Dechant: "Das wird sicher nicht konfliktfrei abgehen"

Markus Rohrhofer, Gudrun Springer
27. Juni 2012, 18:19
  • Verhärtete Fronten zwischen Kardinal Schönborn und dem ...
    foto: apa/fohringer

    Verhärtete Fronten zwischen Kardinal Schönborn und dem ...

  • ... Mastermind der Ungehorsamen, Helmut Schüller. 
    foto: der standard/corn

    ... Mastermind der Ungehorsamen, Helmut Schüller. 

Auf Vatikan-Weisung werden die Karrierechancen "ungehorsamer" Pfarrer eingeschränkt - Unter Dechanten bildet sich Widerstand

Linz/Wien - Es war wohl keine einsame "Grundsatzentscheidung" von Kardinal Christoph Schönborn, den "ungehorsamen" Dechant Peter Meidinger, Pfarrer im niederösterreichischen Piesting, überraschend nicht mehr in seinem Amt zu bestätigen. Wie DER STANDARD aus gut informierten Kirchenkreisen erfuhr, hat Rom in den letzten Wochen den Druck auf die österreichische Kirche deutlich erhöht.

Konkret erhielten die Diözesanbischöfe heikle Post aus dem Vatikan. In dem Schreiben wird klar eingemahnt, dass dem "ungehorsamen" Personal künftig höhere Diözesanämter verwehrt bleiben sollen. Der Weisel aus Rom hat die Bischöfe auch veranlasst, den künftigen Umgang mit dem aufmüpfigen Personal auf die Tagesordnung ihrer jüngst in Mariazell abgehaltenen Sommervollversammlung zu setzen.

Mit der episkopalen Entscheidung, das innerkirchliche Jobprofil zu schärfen, hat man sich erwartungsgemäß wenig Freunde gemacht. Unter manchen Dechanten ist der Ärger jetzt groß. "So kann man mit Leuten nicht umgehen. Eines ist daher klar: Das wird nicht konfliktfrei abgehen. Die betroffenen Dechanten sind doch keine Revoluzzer, die auf die Straße gehen und die man jetzt einbremsen muss. Die haben sich in ihren Bereichen verdient gemacht und schauen vor allem darauf, dass andere beim Denken nicht einschlafen", ärgert sich Franz Wild, Generaldechant der Diözese Linz und Mitglied der Pfarrerinitiative, im STANDARD-Gespräch.

Schüller bleibt ungehorsam

Der Gründer der Pfarrerinitiative, Helmut Schüller, bleibt trotz erster Maßnahmen gegen seine "ungehorsamen" Priester seiner Linie treu. "Ich sehe das sehr gelassen. Mit den Sanktionen stellt sich das System der Kirche bloß. Es wird hier versucht, Macht von Leuten auszuüben, die keiner Kontrolle unterliegen. Wer überprüft, was der Papst oder die Bischöfe machen oder auch nicht? Keiner. Es offenbart sich die Ordnung der unkontrollierten Macht", gibt Schüller im Gespräch mit dem STANDARD zu bedenken. An eine Rücknahme des viel diskutierten Begriffs denkt Schüller daher weiterhin nicht: "Der Ungehorsam ist eine Spiegelung des derzeitigen Kirchensystems."

Ein kleiner Rundruf unter Pfarrern, die Mitglieder oder Unterstützer der Initiative sind, zeigt, dass auch sie - vor die Wahl gestellt - das Dechantenamt aufgeben würden. Franz Dammerer, Dechant des Dekanats Ybbs an der Donau und Pfarrer in Wieselburg, sagt, er könne Meidingers Entscheidung "gut verstehen". Die Bischöfe sollten "das Evangelium endlich wichtiger nehmen als das Kirchenrecht". Er denkt, dass sich die Bischöfe nicht trauen werden, alle "ungehorsamen" Dechanten auszutauschen.

Wolfgang Unterberger denkt anders: "Das wird jetzt laufend Leute betreffen", meint der Wiener Dechant und Pfarrer. Er wurde erst vor wenigen Monaten in seinem Amt bestätigt. Etwaige Zwischentöne habe er damals nicht vernommen. Gerald Gump könnte im Herbst 2013 ausscheiden müssen, wenn seine Amtsperiode für das Dekanat Schwechat endet. Sollte es vorbei sein, "kann ich aber damit leben", sagt Gump.

Jan-Heiner Tück, Vorstand des Instituts für Dogmatische Theologie an der Uni Wien, kann hingegen die bischöflichen Maßnahmen durchaus nachvollziehen. "Durch das Aufrechterhalten des Reizwortes ‚Ungehorsam‘ bleibt eine Störung im Kommunikationsgefüge. Und ein Dechant ist in einem Teil der Ortskirche Repräsentant des Bischofs. Wenn er diesem Bischof gegenüber nicht nur rhetorisch, sondern auch praktisch im Status des Ungehorsams verbleibt, dann besteht hier eine Spannung, die auf Dauer schwierig ist." Insofern verstehe er die Entscheidung des Kardinals: "Er weist auf einen Dissens hin, der die Amtsführung schwierig macht."

