Breite Zustimmung von Usern für Wiener Parkpickerl

28. Juni 2012, 16:27
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Neben Pickerlzonen werden auch eine Citymaut und die Abschaffung der Pendlerpauschale gefordert

Der Streit ums Wiener Parkpickerl beschäftigt nicht nur die rot-grüne Koalition und die Opposition. In einer Umfrage unter derStandard.at-Usern auf Facebook und Google+ zeigt sich, dass durchaus breite Zustimmung für das Parkpickerl-Projekt herrscht. "Abgesehen von Warentransporten sehe ich keinen Grund mit dem Pkw in die Stadt zu fahren. Als Fußgänger, Radfahrer und Öffinutzer begrüße ich alle Maßnahmen, die das Verkehrsaufkommen in Wien verringern", schreibt etwa Johannes Dostal.

Wien nicht "die erste Stadt" mit Parkpickerl

In eine ähnliche Kerbe schlägt User Michael Mainwasser: "Die 'polarisierte' Diskussion kommt mir vor, als wäre Wien die erste große Stadt auf der Welt, die ein Parkpickerl einführt. Mein Gott, es ist eher die letzte!" Eine ganz gegenteilige Meinung wiederum hat User Tom de Belfore: "Parken in Wien gleicht einem Roulette-Spiel, bei dem der Einsatz aber sehr hoch ist und der Gewinn sehr klein. Warum muss immer alles geändert werden zum Nachteil der Bürger? Warum kann mann/frau es nicht lassen, wie es war? Und die Parkscheinerhöhung muss man auch als Verbrechen am Bürger bezeichnen, 76 Prozent Erhöhung, das ist Wucher."

Ein "ganz klares Pro zum Parkpickerl" kommt von Georg Jajus: "Wenngleich es nicht alle Probleme des zu viel an Autoverkehr zu lösen vermag. Weitere steuernde Elemente (Kilometer-abhängige Autobahnmaut, Citymaut, Abschaffung der Pendlerpauschale) gehören ergänzend hinzu." 

"Pendler verstellen Parkplätze"

Die Pendlerpauschale und die einpendelnden Arbeitnehmer sind auch Gabie Peiskammer ein Dorn im Auge: "Man wohnt in Niederösterreich, bezieht Pendlerpauschale, zahlt Abgaben dem Herrn Pröll und in Wien werden die Parkplätze verstellt, solang es erlaubt und gratis ist. In meiner Wohngegend ist die Hälfte der parkenden Autos ohne Wiener Kennzeichen. Auch die WienerInnen sollten sich überlegen, welche Fahrten nötig sind und welche nicht, aber vor allem das Hereinpendeln sollte ein bisschen unlustiger bzw. die Attraktivität der Öffis für Pendler erhöht werden."

Andreas Hanzl ist zwar prinzipiell dafür, sieht aber politische Gefahren: "Die Stadt braucht die Einnahmen und wir weniger Verkehr. Eine mutige Entscheidung, aber grundsätzlich nötig, um eine vorhersehbare Parkplatznot in fünf bis zehn Jahren zu verhindern. Was aber an Übermut grenzt, ist die ungewohnt autokratische Weise, wie die Grünen hier vorgehen. Gefundenes Fressen für den rechten Rand."

"Öffentlicher Raum für alle"

User Oliver Ritter freut sich ebenfalls, dass auch "bei den Autofahrern unpopuläre Maßnahmen" umgesetzt werden. Denn "jahrzehntelang wurde den Bewohnern und anderen Verkehrsteilnehmern der öffentliche Raum genommen und den Autos gegeben. Resultat: Schlechtere Lebensqualität und höhere Umweltbelastung."

Für Ritter sieht die Lösung des Problems folgendermaßen aus: "Flächendeckend Parkpickerl und Tempo 30, kostenfreie Park&Ride am Stadtrand, Rückbau der Straßen und stattdessen flächendeckend Bepflanzung mit Bäumen (für das Microklima in der Stadt sehr wichtig - gerade im Sommer) sowie mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer."

Keine Reaktion der Wiener Grünen

Die Ankündigung von Bürgermeister Michael Häupl am Mittwoch, dass der 1. Oktober nicht als fixer Starttermin für die neuen Parkpickerlzonen gelte, hat bei den Wiener Grünen noch keine offizielle Reaktion gezeitigt. Trotz mehrmaliger Anrufe im Laufe des Tages im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, die zurzeit bei einem Kongress in Kanada weilt, war bis 16 Uhr keine Stellungnahme zu Häupls Vorstoß zu bekommen. (mob, derStandard.at, 28.6.2012)

  • Die Ausweitung der Parkpickerlzonen bedeutet für einige User auch die Rückgewinnung von öffentlichem Raum.
    foto: derstandard.at

    Die Ausweitung der Parkpickerlzonen bedeutet für einige User auch die Rückgewinnung von öffentlichem Raum.

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