Russische KünstlerInnen fordern Freilassung der Feministinnen

27. Juni 2012, 16:41
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"Keine rechtliche Grundlage, drei junge Frauen länger von Gesellschaft zu isolieren": Selbst etliche Putin-FürsprecherInnen unterstützen die Punkerinnen

Moskau - Über hundert namhafte russische KünstlerInnen haben die Freilassung von drei Mitgliedern der regierungskritischen Punkband Pussy Riot gefordert, darunter auch einige FürsprecherInnen des umstrittenen Präsidenten Wladimir Putin.

Die Aktion der feministischen Gruppe, die im Februar in einer Moskauer Kirche Putin-kritische Lieder gesungen hatte, sei nicht kriminell gewesen, hieß es in dem am Mittwoch in der Zeitung "Moskowski Komsomolets" veröffentlichten Brief. Es gebe keine rechtliche Grundlage dafür, drei junge Frauen, die keine wirkliche Gefahr darstellten, länger "von der Gesellschaft zu isolieren".

"Die Mädchen haben niemanden ermordet, nicht gestohlen, keine Gewalt verübt", hieß es in dem Brief. Deren Untersuchungshaft, die erst vergangene Woche auf den 24. Juli verlängert worden war, habe die Gesellschaft gespalten und radikalisiert.

Solidaritätsbezeugungen

Zu den 103 UnterzeichnerInnen zählen SchriftstellerInnen, SchauspielerInnen, MusikerInnen und RegisseurInnen. Unter ihnen sind Putin-KritikerInnen wie der bekannte Krimiautor Boris Akunin, aber auch Kreml-nahe KünstlerInnen wie die Schauspielerin Tschulpan Chamatowa, die in dem deutschen Kinohit "Good Bye, Lenin" spielte. Chamatowa hatte wie manch andere UnterzeichnerInnen Wahlwerbung für Putin gemacht.

Da Russland ein säkulärer Staat sei, könnten antiklerikale Aktionen - sofern sie nicht gegen das Strafgesetz verstoßen - kein Grund für strafrechtliche Verfolgung sein, argumentieren die KünstlerInnen. 

Anlass: "Punk-Gebet"

Die inhaftierten Feministinnen hatten zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl für Aufsehen gesorgt, als sie auf dem Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche, ein "Punk-Gebet" sprachen, um die engen Beziehungen der Orthodoxen Kirche zum damaligen Ministerpräsidenten Putin anzuprangern.

Den Frauen wird "organisiertes Rowdytum" vorgeworfen, das eine Strafe von bis zu sieben Jahren Haft vorsieht. Der Prozessbeginn wird frühestens im August erwartet. (APA, 27.6.2012)

  • Solidaritätsbezeugungen aus Russland, von KünstlerInnen für Künstlerinnen: Die russische Regisseurin Olga Darfy in einer an Pussy Riot-Masken angelehnten Kopfbedeckung bei den 34. Moskauer Filmfestival "Oktyabr" vergangene Woche.

    Solidaritätsbezeugungen aus Russland, von KünstlerInnen für Künstlerinnen: Die russische Regisseurin Olga Darfy in einer an Pussy Riot-Masken angelehnten Kopfbedeckung bei den 34. Moskauer Filmfestival "Oktyabr" vergangene Woche.

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