Dennoch warnt Tück davor, die Dechanten-Entscheidung als Sanktion gegen die Pfarrerinitiative zu interpretieren: "Man darf das nicht hochdramatisieren. Es geht konkret um das Amt des Dechanten." (Markus Rohrhofer/Gudrun Springer, DER STANDARD, 28.6.2012)

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Also irgendwie ist er ein wenig suspekt def Schüller.... Der war doch Generalvikar beim Groer ...oder?

Na ja, wenn ich mir die Mitglieder der Pfarrerinitiative so anschaue,

dann erwarte ich konsequenteres Vogehen durch die Bischöfe:

http://www.orden-online.de/news/2010... issbrauch/

http://www.oe24.at/oesterrei... ein/359825

das sehe ich völlig anders

"ein Dechant ist in einem Teil der Ortskirche Repräsentant des Bischofs"
Der Dechant wird von den Priestern gewählt als ihre Vertretung - daher ist er sicher nicht Repräsentant des Bischofs!!
Wird es eben hinkünftig nur noch Speichellecker geben!?

Sie meinen, weil der Dechant von den Pfarrern gewählt wird, wäre er so eine Art Betriebsratsobmann gegen den bösen Chef?
Da sind S' im Irrtum!

Er ist nicht die Vertretung der Priester, sondern wird zum Verantwortlichen für das Dekanat gewählt.
Seine Aufgabe ist es, das Dekanat verwaltungstechnisch stellvertretend für den Bischof nach dessen Weisungen und den Normen des Kirchenrechtes zu leiten.

aber geh...

..dann redens doch mit dem Franz Wild, wie doch der vom Bischof "Weisungen" entgegen nimmt.

Bischof Schwarz ist leider ein schwacher Vorgesetzter, der sich von dem selbstherrlichen dicken Wastl auf der Nase herumtanzen lässt.
Schwarz geht in 3 Jahren in Pension - hoffentlich hat er einen Nachfolger, der dem Wild zeigt, wo der Bartl den Most holt.

mit ihren persönl.beleidigungen disqualifizierst du

dich selbst. der BI Lu wagt es nicht, seinen Generaldechant abzusetzen. den Wild Franz kenne ich seit meiner Schulzeit, er ist ein aufrechter wahrhaftiger mann und priester, der sich seit 40 jahren als seelsorger, priester, dechant die grössten verdienste um die DiöLi erworben hat.-die Bi sind doch keine männer mit eigener meinung , sondern wie in der KP die apparatschiks des ZK im Vatikan.sie haben seit langem die marke kirche endgültig beschädigt und sind zu kasperlb geworden. wenn ich mir den unsinn des oö , M.Scheuer, Bi in Innsbruck, theol.professor, wird mir klar, dass selbst das längste studium u.der dr.titel nichts nützen.

Na persönl. freundschaftensind ja die besten Empfehlungen...... Gell

ja das ist wahrlich christlich

...<jesus hat gedient und nicht regiert - daher sollen sie sich schämen!
Die Selbstgerechten sind eine Schande für Jesus-Nachfolge!

Der Bischof soll dem Generaldechanten dienen?
Verkehrte Welt!

nicht verstanden

...die Kirche hat für die Menschen da zu sein, und nicht die Menschen für die Kirche!!

Sollte man glauben!

"Da wächst auseinander, was auseinander gehört."

(... sehr frei nach Willy Brandt)
;-)

Mastermind paßt schon ...

aber nicht nur der Ungehorsamen, auch der Abgeschasselten, Ausgetricksten, Patscherten , Übergangenen , Unbequemen und Schwierigen, oder mit anderen Worten , der 15. Nothelfer.

warum treten die ungehorsamen nicht einfach geschlossen aus der kirche aus, deren grundsätze sie nicht vertreten (können)?

die letzten gefühlten 40 jahre gibts jährlich dieselbe wiederkäuung derselben themen, und wie der angebotene "dialog" aussieht, ist schon klar bevor er überhaupt beginnt.

also gründet endlich eine rkk-neu.at und beendet diese farce.

Sozialamt

Ich denke, es liegt daran, dass sie die RKK als Sozialamt erhalten wollen. Sonst müssten sie für soziale Dienstleistungen mehr Steuergeld bereitstellen. Die Katholiken machen es eben billiger, weil die Ordensleute um Gottes Lohn arbeiten.

Diese Härte hätte ich mir bei den Kinderschändern in den Reihen der katholischen Kirche gewünscht.

Aber nein, die haben ja nur ihnen anvertraute Kinder sexuell mißbraucht aber nie das Wort 'Ungehorsam' in den Mund genommen - das ist ja dann auch nicht weiter schlimm, solange ja nur die Öffentlichkeit nichts davon erfährt.

Wer aber öffentlich für so verbrecherische Dinge wie das Recht zu heiraten für Priester, Gleichberechtigung für Frauen oder keine Benachteiligung von Geschiedenen eintritt - ja der gehört natürlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gemaßregelt.

