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vergrößern 1000x813Den Prototyp des "Turmbau zu Babel" schuf Pieter Brueghel der Ältere 1563 (zu sehen im Kunsthistorischen Museum in Wien). Daran orientierte sich rund 30 Jahre später sein Sohn Pieter Brueghel (der Jüngere), als er diese Version schuf, die am 4. Juli bei Sotheby's in London versteigert wird (Taxe: 2 bis 3 Millionen Pfund bzw. umgerechnet 2,5 bis 3,7 Millionen Euro).
vergrößern 1000x819Infrarot-Reflektographie von Pieter Brueghel d. J. "Turmbau zu Babel": Unter der Malschicht verbergen sich überraschend detailreiche Vorzeichnungen.
Eine Megabaustelle, an der emsig gearbeitet wird, die ersten Stockwerke scheinen nur auf den ersten Blick vollendet, zwischendrin gähnen noch Löcher in der Sockelzone. Weiter oben, einer klaffenden Wunde gleich, zitiert das Ziegelmauerwerk das Colosseum und damit höchste römische Baukunst herbei. Ob die mit ihren Spitzhacken "winzig-ohnmächtig am Fels Herumpickenden" (Klaus Demus) jemals ihr Soll erfüllen, darf, ja muss angezweifelt werden.
Als ob das menschliche Streben nach Vollkommenheit zum Himmel stinken würde, sollte die Spitze des babylonischen Turms eben diesen erreichen. Zum Scheitern verurteilt, wie schon im Ersten Buch Mose zitiert und von Pieter Brueghel dem Älteren 1563 in schier unerschöpflichem Ideenreichtum verewigt. Eine geniale Fantasie, mit einem satirischen Schlenker auf die Technologie der Weltbaumeister.
Ehemals im Besitz eines Antwerpener Bankiers, gelangte das Werk in die Sammlung Rudolf II. und darf im Kunsthistorischen Museum (Wien) bewundert werden, das bekanntlich über den umfangreichsten Bestand an Gemälden dieses Brueghels verfügt. Die Fachwelt nennt dieses auch den "großen Turmbau", zur Unterscheidung der später entstandenen Fassung ("kleiner Turmbau", Van-Beuningen-Museum, Rotterdam), bei der er einen größeren Maßstab zulasten der detailreichen Schilderung gewählt hatte.
Vom Nachfolger zum Brueghel
Nach dem Tod des Älteren (1569) begann sein Sohn, Pieter der Jüngere, in den 1580ern an Wiederholungen der erfolgreichsten Motive seines Vaters zu arbeiten. So schuf er auch vom Turmbau zu Babel zwei Versionen, die sich beide an der Wiener Komposition orientierten. Und eine dieser gelangt nach 1966 (6000 Pfund) und 1986 (40.000 Pfund) am 4. Juli neuerlich bei Sotheby's in London zur Versteigerung. Der Unterschied: Die ersten beiden Male wechselte das Werk als "Brueghel-Nachfolger" den Besitzer. Klaus Ertz, der Brueghel-Spezialist und Autor mehrerer Werkverzeichnisse, attestierte bereits vor einigen Jahren, dass es sich bei diesem Bild zweifelsfrei um ein authentisches Werk handle und es auf Basis stilistischer Vergleiche um 1585-1595 zu datieren sei.
Entsprechend der bei Sotheby's im Falle Pieter Brueghel d. Jüngeren üblichen Richtlinie hatte man jetzt im Vorfeld ergänzende Analysen beauftragt: Über eine Infrarotreflektografie wurde die Schicht unterhalb der gemalten Bildoberfläche untersucht, die überraschend detailreiche Vorzeichnungen zutage brachte. Ein dendrochronologisches Gutachten lieferte wiederum eine genauere Datierung des Bildträgers, konkret der sechs verleimten Eichenpaneele baltischer Provenienz.
Die ältesten Jahresringe stammen von 1548 bzw. 1549, womit der Baum laut Experten frühestens 1557 gefällt und von den 1560ern an verarbeitet worden sein kann. Damit wurde die Ertz'sche Datierung bestätigt, und auch der Wert stieg fühlbar: auf das 50-Fache des Kaufpreises von 1986. Um genau zu sein: Aktuell belaufen sich die Erwartungen auf zwei bis drei Millionen Pfund bzw. 2,5 bis 3,7 Millionen Euro.
Neuer Künstlerweltrekord?
Es ist nicht das einzige Werk Pieters, das im Zuge des kommende Woche in London bevorstehenden Altemeisterbrimboriums auf den Markt kommt. Exakt acht Arbeiten im Gesamtgegenwert von 12,5 bis zu 19 Millionen Pfund stehen zum Verkauf, Trouvaillen im Angebot der vom internationalen Kunsthandel initiierten "Master Paintings Week" (bis 6. 7.) oder der parallel laufenden "Master Drawings London" (bis 5. 7.) noch gar nicht einkalkuliert.
Bei Christie's, wo im Rahmen des Evening Sales (3. 7.) 64 Oldies zum höchsten Schätzwerttotal in der Geschichte des Kunstmarktes (61-88 Millionen Pfund) einen neuen Besitzer suchen, sind es fünf Werke. Darunter das sommerliche Erntemotiv aus der Jahreszeitenfolge, für das Christie's dem Einbringer vorab eine Garantie erteilte. 341.000 Pfund hatte dieser für das Bild auf den Tag genau vor 27 Jahren bei Sotheby's gezahlt, nun soll ihm die Trennung mit bis zu drei Millionen versüßt werden.
Den höchsten Zuschlag dürfte man wohl tags darauf (4. 7.) bei Sotheby's erteilen, wo sich 44 Anwärter mit etwa 26 Millionen Pfund zu Buche schlagen sollen: Jedoch nicht für den schmucken Turmbau zu Babel, sondern eine von fünf bekannten Versionen (vier auf Holz, eine auf Leinwand) vom Kampf zwischen Fasching und Fasten. Im Dezember vergangenen Jahres hatte ein Bieter für das Leinwandmotiv - dessen väterlicher Prototyp von 1559 ebenfalls zum Bestand des Kunsthistorischen Museums zählt - mit 6,87 Millionen Pfund (rund 8 Mio. Euro) bei Christie's in London den neuen Künstlerweltrekord bewilligt. Beim aktuellen Sotheby's-Kandidaten hatte der Einbringer Ende der 1980er-Jahre einen guten Griff bewiesen (Christie's New York: 2,7 Mio. Dollar / 1,7 Mio. Pfund): Laut jüngster Expertenmeinung handelt es sich nicht nur um die feinste, sondern entsprechend der Paneelenanalsye (die Eiche wurde etwa 1594 gefällt) wohl auch um die früheste Ausführung. Und das hat seinen Preis, der entsprechend der angesetzten Taxen bei vier bis sechs Millionen Pfund oder auch darüber liegen wird. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 30.6./1.7.2012)
Video zum offerierten "Turmbau zu Babel" (unter "Brueghel Sale Highlight"): sothebys.com/en/departments/old-master-paintings/videos.html
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