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Die Fanbemalung ist die wohl einzige tolerable Form des Patriotismus.
Pro: Indianer auf Kriegspfad
Von Thomas Trenkler
Kaum ein Mädchen widersteht der Versuchung, Mamas Schminksachen durchzuprobieren. Aber auch die Buben schmieren sich gerne Farbe ins Gesicht: als Indianer auf Kriegspfad.
Zum Glück gibt es im Erwachsenenleben eine zivilisierte Form des Krieges: wenn sich Sportler als Stellvertreter von Nationen in die Schlacht werfen. Und dann tut man, was man sonst nur im Fasching darf: sich schminken.
Gründe gibt es viele. Weil man zu einer Mannschaft steht, die einfach ronaldinisch präzise spielt. Aber auch wenn man mit den Farbstreifen im Gesicht Bekenntnis ablegt zu einer Nation: Die Fanbemalung ist die wohl einzige tolerable Form des Patriotismus.
Ihr Vorteil: Sie lässt sich, im Gegensatz zum Tattoo, problemlos wegwischen. Wenn man wider Erwarten im falschen Sektor sitzt. Aus Enttäuschung. Weil man als Unbeteiligter den Fan-Status je nach Spiel abändern kann. Oder weil der Apache auf Fußball-Kriegspfad morgen wieder einen normalen Arbeitstag hat, den es ohne Aggressionen zu überstehen gilt.
Kontra: Unschöne Extraschichten
Von Andrea Schurian
Blöderweise liest der Sohn neuerdings die lachsfarbene Zeitung, in der seine Mutter schreibt. Nicht etwa ihretwegen. Nein. Sondern weil - danke den Kollegen vom Sport! - die Fußballerfotos ärger gut sind. Sagt er. Eigentlich am besten. Es besteht also akute Gefahr, dass er auf der Suche nach ultimativen EM-Shots zufällig einen Blick ins RONDO wirft.
Und liest, dass - vor allem: was - seine Mutter schreibt. Nämlich: Dass die in landestypischen Farben aufgetragenen Gesichtsbemalungen à la Karl May dem Gesamterscheinungsbild nicht wirklich zuträglich sind. Und bei männlich-reifen Fansemestern nicht einmal von Bierkugeln ein paar Dezimeter drunter ablenken können.
Nun ist die Journalistenmutter aber auch als Wasch- und Bügelfrau im gemeinsamen Vierpersonenhaushalt nebenbeschäftigt. Und ins Gesicht gepinseltes Fantum bedeutet farbverschmiertes Bettzeugs. Folglich: Extraschichten. Tut leid, mault der Sohn, ist aber nicht gruseliger, als wenn die Pubertäterin neuerdings mit Lippenstift experimentiert. Eh. (Rondo, DER STANDARD, 29.6.2012)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
Am Ende eines gemütlichen Kaffeehaustages kann sich die Übersicht leicht eintrüben - Oder: Dies wäre eine Infragestellung der Integrität des sinnierenden Stadtmönchs
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
und diese anmalerei is doch eine süße kinderei
da will doch eh niemand ernstgenommen werden
der mensch liebt karneval, fasching und verkleiden offenbar
schlecht?
so wie schauspielern, eine absolute kulturelle errungenschaft mmn
a) dann soll der Herr Sohn ein Handtuch aufs Kopfpolster legen, wenn er sich nicht oder nur schlampig abschminkt.
b) dann kann man wenigstens die ganzen fanatiker erkennen. sollte man auch für giftgas-attentäter und selbstmordbomber einführen.
Eine anständige Fußballstadiontribüne ist mit konzentriert/grimmig/verzweifelt/euphorisiert/betrunken dreinblickenden Männern, vorzugsweise aus der Arbeiterklasse bestückt, nicht mit Faschingsnachzüglern, für die der Höhepunkt eines Matches darin besteht, für einige Sekunden die eigene Fratze für ein paar Sekunden auf der Stadionleinwand und/oder im Fernsehen betrachten zu dürfen.
Daher: Gegen jede Form der "Fan"-Clownerie.
Bis auf die etwas überzeichneten Klischees "betrunken" und "Arbeiterklasse" ist dem vollinhaltlich zuzustimmen.
Ein Fußballspiel ernsthaft zu verfolgen ist eine Sache, die voller Konzentration bedarf. Da ist kein Platz für In-die-Kamera-grinsen, La-Ola-Aufhüpfen oder Mit-Schaumgummi-Händen-winken. Wenn wirklich ein physischer Nachweis der Unterstützung notwendig ist, ist ein simpler Schal akzeptabel, aber sicher keine Ganzkörperbemalung.
Diese Event-Besucher, die glauben, mit der Eintrittskarte das Recht erworben zu haben, sich auf Almhütten-Gschnas-Niveau unterhalten zu lassen, sind eine Pest, die im schlimmsten Fall auch noch richtigen Fans die Plätze wegnehmen.
kriegen
ich kriege
du kriegst
er, sie, es kriegen
wir kriegen
ihr kriegt
sie kriegen
usw.
Quelle: http://de.wiktionary.org/wiki/krie... ugation%29
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