Palästinensisches "Friedensdorf" durch den Mauerbau bedroht

Blog | Andreas Hackl
27. Juni 2012, 10:23
  • Das Dorf Batir und sein Bewässerungssystem könnten bald UNESCO-Kulturerbe werden.
    foto: derstandard.at/hackl

    Das Dorf Batir und sein Bewässerungssystem könnten bald UNESCO-Kulturerbe werden.

  • Akram Badir, Leiter des Dorfkomitees, ist besorgt um die Zukunft seines Dorfes.
    foto: derstandard.at/hackl

    Akram Badir, Leiter des Dorfkomitees, ist besorgt um die Zukunft seines Dorfes.

Die Bewohner von Batir haben stets den Frieden mit Israel gehalten. Jetzt fühlen sie sich betrogen

Akram Badir blickt auf sein Dorf hinab und hat es immer noch nicht ganz verdaut: Bald soll die israelische Sperrmauer die Aussicht auf das schöne Tal versperren. Sie wird das historische Bewässerungssystem im Dorf beschädigen und die Dorfbevölkerung von großen Teilen ihres Ackerlandes trennen. Erst vor kurzem hat die palästinensische UNESCO-Kommission die Bewässerungsanlagen im Dorf als Weltkulturerbe vorgeschlagen.

"Es ist einfach nur ein Verbrechen, diese Terrassen zu zerstören. Wie kann man eine meterhohe Betonmauer durch dieses Kulturgut ziehen?", sagt Badir, der das Dorfkomitee von Batir leitet. Nur einen Katzensprung außerhalb Jerusalems gelegen, könnte sein Dorf bald das nächste Opfer in einer Reihe von Dörfern sein, deren Lebensgrundlage durch die israelische Sperrmauer beschädigt wird. Nach dem angrenzenden Al-Walajah muss nun auch Batir der Betonmauer Platz machen, die Israel Sicherheit bringen soll.

Seit mehr als 2.000 Jahren versorgen Wasserquellen die Bewohner und die Landwirtschaft von Batir. Dabei wird das Wasser über römische Terrassen und Kanäle von Familie zu Familie weitergeleitet. Jede der acht Familien im Dorf hat eine bestimmte Menge Wasser zur Verfügung. Ist es verbraucht, wird per Hand ein Mechanismus betätigt, und das Wasser fließt weiter zu den Ländereien der nächsten Familie.

Doch diese Tradition ist nun in Gefahr, sagen die Dorfbewohner. Denn die israelische Sperrmauer würde der vorgesehenen Route nach das Dorf zerschneiden. Akram Badir ist deshalb gemeinsam mit dem Anwalt Giat Nasser vor Gericht gegangen. Dort wollen sie durchsetzen, dass die geplante Route der Mauer aus Sicherheitsgründen nicht gerechtfertigt sei und dass sie dem Dorf einen großen Teil der Lebensgrundlage nehmen würde. Dabei war Batir lange als ein Beispiel für israelisch-palästinensischen Frieden bekannt. Denn für Israel hat es eine wichtige Funktion erfüllt: den Schutz der Eisenbahnlinie zwischen Jerusalem und Tel Aviv, die nur wenige Meter neben der Dorfschule vorbeiläuft.

"Friedensdorf" gegen Mauer

Im Tausch für den Schutz der israelischen Eisenbahnlinie durfte Batir weiterhin Ländereien innerhalb der Grenzen Israels bewirtschaften. Das legte ein Abkommen zwischen dem israelischen Militär und Vertretern des Dorfes fest.

"Jedes Schulkind in unserem Dorf lernt, dass diese Eisenbahn respektiert werden muss. Nie haben wir auch nur einen Stein auf einen Zug geworfen", sagt Akram Badir vor der Dorfschule. Die Eisenbahnlinie ist in der Tat nur einen Steinwurf davon entfernt, völlig ungeschützt: eine Tatsache, die überrascht. Denn jede israelische Straße, die durch das besetzte Westjordanland verläuft, ist zumindest teilweise durch Zäune oder Mauern gesichert.

