Freie ORF-Mitarbeiter protestieren gegen Wrabetz' Drohgebärden

  • Bei einer ORF-Stiftungsratssitzung im Jänner bekam Generaldirektor Wrabetz bei einer Protestaktion von freien ORF-Mitarbeitern Brösel überreicht.
    foto: standard/cremer

    Bei einer ORF-Stiftungsratssitzung im Jänner bekam Generaldirektor Wrabetz bei einer Protestaktion von freien ORF-Mitarbeitern Brösel überreicht.

"Ganze Sendereihen" seien durch Sparpläne und Mitarbeiterabbau gefährdet, heißt es in einem Brief

Alexander Wrabetz Drohgebärden stoßen bei den freien ORF-Mitarbeitern auf heftige Kritik. Der ORF-Generaldirektor hatte am Montag mittels Brief an den Betriebsrat mit betriebsbedingten Kündigungen, einer Nulllohnrunde, Auslagerungen und den Abbau von Leiharbeitskräften und freien Mitarbeitern gedroht, sollte der Betriebsrat nicht bereit sein, über Einsparungen im ORF-Kollektivvertrag zu verhandeln.

In einem Offenen Brief an Wrabetz, der sowohl von Radio- als auch TV-Mitarbeitern unterzeichnet wurde, heißt es, dass durch eine etwaige Personalreduktion die Produktion "ganzer Sendereihen" gefährdet wäre. Sie appellieren an Wrabetz, von den Sparplänen beim Personal abzusehen, denn: "Nach der konsequenten personellen Ausdünnung aller Redaktionen im Zuge der Sparpläne innerhalb der vergangenen Jahre, schließen die Freien ORF-MitarbeiterInnen jene Lücken, die durch Golden Handshakes bzw. Frühpensionierungen entstanden sind."

Die freien ORF-Mitarbeiter kämpfen seit Monaten für höhere Honorare. Die Forderungen reichen von einer Verdoppelung der Bezahlung bis hin zur Beendigung von prekären freien Dienstverhältnissen. ORF-Radiodirektor Karl Amon hatte eine Lösung bis Sommer in Aussicht gestellt, die scheint allerdings nicht mehr in Reichweite zu sein.

Dem ORF fehlen in der Bilanz 2012 etwa 15 Millionen Euro Einsparungen im Personalbereich. Der Sender muss diese erbringen, sonst hat er keinen Anspruch auf die jährliche Gebührenrefundierung, die alleine 30 Millionen Euro beträgt. (red, derStandard.at, 27.6.2012)

Der Offene Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Generaldirektor Wrabetz!

Mit großem Erstaunen mussten wir der Presse entnehmen, dass Sie im Zuge weiterer Einsparungsvorhaben beim Personal mit dem Gedanken spielen, auch Freie MitarbeiterInnen im Unternehmen abzubauen.

Nach der konsequenten personellen Ausdünnung aller Redaktionen im Zuge der Sparpläne innerhalb der vergangenen Jahre, schließen die Freien ORF-MitarbeiterInnen jene Lücken, die durch Golden Handshakes bzw. Frühpensionierungen entstanden sind. Wir leisten hochwertige journalistische Qualitätsarbeit - gemeinsam mit unseren angestellten KollegInnen, die ob der bisherigen personellen Sparpläne immer stärker unter Druck geraten.

Unsere Arbeit wird dringend benötigt, um den reibungslosen Sendebetrieb und die professionelle Abwicklung des täglichen Programms überhaupt noch gewährleisten zu können. Durch einen Abbau der Freien MitarbeiterInnen wäre die Produktion ganzer Sendereihen gefährdet. Dabei handelt es sich exakt um jene Programme, mit denen der ORF seinen Bildungsauftrag nach wie vor rechtfertigen kann. Wir fordern Sie daher dringend auf, von den genannten Abbauplänen abzusehen und konstruktive Lösungsvorschläge bezüglich der Honorarfrage für Freie MitarbeiterInnen zu präsentieren!"

Unterzeichner:

Martin Adel (Ö1), Sabrina Adlbrecht (Ö1), Tiziana Aricò (TV Kultur), Teresa Arrieta (Ö1), Sarah Barci (Ö1), Sonja Bettel (Ö1), Paul Urban Blaha (Ö1), Judith Brandner (Ö1), Gudrun Braunsperger (Ö1), Eva Brunner (FM4), Franziska Dorau (Ö1), Felice Drott (Ö1), Ulla Ebner (Ö1), Isabelle Engels (Ö1), Benjamin Feichter (Ö1), Karina Fibich (TV Kultur), Michael Fiedler (FM4 und Ö1), Beate Firlinger (Ö1), Raffael Fritz (Ö1), Martina Frühwirth (Ö1), Thomas Gasser (FP8), Julia Gindl (Ö1), Maria Antonia Graff (TV Kultur), Constanze Griessler (TV Kultur), Hans Groiss (Ö1), Mark Hammer (Ö1), Ilse Huber (Ö1), Johanna Jaufer (FM4), Günter Kaindlstorfer (Ö1), Monika Kalcsics (Ö1), Verena Maria Kalenda (TV-Regie), Barbara Kaufmann (Ö1), Markus Keuschnigg (FM4), Nora Kirchschlager (Ö1), Natasa Konopitzky (Ö1), Barbara Köppel (FM4), Michael Köppel (Ö1), Christoph Kobza (FM4), Thomas Kugler (ORF Tirol), Cornelia Lee (FM4), Phillipp L'Heritier (FM4), Anna Lindner (Ö1), Paul Lohberger (Ö1), Tanja Malle (Ö1), Anna Masoner (Ö1, FM 4), Lisa Mayr (Ö1), Franziska Mayr-Keber (TV Kultur), Lillian Moschen (TV Kultur), Christa Nebenführ (Ö1), Michael Neuhauser (Ö1), Marlene Nowotny (Ö1), Sibylle Norden (Ö1), Christian Pausch (FM4), Elisabeth Pfneisl (Ö1), Tina Plasil (Ö1), Nadine Rosnitschek (TV Kultur und Magazine), Ursula Scheidle (Ö1), Christine Scheucher (Ö1), Julia Schlager (Ö1), Winfried Schneider (Ö1), Eva Schobel (Ö1), Astrid Schwarz (Ö1), Stefanie Simpkins (TV Kultur und Magazine), Lina Simon (FM4), Joanna Stockhammer (Ö1), Ronny Tekal (Ö1), Karoline Thaler (TV Kultur), Mariann Unterluggauer (Ö1), Teresa Vogl (Ö1), Alexander Wagner (FM4, ZIB), Désirée Walter (TV Kultur), Sonja Watzka (Ö1), Ernst Weber (Ö1), Sophie Weilandt (TV Kultur), Simon Welebil (FM4), Horst Widmer (Ö1), Barbara Zeithammer (Ö1)

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