Genie der Sorgenmiene

  • Franz Fiedler.
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Franz Fiedler.

Das Politmarketing hat schlicht übersehen, dass es nebst Abseitsfallen auch Sendungen wie die "ZiB 2" gibt

Wohl gehört es zur globalen Politfolklore, während eines Fußballturniers garstige Entscheidungen zu beschließen - hoffend, sie würden vom torbeschwipsten Untertan milde übergangen. Sollte die Regierung das Transparenzpaket plus Parteienförderung in diesem Sinne zeitlich an die EM gekoppelt haben, war der Plan indes nicht zu Ende gedacht.

Das Politmarketing hat schlicht übersehen, dass es nebst Abseitsfallen auch Sendungen wie die "ZiB 2" gibt. Und diese berichten nicht nur, sie laden auch Politiker ein, sich zu erklären. Und sie laden nicht nur ein, sie erklären auch genüsslich, wer Armin Wolf nicht begegnen wollte. Und nachdem am Montag durch die Nennung der Pflichtverweigerer (Cap, Kopf, Rauch, Kräuter, Rudas und Ostermayer) der Eindruck entstanden war, die Koalition flüchte gesammelt vor dem eigenen TV-Volk, folgt die Höchststrafe in Form eines Noten verteilenden Franz Fiedlers.

Wobei: Dass er dem Parteienförderungsgesetz eine "sehr schlechte Note" geben würde und dem Lobbyistengesetz "eine Vier minus", war für die auf der imaginären Anklagebank sitzende SPÖVP noch das am wenigsten Unangenehme. Das Strafendste an Fiedler war seine an Buster Keaton orientierte "Sehr ernst ist die Morallage der Nation"-Miene.

Schön jedenfalls, dass er bisher nicht Bundespräsident wurde. Als gestrenger Chef von Transparency Österreich ist Fiedler - im telegen Sinne - weitaus wertvoller und auch ein Mann mit Perspektive. ORF-Denkerin Kati Zechner möge ihm ein Format widmen oder ihn zumindest "Club 2" moderieren lassen. Nach dem zu begrüßenden Abgang von Frenkie Schinkels müsste doch etwas Geld frei geworden sein. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 28.6.2012)

Link zum Nachschauen

Die "ZiB 2" in der ORF-TVthek

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