Sprudlerhersteller legt sich mit Coca-Cola an

27. Juni 2012, 18:48
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Daniel Birnbaum will mit Installationen aus Dosen Aufmerksamkeit erregen: "Irgendwer muss den Leuten die Wahrheit erzählen"

Wien - "Wir stehlen nicht, wir lügen nicht. Trotzdem bedrohen sie uns. Was also haben sie zu verbergen?" Daniel Birnbaum sieht sich als David gegen Goliath kämpfen. Seine Waffen sind Aludosen, Plastikflaschen und Kunden, die ihm, wie er hofft, den Rücken stärken. Sein Gegner rückt mit Anwälten und scharfen Unterlassungsgeboten an. Und als Damoklesschwert schweben Klagen über dem Duell.

Birnbaum, einst General Manager von Nike Israel, wechselte vor fünf Jahren ins Getränkegeschäft. Als Chef von Sodastream verbreitet er Wassersprudler rund um die Welt. Seit drei Jahren lässt er weggeworfene Verpackungen anderer Softdrinkkonzerne sammeln - um sie in Installationen Passanten öffentlichkeitswirksam vor die Nase zu stellen. Was vor allem Coca-Cola nicht schmeckt. Mit seinen Marken Coke, Sprite und Fanta ist der US-Konzern als Weltmarktführer Stammgast in Birnbaums Käfigen.

An die dreißig hat er aufstellen lassen, mit zigtausenden Flaschen und Dosen. Auch Wien wird noch diesen Sommer ihr Schauplatz. In Johannesburg in Südafrika ging es Coca-Cola schließlich zu weit: So- dastream habe den auf dem Flughafen aufgebauten Müllkäfig unverzüglich zu entfernen, heißt es in einem dem Standard vorliegenden Anwaltsschreiben. Das Unternehmen dürfe zudem nie wieder mittels Cola-Flaschen auf die Umweltschädlichkeit der PET-Abfälle hinweisen. Ansonsten drohten umgehend rechtliche Schritte.

Forderung nach Unterlassung

"Lächerlich" sei das Ganze, sagt Birnbaum und versichert, dass er der Forderung nach einer schriftlichen Unterlassungserklärung sicher nicht nachkomme. Stattdessen errichtete er vergangenes Wochenende einen Käfig in Atlanta: wenige Blocks vom Hauptquartier des Getränkeriesen entfernt, vis-à-vis des Coca-Cola-Museums.

Sodastream mit Sitz in Tel Aviv blickt auf eine fast 110-jährige Geschichte zurück, in der einst auch der nunmehrige Rivale zu den Eigentümern zählte. Produziert und vertrieben werden Geräte, die Leitungswasser mit CO2 zum Sprudeln bringen. Nach eigener Angabe sind sie in acht Millionen Haushalten in 42 Ländern im Einsatz, auch in Österreich. Seit 2010 notiert der rentable Konzern an der Nasdaq. Sirups und Karaffen inklusive, setzte er 2011 gut 223 Mio. Euro um, Tendenz stark steigend.

Der Umsatz von Coca-Cola: weit mehr als 35 Mrd. Dollar. Den Verweis der Amerikaner auf starkes Recycling quittiert Birnbaum mit "bullshit". "Irgendwer muss den Leuten die Wahrheit erzählen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 28.6.2012)

  • In Käfigen stellt Sodastream weggeworfene Plastikflaschen und Dosen zur Schau. Ein Softdrinkriese droht mit Klagen.
    foto: sodastream

    In Käfigen stellt Sodastream weggeworfene Plastikflaschen und Dosen zur Schau. Ein Softdrinkriese droht mit Klagen.

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