Strengere Regeln durch neues Tierversuchsgesetz

28. Juni 2012, 12:27

Verpflichtung zur Einrichtung von Tierschutzgremien

Wien - Mit einer Novelle des Tierversuchsgesetzes (TVG) will das Wissenschaftsministerium die bestehenden Regeln verschärfen. Unter anderem wird der Geltungsbereich des Gesetzes, der derzeit nur Wirbeltiere umfasst, auch auf spezifische wirbellose Arten und Föten im letzten Trimester ihrer Entwicklung ausgedehnt.

Außerdem müssen Tierversuche künftig in Schweregrade eingeteilt und ab einer bestimmten Betriebsgröße bei Züchtern, Lieferanten und Verwendern verpflichtend Tierschutzgremien eingerichtet werden. Die Veröffentlichung bestimmter Informationen über Versuche sollen für erhöhte Transparenz sorgen. Die Begutachtungsfrist läuft sechs Wochen.

EU-Richtlinie macht Änderungen notwendig

Durch die Novellierung wird eine EU-Richtlinie umgesetzt, die eine europaweite Harmonisierung der Tierversuchsgesetze anstrebt. Im bisherigen TVG bestehende strengere Regeln wie das grundsätzliche Verbot von Tierversuchen für Kosmetikprodukte und von Versuchen an Menschenaffen bleiben laut Wissenschaftsministerium allerdings in Kraft. Zudem verweist man seitens des Ressorts auf das weiterhin gültige "3R-Prinzip", wonach Tierversuche grundsätzlich "vermieden, vermindert und verbessert" (engl: replace, reduce, refine) werden sollen.

Vier Schweregrade bei Tierversuchen geplant

Künftig wird es vier Schweregrade für die Einteilung von Tierversuchen geben: "Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion", "gering", "mittel" und "schwer". "Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion" umfasst Versuche, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden, aus der das Tier nicht mehr erwacht". Ein "geringer" Schweregrad liegt vor, wenn kurzzeitig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste verursacht werden bzw. keine wesentliche Beeinträchtigung des Wohlergehens oder des Allgemeinzustands der Tiere erfolgt. Als Beispiel genannt wird in den Erläuterungen etwa die "Induktion von Tumoren oder spontanen Tumoren, die keine nachweisbaren klinischen Auswirkungen haben".

Ein mittlerer Schweregrad umfasst Tierversuche, bei denen zu erwarten ist, dass sie kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen bzw. eine mittelschwere Beeinträchtigung des Wohlergehens oder des Allgemeinzustands der Tiere verursachen. 

Als Beispiele werden die "Schaffung von genetisch veränderten Tieren durch chirurgische Verfahren" genannt sowie "Bestrahlung oder Chemotherapie mit einer subletalen Dosis oder mit einer sonst tödlichen Dosis, jedoch mit Wiederherstellung des Immunsystems, wenn zu erwarten ist, dass die nachteiligen Auswirkungen gering oder mittelschwer sind und kurzfristig auftreten (< 5 Tage)".

"Schwere" Tierversuche verursachen starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Ängste bzw. eine schwere Beeinträchtigung des Wohlergehens oder des Allgemeinzustands der Tiere. Als Beispiele werden etwa "Elektroschocks, denen das Tier nicht entgehen kann" genannt oder "Modelle mit Induktion von Tumoren oder spontanen Tumoren, bei denen zu erwarten ist, dass sie eine fortschreitende tödliche Krankheit mit lang andauerndem mittelstarkem Schmerz, mittelschweren Ängsten oder Leiden verursachen".

Starke Schmerzen bei Tieren werden verboten

"Tierversuche, die starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten und nicht gelindert werden können" sollen grundsätzlich untersagt werden. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn "wissenschaftlich berechtigte Gründe" vorliegen und "keine nichtmenschlichen Primaten verwendet werden". Als Beispiel nennt das Ministerium etwa den Ausbruch einer Pandemie.

Eine erhöhte Transparenz bei Tierversuchen soll dadurch erreicht werden, dass Anträge nicht-technische Projektzusammenfassungen enthalten müssen, die unter Wahrung der Anonymität via Internet öffentlich zugänglich gemacht werden. Die neuen Tierschutzgremien sollen das Personal beraten und Projektabwicklung überprüfen. (APA, 28.7.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Forschung ohne Tierversuche !!!

- Für Tierversuche müssen Tiere extremste Schmerzen und Qualen ohne Narkose ertragen
- Für viele Tierversuche werden Tiere qualgezüchtet oder absichtlich krank gemacht
- Tierversuche gefährden die Gesundheit des Menschens, da Ergebnisse nicht auf den Mensch übertragbar sind (auch Contergan wurde ausreichend an Tieren getestet!)
- Für Tierversuche werden Steuergelder in gigantischen Summen verschwendet
- Tierversuche behindern den medizinischen Fortschritt
- Jedes Jahr sterben allein in Deutschland über zwei Millionen Tiere im Tierversuch
- Es gibt ausreichende Alternativen zu Tierversuchen

Ich bin fast zur Gänze ihrer Meinung. Besonders die Wirkung kann man von einem Tier nicht auf einen Menschen einfach so übertragen. So ist der Mensch das Versuchskaninchen?!
Welche Alternativen gibt es und warum werden die nicht forciert?

