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27. Juni 2012, 20:02
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Mehr als 600 Milliarden Euro könnten Eurobonds der Währungsunion bringen. Das könnte über eine Haftungsprämie ausgeglichen werden

Wien - Eurobonds, Fiskalunion, gemeinsame Haftungen. In Europa poppen diese Modelle immer wieder als möglicher Ausweg aus der Staatsschuldenkrise auf - und werden abgeschmettert. Die Umsetzung von Eurobonds würde Jahre dauern und ohne Fiskalunion ohnehin nicht funktionieren, heißt es. Dass einzelne Länder Hoheitsrechte wie die Budgetverantwortung nach Brüssel abgeben, scheint derzeit undenkbar.

Für Josef Obergantschnig, Chief Investment Officer der Security KAG, wird in der Diskussion rund um Eurobonds und Fiskalunion bisher aber ein wesentlicher Teil ausgelassen: "Der ökonomische Vorteil von Eurobonds wird nicht beleuchtet", sagt Obergantschnig. Daher hat die Security KAG eine europäische Fiskalunion simuliert, um die Vor- und Nachteile für die einzelnen Euro-Länder transparent zu machen.

Ausgangspunkt des Modells ist der Refinanzierungsbedarf für die kommenden fünfeinhalb Jahre der Euro-Staaten in der Höhe von 4,5 Billionen Euro. Die Schätzung des Refinanzierungsbedarfs sei "sehr vorsichtig", sagt Obergantschnig, da lediglich Zinszahlungen sowie der Kapitalbedarf zur Rückzahlungen von Schuldverschreibungen herangezogen wurden. Nicht berücksichtigt wurden etwa Budgetdefizite oder schlagend werdende Haftungen.

Barwertvorteil durch Zinssatz

Angenommen wird weiters, dass sich die Staaten nicht mehr auf Länderebene verschulden, sondern die 4,5 Billionen via Eurobonds (zu einem Zinssatz von 2,3 Prozent auf die durchschnittliche Laufzeit von 6,4 Jahren, wie er für den Rettungsschirm EFSF gilt) einsammeln. Das würde die Zinsbelastung für angeschlagene Euro-Länder senken, für die gesünderen Staaten aber verteuern. "In Summe ergibt sich durch den einheitlichen Zinssatz aber ein Barwertvorteil von 684 Milliarden Euro", rechnet Obergantschnig vor.

Für einzelne Länder, etwa Griechenland (das aktuell 25 Prozent Zinsen zahlen muss) würde die Kapitalaufnahme zu einem Gemeinschaftszinsatz eine deutliche Verbesserung darstellen und das Land entlasten. Andere Staaten - etwa Österreich und Deutschland - würden draufzahlen (siehe Grafik), weil der Zinsaufwand sich zum aktuellen Status Quo erhöhen würde.

Auf Österreich würde beispielsweise eine Mehrbelastung von etwas mehr als vier Milliarden Euro zukommen. Der ökonomische Nachteil für Deutschland wäre 75 Milliarden Euro schwer. In Summe müssten die Geberstaaten 105 Milliarden Euro schultern. Das ist auch ein Grund, warum sich die stabileren Länder gegen die Eurobonds wehren.

Ausgleich für Geber

Daher braucht es einen Ausgleich für die Geberstaaten, damit diese einen Anreiz für die gemeinsame Finanzierungvariante haben. Einen Schadenersatz inklusive "Haftungsprovision" in gleicher Höhe könnte solch ein Zuckerl sein. Selbst nach Abzug dieser Ausagleichszahlungen blieben laut Obergantschnig noch immer 579 Milliarden für jene, die von dieser Variante profitieren.

Hinzu käme, dass Europa als Gesamtmarkt aufgrund seiner Größe an den Finanzmärkten nicht so leicht angreifbar wäre, wie einzelne Nationalstaaten. Bleibt man beim derzeitigen Modell, "schafft das unausgewogene Refinanzierungskosten", erläutert Obergantschnig. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 28.6.2012)

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    Für Eurobonds: EU-Ratspräsident Herman van Rompuy.

  • Gewinn und Verlust der Eurobonds.
    grafik: der standard

    Gewinn und Verlust der Eurobonds.

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