Muskulatur wurde im Laufe der Evolution mehrmals "erfunden"

28. Juni 2012, 17:54
  • Die Muskeln einer Qualle (Clytia hemisphaerica), die sich durch Kontraktion der 
gestreiften Ringmuskulatur durchs Wasser bewegt. Muskeln sind rot gefärbt, 
Zellkerne blau.
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    foto: johanna kraus

    Die Muskeln einer Qualle (Clytia hemisphaerica), die sich durch Kontraktion der gestreiften Ringmuskulatur durchs Wasser bewegt. Muskeln sind rot gefärbt, Zellkerne blau.

Zentrales Muskel-Protein entstand, bevor es überhaupt Muskeln gab - Ursprünge von Muskulatur älter als gedacht

Wien - Bestimmte Proteine, die zentrale Bestandteile der Muskeln von höheren Tieren sind, sind nicht mit ihnen entstanden, sondern es gab sie wahrscheinlich bereits lange, bevor es die Tiere selbst gab. Damit sind sie viel älter als bisher angenommen.

Eine Forschergruppe um den Biologen Ulrich Technau von der Universität Wien hat 47 Proteine analysiert, die eine wichtige Rolle in der Muskulatur von Wirbeltieren spielen. Mit stammesgeschichtlichen Vergleichen konnten sie nachweisen, dass ein spezielles Myosin-Motorprotein, eines der entscheidenden Strukturproteine der gestreiften Muskulatur, durch eine Genduplikation entstanden ist. "Da dieses spezielle Myosin bisher ausschließlich in Muskelzellen gefunden wurde, hätten wir erwartet, dass sein Ursprung mit der Entstehung von Muskeln zusammenfällt", sagt Technau. Tatsächlich hatte das Myosin seinen Ursprung aber vermutlich bereits in Einzellern, fanden die Forscher heraus.

Muskeln mehrmals erfunden

In ihrer in Nature publizierten Studie zeichnen die Wissenschafter die Evolution von Muskeln in Tieren wie Quallen, Schwämmen und Seeanemonen nach. Die Einzeller dürften das Myosin, das später in quergestreiften Muskeln vorkam, wieder verloren haben. In höheren Lebewesen dagegen ist das Protein zu finden. In Schwämmen, die keine Muskeln haben, sind sie etwa Teil von Zellen, die den Wasserdurchfluss regulieren. An Nesseltieren wie Quallen oder Seeanemonen, die sich bereits vor 600 Millionen Jahren abgespalten haben und deren gestreifte Muskulatur jener von Wirbeltieren und Insekten ähnlich ist, konnten die Forscher aber zeigen, dass es keinen gemeinsamen Ursprung der Muskulatur gibt, sondern dass sie im Laufe der Evolution mehrmals neu entstanden ist. Es gebe auch kein Protein, das ausschließlich in Organismen vorkommt, die eine quergestreifte Muskulatur haben.

"Wir gehen davon aus, dass, aufbauend auf einem sehr alten Kernbestandteil von Proteinen, einzelne Linien ihre eigenen Proteine draufgesetzt und die quergestreifte Muskulatur unabhängig voneinander neu etabliert haben", sagt Technau. Für ihn ist es ein "schönes Beispiel, wie komplexe Zelltypen entstehen können, unabhängig voneinander, aber aufbauend auf bestehenden Komponenten, mit denen jede Linie weiter spielt. Dann fehlt gar nicht mehr so viel, um den entscheidenden Schritt zu einem komplexen Zelltyp zu machen." (APA, red/, DER STANDARD, 29.6.2012)

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17 Postings

"Die Einzeller dürften das Myosin, das später in quergestreiften Muskeln vorkam, wieder verloren haben."
Also kommt Myosin nicht im glatten Muskel vor?
Was macht dann die Calmodulin-aktivierte Leichtkettenkinase im glatten Muskel?

Ein bisschen Genauigkeit - auch wenns nur abgeschrieben ist.

Und wer hat's erfunden?
Wäre es nicht besser zu schreiben dass sie mehrmals entstanden waren?
Ach ja, APA-Artikel!!!

und wie soll es entstanden sein, ohne Absicht und Plan?

Aus unbeabsichtigten und wirren, rein zufälligen Gravitationsschüben?

Und elektromagnetische Wechselwirkungen, und Van der Waals Kräfte, und Kompartimentierungsvorgänge und Wasserstoffbrückenbindungen und Brownsche Bewegung.

