vor der Aufgabe, seine Musik seinem Alter anzupassen, ohne die Fans zu verlieren. "Believe" ist so betrachtetet der Versuch eines Übergangswerks. Der darauf zu hörenden R 'n' B soll die Fans bei der Stange halten, gleichzeitig Biebers Entwicklung zulassen, ihn als erwachsen werdenden Künstler präsentieren, was sich in zeitgeistigen danceorientiertem Pop niederschlägt. Früher oder später wird das Tränen geben.
Der Heintje aus dem Internet
Aber das ist keine neue Erkenntnis, denn das haben Robbie Williams oder Justin Timberlake und ihre Fans schon durchgemacht. Auch Michael Jackson hat es er-, aber nicht überlebt. Doch keiner war dabei so auf sich gestellt, kam so aus dem Nichts wie Bieber.
Begonnen hat seine Karriere vor rund vier Jahren, als er Songs auf Youtube hochgeladen hatte. Sie zeigen eine singende Kaulquappe, die leidenschaftlich R-'n'-B-Titel interpretiert. Die Clips dieses Heintje der Generation Youtube entwickelten sich zu Selbstläufern, und bald wurde der Talente-Scout Scooter Braun auf ihn aufmerksam und bei Biebers vorstellig. Das stürzte Justins Mutter, Patricia Lynn Mallette, sogleich in Zweifel. Konnte Gott ihrem Sohn nicht einen nichtjüdischen Entdecker schicken? Aber wen der Herr liebt, den prüft er - Braun wurde Biebers Manager.
2010 erschien Biebers Debüt "My World 2.0". Das Video zur Single ist das populärste in der Geschichte des Internetportals Youtube - gleichzeitig gilt es als eines der schlechtesten aller Zeiten. Doch Kritik kann seinen Erfolg nicht schmälern, sind seine Fans doch in einem Alter, in dem er ihre erste bedingungslose Liebe verkörpert - nach den Eltern, aber deren Bedeutung schwindet ja gerade.
Und diese Liebe wird erwidert. Zumindest virtuell. Justin Bieber scheint 24 Stunden am Tag online zu sein. Nur Lady Gaga folgen via Twitter mehr Fans als ihm. Der fleißige Bieber und seine Gefolgschaft, die "Beliebers", verantworten bis zu drei Prozent des gesamten täglichen Twitter-Verkehrs. Noch nie zuvor ist jemand so öffentlich aufgewachsen wie er - schon gar nicht freiwillig.
Berühmte Rückenwindfrisur
Unter diesen Voraussetzungen versucht sich Bieber nun neu zu positionieren. Erster Vorbote der Veränderung war eine neue Frisur. Die zu seinem Markenzeichen gewordene Rückenwindfrisur, die er mit ungesund wirkendem Kopfruck in Form brachte, wich einem Haarschnitt, der in jeder Fußballmannschaft auftaucht und eine Elvis-Presley-Tolle antäuscht. Und den Albumtitel "Believe" hat er sich wie ein wilder Hund in den Arm tätowieren lassen. Wenn's denn wahr und nicht nur Malerei ist.
Musikalisch schlägt sich das wenig und nur mäßig gelungen nieder. Bieber versucht stellenweise mit der Hereinnahme von Hip-Hop-Charakteristika eine erwachsene Aura herzustellen. In diesen Liedern wirkt er verloren, denn meist ersäuft seine Stimme im Mix, wird elektronisch verfremdet oder vom Rap eines Gastsängers überschattet.
Das passt nicht zu der naiven Emotionalität, die seine besten Lieder ausmachen. In denen wirkt er so glaubwürdig, weil er die Welt mit den Augen eines Heranwachsenden betrachtet. Besonders gilt das für seine Liebeslieder, meist Balladen, die er im selben Duktus vorträgt, wie ein Muttertagsgedicht es verlangt.
Die ersten Dämonen
Dazu gesellen sich Chöre, die seiner Mischung aus Positivismus und Zweifel einen kollektiven Anstrich verleihen: Zusammen sind wir stark, wir schaffen das. Damit macht er es sich im Kitschfass gemütlich, schunkelt, wie die Mannschaft, die seinerzeit "We Are The World" gesungen hat. So funktionieren der titelgebende Song des Albums oder "Fall". Sie zählen mit "Die In Your Arms" zu den besten.
