Polizei geht mit Facebook auf Verbrecherjagd

27. Juni 2012, 10:33
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Polizei Niedersachsen nutzt Internetplattform zur Fahndung - Datenschützer warnen

In Deutschland geht die Polizei bei der Verbrechensbekämpfung neue Wege. Als erstes Landeskriminalamt nutzt jenes in Niedersachsen nun auch die Internetplattform Facebook. "Wir erreichen damit insbesondere junge Menschen - eine Zielgruppe, die ihre Informationen zunehmend dem Internet-Angebot entnimmt", sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann.

Unterstützung durch User

Aktuell bittet die Polizei die Facebookgemeinde in folgenden Fällen um Unterstützung: Sie sucht einen Tankstellenräuber und eine Gruppe junger Männer, die einen 31-Jährigen angegriffen hat. Details oder gar personenbezogene Daten von Verdächtigen darf sie aber nicht auf Facebook veröffentlichen, sie kann nur den Link posten, der dann auf die offizielle Homepage der Polizei führt.

"Zunächst hatte die Polizei dafür eine eigene Fan-Page auf Facebook eingerichtet. Dagegen haben wir uns gewehrt, weil Facebook alle Daten seiner Nutzer in den USA speichert und das nicht dem deutschen Datenschutzrecht entspricht", sagt Rainer Hämmer, der stellvertretende Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen, zum STANDARD .

Datenschützer skeptisch

Doch obgleich dieses Manko nun behoben ist und die Polizei via Facebook auf ihre eigenen Seiten verweist, ist Datenschützer Hämmer immer noch skeptisch: "Eine staatliche Stelle sollte Internetnutzer nicht dazu verleiten, Daten gegenüber Firmen preiszugeben, die in einem unkontrollierten Umfeld agieren."
106.048 gefällt das

Viele User aber lässt diese Warnung kalt. 106.048 haben bis jetzt den Gefällt-mir-Button gedrückt. Zwar ersucht die Polizei, Hinweise auf Facebook nicht über die Kommentar-Funktion zu posten, sondern sich an die Polizeidienstinspektionen zu richten.

Acht Fälle gelöst

Meinungsäußerungen zu unterbinden schafft sie jedoch nicht. Als auf Facebook mitgeteilt wurde, dass in Lehrte eine Hochschwangere bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und Zeugen gesucht werden, wurden Gebete für die Familie gepostet. Andere bewerten den Unfallhergang ausführlich.

Bisher schaffte es die Polizei acht Fälle mithilfe von Kommissar Facebook zu lösen. So konnte unter anderem ein Mann gefasst werden, der Polizisten bei einer Demonstration mit einer Holzstange angriffen hatte. Auch zwei Männer, die Starkstromkabel von einer Baustelle mitgehen ließen, wurden aufgegriffen. Und eine vermisste Zwölfjährige wurde wieder gefunden. (bau, DER STANDARD  27.6.2012) 

  • Taucht dieses Blaulicht auf Facebook auf, wird es dienstlich. Die Polizei in Niedersachsen bittet die Bevölkerung über die Internet- plattform, die Polizeiarbeit zu unterstützen und Hinweise zu geben.
    screenshot: der standard

    Taucht dieses Blaulicht auf Facebook auf, wird es dienstlich. Die Polizei in Niedersachsen bittet die Bevölkerung über die Internet- plattform, die Polizeiarbeit zu unterstützen und Hinweise zu geben.

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