Salzburg: Lehrer werden von Eltern für bessere Noten unter Druck gesetzt

Noten-Schnitt in Stadt deutlich besser - Landeschulratspräsident Gimpl: "Einser am Land ist mehr wert"

Salzburg - Etliche Eltern in der Stadt Salzburg setzen die Lehrer ihrer Volksschulkinder für bessere Noten unter Druck. Dies bestätigten Landeschulratspräsident Herbert Gimpl (SPÖ) und die Bezirksschulinspektorin Ursula Moser (Bezirk Salzburg Stadt) im APA-Gespräch. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nur wer Einser und Zweier in Deutsch, Lesen und Mathematik im Zeugnis stehen hat, wird im Gymnasium aufgenommen. In den Landgemeinden dürften sich viele Eltern mit den Hauptschulen als Ausbildungsstätte zufriedengeben, dementsprechend schlechter ist der Notendurchschnitt auf dem Land.

Quantifizieren lassen sich diese Fälle nicht, in denen Eltern Druck auf die Volksschullehrer machen oder gar mit Anwälten drohen, sagte Moser. "Aber etliche Lehrer berichten über unangenehme Gespräche. Der Ehrgeiz in der Stadt, die Kinder in einem Gymnasium unterzubringen, ist spürbar größer." In den Landgemeinden ist es laut Schulverwaltung auch die oft große Entfernung und der entsprechend längere Schulweg in einen Ort mit Gymnasium, der die Eltern veranlasst, ihr Kind in einer Hauptschule anzumelden.

Bessere Noten in der Stadt

Im Fach Mathematik etwa werden die städtischen Viertklässler im Durchschnitt mit der Note 1,8 bewertet, während sich die gleichaltrigen Schüler auf dem Land mit 2,3 zufriedengeben müssen. In Deutsch ist der Unterschied gleich groß, da bekommt das Stadtkind im Schnitt die Note 1,9 und das Landkind die Note 2,4. "An der Leistungsfähigkeit der Kinder liegt das mit Sicherheit nicht. Benotungen sind subjektiv, zu diesem Thema sind bereits Bibliotheken gefüllt worden", sagte Gimpl. "Aber ohne es empirisch beweisen zu können behaupte ich, ein Einser auf dem Land ist schwerer zu erreichen und daher mehr wert. Auch die Hauptschulen auf dem Land sind leistungsorientierter als in der Stadt."

Salzburg ist mit diesem Problem übrigens nicht allein. So wird etwa auch in Wien laut Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) Druck auf Volksschullehrer gemacht, damit diese den Schülern AHS-Reife attestieren.

Aus Sicht der Salzburger Bezirksschulinspektorin Moser wird die Neue Mittelschule (NMS) das Problem lindern, denn zumindest werde das Alter der Kinder, in dem über deren künftigen Bildungsweg entschieden wird, angehoben. Landesschulratspräsident Gimpl hält eine gemeinsame Schule für Zehn- bis 14-Jährige für gesellschaftspolitisch sinnvoll und pädagogisch vorteilhaft. Allerdings sei ein gutes neues Lehrerdienstrecht Voraussetzung für jegliche Reform im Bildungswesen. Die Verhandlungen zur Dienstrechtsreform laufen derzeit, allerdings ist derzeit keine Einigung in Sicht. (APA, 27.6.2012)

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