Zwei Jahre Haft für serbischen Nationalisten Seselj

Serbischer Ultranationalist bereits zum dritten Mal aus diesem Grund verurteilt

Den Haag/Belgrad - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte serbische Ultranationalist Vojislav Seselj ist am Donnerstag vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) zu zwei Jahren Haft wegen Missachtung des Gerichts verurteilt worden. Seselj wurde angeklagt, weil er sich geweigert hatte, vier Bücher und sonstige Unterlagen von seinem Internetportal zu entfernen, in denen er die Identität mehrerer geschützter Zeugen im Hauptverfahren enthüllt hatte.

Der Chef der Serbischen Radikalen Partei hat sich wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina vor dem Haager Tribunal zu verteidigen.

Justiz behindert

Seselj habe "absichtlich und willens" die Justiz behindert und somit eine "schwere Missachtung des Gerichts" begangen, stellte der Senatsvorsitzende, der Schweizer Richter Stefan Trechsel, fest. Wie die serbische staatliche Presseagentur Tanjug berichtete, weigerte sich Seselj, zu Beginn der Urteilsverkündung aufzustehen, als er von Richter Trechsel dazu aufgefordert wurde. "Ihr seid nicht normal, ich bin ein Tschetnik", so der serbische Ultranationalist.

Das Urteil ist das dritte für Seselj wegen Missachtung des Haager Gerichts. Zuvor war er wegen Enthüllung der Identität geschützter Zeugen in seinen Büchern bereits zu 15 und 18 Monaten Haft verurteilt worden.

Im Hauptverfahren hatten Ankläger im März 28 Jahre Haft für Seselj gefordert. Mit der Urteilsverkündung wird bis März 2013 gerechnet. (APA, 28.6.2012)

Share if you care