Auf http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de gibt es eine recht ausführliche Broschüre über Forschungsmethoden ohne Tierleid.
Warum diese Methoden nicht forciert werden? Das frage ich mich auch, vor allem, weil manche sogar wesentlich genauere Aussagen machen können. Ich vermute, dass viele Forscher einfach schon so im System drinnen sind, dass sie es nicht hinterfragen. Und im Studium wird einem von Anfang an erzählt, es ginge nicht anders. (ich studiere ja selbst Humanmedizin) Und für Pharmafirmen bieten Tierversuche eine gewisse rechtliche Absicherung, trotz der Tatsache, dass man die Ergebnisse nicht so einfach auf den Menschen übertragen kann.

Vielen Dank

Alternativen kann man im Internet nachlesen.
Forciert werden diese nicht, weil es in kapitalistischen Systemen kostengünstiger ist Tiere zu quälen.

Anders gefragt, welche Alternative meinen Sie?

Danke

So hart es klingt: Aber ethisch gesehen sollten diejenigen, die Vorteile daraus ziehen, auch selbst dafür aufkommen. Oder leben wir immer noch in der Steinzeit, wo es legitim ist, andere einfach für den eigenen Vorteil eiskalt zu quälen und zu töten?

So schwierig das Dilemma auch ist, es reicht einfach nicht, weiter die Augen zu verschließen und Tiere völlig ungerechtfertigt aus unserer Moral auszuschließen ...

und was isst du?

und schmeckt das müsli ein bisschen nach reh?

Was hat dieser Stumpfsinn mit Tierversuchen zu tun?

"andere einfach für den eigenen Vorteil eiskalt zu quälen und zu töten?"
trifft nunmal auch aufs essen zu.

Stimmt. Miriam wird folglich Vegetarierin/ Veganerin sein.

Stimmt genau ;-) Aber ich finde trotzdem, dass auch Fleischesser dagegen sein dürfen, Tiere für ihre Kosmetik/Medizin grausamsten Qualen auszusetzen.

nur dass auch beim anbau und der ernte von getreide unvermeidlicherweise viele tiere draufgehen.

Und was genau hat das damit zu tun, dass man sie nicht absichtlich quälen/töten dürfen soll?

Si tacuisses, philosophus mansisses.

Sie ernähren sich von „Luft und Liebe“?

Wird auch nichts daran ändern, dass in Österreich die Letztinstanz zur Bewilligung von Tierversuchen von politisch bewegten Hausfrauen mit Handelsschulabschluss gebildet wird, die ggf. auf einen ORF-Dodel-Bericht hin Krawall schlagen.
Und das mit den "Wirbellosen" (nebenbei: kein biologischer Begriff) schau' ich mir auch noch an. Ob die da wirklich auf die Idee kommen, Arthropoden mit hinein zu nehmen...?

Achtung Schönfärberei!

Ein wesentliches Problem ist, dass Tierversuche nach der geltenden Rechtslage wegen zu starken Belastungen für Tiere gar nicht verboten werden dürfen weil die Freiheit der Wissenschaft über dem Leid der Tiere steht. Immerhin ist die Freiheit der Wissenschaft verfassungsmäßig geschützt. Die Aufnahme des Tierschutzes in den Verfassungsrang wurde zwar schon vor vielen Jahren - sogar mit einer konkreten Formulierung - einstimmig(!) im österreichischen Nationalrat beschlossen, aber seither haben sich immer Ausreden gefunden um diesen Beschluss nicht real umzusetzen...

Ohne Tierschutz im Verfassungsrang und ganz klaren Tierschutzanforderungen im Tierversuchsgesetz bleiben die Versprechen der Zuständigen in der Praxis wohl nur leere Worte...

Alles, was das Tierleid reduziert ist begrüßenswert,

auch wenn es noch viel zu wenig ist. Ich bin daher für eine verpflichtende Kennzeichnung, damit Mensch im Supermarkt oder sonst wo gleich selbst entscheiden muss, ob das Produkt das geringe, mittlere oder schwere Tierleid wirklich wert ist. Pfu, schon beim Lesen des Artikels steigt Übelkeit in mir auf.

Wie schon Schuldenschnitt gepostet hat, sollten Artikel gekennzeichnet werden, die auch nur im entferntesten mit Tierversuchen zu tun haben. Der Grad der Schwere scheint mir vernachlässigbar.

Diese Zeitung also...

Jede Forschung an Tieren ist ein anzumeldender Tierversuch, deswegen hat die Krone vor einigen Jahren so eine depperte Schlagzeile mit "Auch Reptilien etc. gequält!" schreiben können...da wurden glaub ich Experimente mit Markierung der Tiere gemacht, um ihre Wanderungen rauszufinden (wie auch sonst.)

Deswegen ist der Schweregrad SEHR WOHL wichtig. Weils einen Unterschied macht, ob ich eine Krähe einfange, untersuche und wieder fliegen lasse oder ob ich unbetäubt am offenen Hirn operiere.

Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer ethischen Position bei Tierversuchen. Einige wenige, lehnen Tierversuche grundsätzlich ab, d.h., für sie gibt es keine ethisch vertretbaren Tierversuche. So ist die Frage nach dem „Schweregrad“ für diese irrelevant.

Ganz meiner Meinung :-) Außerdem fände ich es gerade bei Medikamenten wichtig, durchsichtig für den Konsumenten zu gestalten, was und wie nun tatsächlich getestet wurde.
Tierversuche für jeden Dreck müssen wirklich nicht sein, dafür gibt es oft andere und sogar bessere Methoden. Aber nach derzeitigem Stand werde ich quasi gezwungen, mit Tierqual erzeugte Medikamente zu schlucken - ohne auch nur die Möglichkeit zu haben, nachzuprüfen, ob dasselbe nicht auch anders hätte erreicht werden können ...

Posting 1 bis 25 von 58
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.