So stelle ich mir wahrhaft christliches Verhalten vor.

Dieser Fall ist ja nicht der erste, wo ein Pfarrer aufgrund seines Ungehorsams sein Dechantenamt abgeben musste

Dass Schüller gerne Papst und Bischöfe kontrollieren würde, zeigt ja, welch politisches Verständnis er von Kirche hat und es wohl besser wäre, seine eigene Kirche zu gründen, wenn er ganz andere Vorstellungen von Kirche hat, die sich mit denen der römisch-katholischen Kirche nicht in Einklang bringen lassen.

Es gab ja schon früher Reformatoren, die sich von der Kirche abgespalten haben. Wenn es für ihn absolut nicht mehr geht, dann muss ER Mut aufbringen und SELBST die Konsequenzen ziehen und kann nicht erwarten, dass die Gläubigen, die ganz bewusst RÖMISCH-KATHOLISCH bleiben wollen, dies tun und sich gewaltsam zur Schüllerschen Version einer kathKirche verpflichten lassen. Also soviel Absurdität wird Schüller ja wohl nicht erwarten!?

"dass die Gläubigen, die ganz bewusst RÖMISCH-KATHOLISCH bleiben wollen"

Genau das bestreite ich.

Die Kirche tut ALLES um zu verhindern, daß sie auf wirkliche Bekenner angewiesen ist. Sollte sie das wirklich wollen, so sollte sie SOFORT aufhören Menschen die irgendwann als Kind getauft wurden als ihre Mitglieder betrachten. Reguläre Mitglieder könnten nur Menschen sein, die als Erwachsener um Mitgliedschaft angesucht haben. Und nur solche Personen sollten Mitgliedsbeitrag (Kirchensteuer) bezahlen und als Katholiken gezählt werden.

Solange die Kirche ihre Mitgliedschaft nicht so behandelt, hat sie keine Recht alle kindgetauften Taufscheinkatholiken für sich zu reklamieren.

Wer nicht Mitglied sein will, tritt aus.

Das geht ganz einfach, sogar übers Internet.
Bedeutend einfacher jedenfalls, als z.B. seine Staatsbürgerschaft abzulegen, die man ja auch im zarten Alter bekommen hat ohne gefragt zu werden.

Sie sind doch sicher schon ausgetreten oder waren nie Mitglied - also worüber regen Sie sich auf?

Sie haben Recht,

aber die RKK will ja schrumpfen und beansprucht die Taufscheinkatholiken schon lange nicht mehr für sich. Die meisten Gläubigen sehen die Zukunft ihrer Kirche in der kleinen Herde und nicht mehr in einem staatstragenden Apparat. Schüller hinkt der Entwicklung in Wirklichkeit hinterher. Er will eine weitere Säkularisierung der Kirche vorantreiben, um ihre gesellschaftliche Position zu verteidigen. Das ist völlig unrealistisch.

Romtreue Äußerungen werden wieder einmal wegzensiert - hier geht's ganz einfach um Hetze im Stürmerstil.

... Konkret erhielten die Diözesanbischöfe heikle Post aus dem Vatikan ...
Dass sich Ratzinger und Co halt dann nicht wundern, wenn es in Österreich wieder einmal zu einer größeren Kirchenaustrittswelle kommt!
Zumal es als Alternative etwa die "Altkatholiken" gibt, die den Großteil der Forderungen der Pfarrerinitiative längst erfolgreich umgesetzt haben.

Leider wissen halt viele nicht mehr über "ihren" Glauben bescheid und daher ist es auch keine Frage, ob "Ratzinger und Co sich wundern" werden oder nicht,

schmerzhaft ist es für Hirten immer, wenn sich Menschen von der Kirche entfernen. Wobei die Kirche ja kein Selbstzweck, sondern da ist, um dem Leben jedes einzelnen eine Richtung zu geben, die sie selbst und andere erfüllt.

Es entfernen sich eher jene, die sich bereits zuvor innerlich entfernt oder nie eine besondere Nähe aufgebaut haben oder konnten. Die Gründe mögen verschieden sein, weil sie vielleicht nie ein Vorbild hatten, nie in jener umfassenden Weise christlich gelehrt wurden, um dafür ein Verständnis zu gewinnen.

Das schmerzhafte "Wundern" von "Ratzinger und Co" setzt also nicht erst an, wenn die Leute von der Kirche austreten, sondern dort, wo sie nicht in rechter Weise gelehrt werden bzw. den Zugang finden.

Die Schafe hängen halt an ihren Hirten

Das Problem von Ratzinger und Co ist wohl, dass sich die Mitglieder der Kirche, die ihre Hirten wie Schafe verehren, stetig verringert.

Nun kommt als weiteres Ärgernis dazu, dass sich die mündigeren Gläubigen nicht einfach still schleichen und das Feld den Karrieristen und Reaktionären überlassen, sondern innerhalb der Kirche ihre Auffassung mit Autorität, die sie sich durch ihre bisherige Amts- und Lebensführung erworben haben, vertreten.

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