Am Ende stellt Justin sich noch einem der wenigen Dämonen seines jungen Lebens. Im Lied "Maria" thematisiert er eine Stalkerin, die behauptet hatte, Bieber hätte sie geschwängert. Wen Gott liebt, den prüft er. Das gilt selbst für den kleinen Bieber. Mit der Unschuld eines Kindes staunt er über eine der Grausamkeiten, die das Leben bereithält - und Millionen Fans werden Zeugen und fühlen mit ihm.
Das geht rein, ein 18-Jähriger, der die Welt erkundet und nahezu alle Mittel dafür zur Verfügung hat. Wie im Märchen. Das sollte er genießen. Schließlich ist er auf seinem Terrain zurzeit konkurrenzlos; und erwachsen wird man ohnehin - so der Herr es will. (Karl Fluch, DER STANDARD, 29.6.2012)
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dieser schleichende zynismus durch diese kritik.
bieber ist jedenfalls ein nicht zu unterschätzendes phänomen. es wird erwähnt wieviele menschen ihm bedingungslos folgen - er ist ziemlich mächtig. man sollte froh sein, dass er so ein braves bubi ist.
muß schon was einzigartiges sein und das höchsteigene selbstwertgefühl in lichteste höhen steigen lassen.
(in hinblick darauf creme ich mir jeden tag den schädel mit nivea an, verwende das modische duftwasser pitralon und überlege mir allen ernstes, künftig sogar wöchentlich die unterwäsche zu wechseln - zumindest in der heißen jahreszeit)
haben glücklicherweise ein verfallsdatum ähnlich einer milch und verschwinden in der regel nach max. 5 jahren akustischer lärmbelästigung in den radios wieder von der bildfläche.
phänomenal finde ich in diesem zusammenhang nur immer wieder, dass mit dem exakt selben muster - ja selbst der fast identischen musik - alle paar jahre wieder auf neue solche retorten-bürschchen auftauchen.
erst kürzlich sah ich mit entsetzen einen bericht über eine neue boyband aus uk (glaub ich) die gerade wieder den neuesten hype auslöst - und alle mitglieder schauen gleich aus, bewegen sich gleich und singen gleich wie ihre tausenden vorgänger.....
"Fanin"!! Ernsthaft?! Diese widerwärtige Verunglimpfung unserer Sprache nur weil ein paar sexuell unbefriedigten Öko-Tanten zu wenig Selbstbewusst sein haben.. Ich kenn keine einzige Frau in meinem Freundeskreis die diesen Gender-Wahn nicht vollkommen lächerlich findet!
sich so ausführlich mit Justin Bieber auseinandersetzen. Dass dann eine eher negative Kritik rauskommt, ist aus Sicht der Blattlinie verständlich. Vermutlich hätte der Standard auch "Off the wall" als infantilen Versuch bezeichnet, in der Popwelt Fuß zu fassen. Nicht dass ich Justin Bieber mit Michael Jackson vergleichen will, aber wann jemand Geschichte schreibt, wird natürlich erst immer im Nachhinein erkannt. Ich glaube, einer ist jetzt gerade dabei, und diese CD ist ein nicht unwesentlicher Schritt. "Thought of you" beispielsweise ist einfach ein geiler Popsong.
schwer durchzudrücken und v.a. ist mir völlig schleierhaft was die kids an dem finden. als wir jung waren, hatten wir doch nicht auch solche weichgespülten waschlappen angehimmelt, oder?
aber vielleicht ist das auch die auswirkung der faserschmeichlererziehung von heute...
Wies alle jammern vor Neid... er is Ami, was soll er den sonst machen? Der nette Junge von neben an der dazu noch an Gott glaubt kommt halt extrem gut bei allen Puritanern & treibt die Plattenverkäufe nach oben - deppat wär er wenn er sich an Iro schneidet, a umgedrehtes Kreuz aufn Kehlkopf pecken lassen würd & nur mehr Black Metal machen würd - Geld ist gut, merkt euch das endlich!
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