"Beating Water Out Of A Rock": Wie die afghanische und amerikanische Armee kooperieren

Blog28. Juni 2012, 12:24
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Eines steht fest: Die Amerikaner und die NATO wollen den Krieg hier in Afghanistan so schnell wie möglich beenden - Eine Befehlsausgabe

Der Krieg befindet derzeit sich in einer 'transition phase'. Das letzte Wort in allen wichtigen Entscheidungen habe seit einigen Wochen die Afghanen.
Jeder amerikanische Soldat und fast jeder Offizier, die ich bis jetzt hier im Bezirk Zormat traf, haben jedoch eine sehr pessimistische Einstellung, was die Fähigkeiten der afghanischen Streitkräfte betrifft. Ein Soldat meinte zu mir: "Teaching the Afghan Army to set up an ambush is like trying to beat water out of a rock!". Nichtsdestotrotz versuchen die Amerikaner hartnäckig das alte Mantra T.E. Lawrence's, einer der berühmtesten Praktiker und Theoretiker des irregulären Krieges, zu folgen:

"Do not try to do too much with your own hands. Better the Arabs do it tolerably than that you do it perfectly. It is their war, and you are to help them, not to win it for them."

Für die Kompanie des dritten Bataillons des 509 Airborne Regiments begann die Übergangsphase Mitte Mai - und gestaltet sich besonders schwierig. Die Amerikaner müssen sich erst an ihre untergeordnete Rolle gewöhnen, die Afghanen hingegen erst daran zu befehlen. Ich war bei einem 'mission briefing' (einer Befehlsausgabe) vor einer gemeinsame Operation gegen Talibankämpfer in der Region dabei.

Koordinationsprobleme

Das erste Problem ist, dass die Koordination nicht nur zwischen ANA (Afghan National Army) und ISAF (sprich die Amerikaner und NATO) funktionieren muss, sondern auch zwischen den einzelnen afghanischen Teilstreitkräften und der Polizei. Die ANA kooperiert in fast jeder Mission mit der ANCOP
(Afghan National Civil Order Police) und der ANUP (Afghan National Uniformed Police).

Die Befehlsausgabe fand zuerst einmal mit einer 30-minütigen Verspätung statt. Die einzelnen afghanischen Kommandeure die nach und nach ihre Pläne für den nächsten Tag darlegten, fühlten sich deutlich unwohl in ihrer Situation. Jeder sprach nur für ein paar Minuten in allgemeinen Floskeln. ("Wir müssen besser kooperieren, schneller agieren, unser Timing muss besser werden, und die Taliban müssen aus dem Tal verjagt werden ... ").

Missionsziel

Das Ziel der Mission war es, einen Arzt in einem Dorf nördlich von Zormat gefangen zu nehmen, der angeblich Taliban medizinisch versorgt. Als einer der amerikanischen Offiziere ein Foto des Verdächtigen sehen wollte, legte sich die afghanische Führung quer: "Jeder unserer Soldaten kann ihn auf jeden Fall erkennen". Amerikaner dürfen nämlich seit einiger Zeit - mit wenigen Ausnahmen - keine afghanischen Häuser mehr durchsuchen.

Zumindest der Name des Doktors wurde preisgegeben. Über die Konfiszierung der Waffen entbrannte eine hitzige Debatte zwischen ANA, ANCOP und ANUP. Jeder wollte die Waffen für sich beanspruchen. "Kriegsbeute ist den Afghanen enorm wichtig", klärte mich ein amerikanischer Verbindungsoffizier auf. Der Spuk war nach einer Stunde vorbei. Die Vorgehensweise für den nächsten Tag war keineswegs geklärt. (Stefan Gady, derStandard.at, 28.6.2012)

  • Befehlsausgabe.
    foto: gady

    Befehlsausgabe.

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