Zufällige, ungerichtete Mutation und durch die jeweils herrschenden Umweltdrücke gerichtete Selektion haben auch die eine oder andere Sache damit zu tun gehabt.

Hach ja, die Wunderbare Welt der Evolution...schade dass sie für die Kreationisten so schwer zu verstehen ist...da macht man sich doch lieber alles einfach und behauptet, "hey, Gott wars!"

Okay, alles klar...und wer hat Gott gemacht? Und wer diesen Schöpferschöpfer? Und woher kam der?

Evolution ist eine Antwort. Kreationismus liefert nichts als eine Endlose Kette von Fragen...endlos wie die Naivität derer die daran glauben.

naja, diverse bindungskräfte hatten auch nopch was zu tun dabei...

lesen sie nochmal den 1.absatz von mrmag;)
(ok ein paar Wechselwirkungen fehlen noch)

der kam leider ein bisschen nach mir, da war ich wohl schneller;)

oh sorry-da hab ich mich verlesen(bzw bei den pfeilen verguckt)

nix für ungut...

Sie haben's erfasst

Ohne Absicht und Plan ... Durch Zufall und natürliche Auslese durch den Druck im Überlebenskampf erfolgreich zu sein oder auszusterben.
Und mit Gravitation hat es vielleicht auch zu tun. Schließlich muss jedes Lebewesen sich damit herumschlagen (warum der Newton auch unbedingt die Schwerkraft erfinden musste).

Na wie jetzt?

Ich dachte, die Erde ist in 7 Tagen erschaffen worden? Alle Lebewesen sind doch laut Bibel auf einmal erschaffen worden? Oder stimmt das auf einmal nicht mehr?

Ich bin verwirrt ....

Am ersten Tag schuf Gott die Welt. Und die Welt war leer.

Am zweiten erschuf er die Priester. Und die Priester waren einsam.

Am dritten erschuf er die Ministranten, Chorknaben, Seminarschüler...

Wie man sieht sind Sie ein kompletter wissenschaftlicher Laie.

Es waren 6 Tage vor 6.000 Jahren (Eselsbrücke; hint, hint) als ER das alles designed hat (ich würd' ja gerne "intelligent" dazuschreiben, aber da muss ich gestehen: ich bin zu schwach im Glauben um mich soweit aus dem Fenster zu lehnen ;-).

"Wie man sieht sind Sie ein kompletter wissenschaftlicher Laie."

na klar, sie dagegen sind "wissenschaftlich", sehr bewandelt.
heutzutage wird auch alles sofort geglaubt, was dieverse "wissenschaftler", sich so gern ausdenken. was von zigmil.von jahren geschehen ist, wollen sie uns, detailliert darstellen und beweisen, ohne dabei auf d. eig. profilierung zu denken? wer's glaubt.

also, hören sie mir auf, sich "wissenschaftlich", als empiriker, darzustellen.

Tatsächlich wandle ich mitunter wirklich in der Wissenschaft. Allerdings finde ich die Verse von Wissenschaftlern nicht grundsätzlich erbauend, da stimme ich Ihnen schon zu.
Ich muss gestehen, was das Denken von Wissenschaftlern bzgl. deren Profilierung betrifft bin ich nicht sehr gut eingelesen, daher glaube ich auch nicht so viel in diesem Rahmen.
Wenn es Ihnen besser geht, werde ich Ihnen gerne aufhören mich "wissenschaftlich" darzustellen (obwohl ich ehrlich gestanden nicht sicher bin, ob wir hier eine kongruente Auffassung von dem Begriff haben).

nur weil man das eine anzweifelt, muss man das andere nicht glauben.

ich bezweifle den urknall, die ursuppe & nen gelangweilten einsamen gott.

das war sicher alles GANZ anders.
meine vermutung: erde & tiere aller art waren schon da (keine ahnung wie & woher)- wir wurden dann aus affen "geschaffen" (keine ahnung wie, von wem oder warum).

so in der art von "die insel des doktor moreau"...

alle arten von meerestieren und vögeln am 5. tag

am 6. tag alle landlebewesen (inklusive mensch)

Und dann kam den Typen sicher langsam der Gedanke, aufzuhören und sich wieder Dingen zuzuwenden von denen er mehr versteht: Siesta.

Da der erschaffene Krempel immer unbrauchbarer wurde.##
Also samma froh, das er am 7. Tage net ah nu was erschaffen hat, wer weis was Das dann geworden wär.

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