"Hier kommen zwei Züge pro Tag vorbei, immer zur selben Zeit. Es wäre so leicht, diese Route ohne eine Mauer zu sichern, wenn es wirklich um Sicherheit ginge", sagt Badir. Er und sein Anwalt verlangen, dass die Mauer auf der anderen Seite der Eisenbahnlinie verläuft. Damit blieben das Dorf, seine Landwirtschaft und die historischen Terrassen unbeschädigt.

"Ich bin aber nicht besonders optimistisch", sagt Giat Nasser in seiner Anwaltskanzlei in Ostjerusalem. Auf seinem Tisch sind Landkarten und Karteien aufgestapelt. Er hat viel Energie dafür aufgewendet, den Standpunkt der Dorfbevölkerung zu untermauern. Seit 2007 arbeitet er an dem Fall.

"Die Terrassen werden einstürzen, wenn die Mauer darauf gebaut wird. Die Kanäle, die das Wasser aus der Quelle leiten, werden beschädigt. Und die Dorfbewohner werden durch ein von israelischen Soldaten gesichertes Tor in der Mauer gehen müssen, um zu ihrem Land zu gelangen", listet Nasser die Gefahren auf, die er abwenden will.

Zwischen 200 und 300 Hektar Land liegen auf der anderen Seite, sagt er. Das sei eine zentrale Einkommensquelle der Menschen im Dorf. Das israelische Verteidigungsministerium versicherte, dass der Zugang zu den Ländereien durch ein Tor in der Mauer gewährleistet werden würde. Doch im Dorf glaubt niemand daran. Eine Mauer ist eine Mauer, sagt Akram Badir.

Sein Dorf habe bisher keine Demonstrationen abgehalten, weil man erst den Rechtsweg ausschöpfen möchte. Doch diese Ruhe sieht er jetzt gefährdet. "Wir haben den Frieden mit den Israelis und dem Zug respektiert. Die Mauer wird dieses Stück Land zerschneiden, den Frieden und das Kulturerbe zerstören. Wie soll das zu mehr Sicherheit beitragen?" (Andreas Hackl, derStandard.at, 27.6.2012)

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Und hier ein artikel ueber die politisierung von Batir von einer anderen Richtung ..

http://www.jpost.com/Opinion/C... ?id=275498

-und wer das israelische Vorgehen kritisieren sollte ist ein Antisemit - nur damit das mal klar ist!

Das dorf hat einen wirklich ungünstigen platz an der Grenze!
Ich hofe das sich der Isr. Staat zu einer beiderseitigen lösung des problems ausspricht!
Es wäre eine schande und zu tiefst unfaire entscheidung wenn man das dorf teilt!!
eine Mauer mit Loch ist einfach zu wenig!

der kommende krieg mit syrien wird dieses problem

schnell lösen.

wie genau löst die kapitulation von syrien dieses problem?

kein kommentar zur israelischen politik. die richtet sich gerade im kleinen selbst.
aber redaktionell: ein artikel zum thema ist doch erst vor ein oder zwei wochen im print-wochenendstandard erschienen oder?

Diese "News" sind natürlich nicht recherchiert,

sondern abgeschrieben.
Zufällig wurde dabei aus "fence" (Zaun) das Wort "Sperrmauer".
http://www.haaretz.com/news/dipl... e-1.425445
Ecology-minded Palestinian village fights plans for separation fence

Ein Loch in der Mauer Ihrer Englischkenntnisse:

Machen Sie doch mal eine Bildersuche nach "separation fence". ;-)

Wenn Sie wirklich wissen wollen, was geschieht, lesen Sie unter
http://www.haaretz.co.il/news/poli... /1.1690142
den "unbeschönigten" Text.
Allerdings sollten Sie des Hebräischen mächtig sein.

... und die Fotos stammen von Postkarten :-)

Man darf ja leider nichts sagen

Leider ist es verpönt etwas gegen das Israelische Vorgehen zu sagen, sofort wird man als Antisemit dargestellt. Doch der Dauernde Krieg den Israel führt ist nicht in Ordnung und auch die Mauer ist es nicht.
Es mag eine Zeit gegeben haben, da war Israel immer ein Oper, doch die Zeit ist vorbei und die Geschichte weiter gegangen. Israel wird am Jetzt beurteilt und verbreitet man selbst jene Gewalt, die man selber nicht haben möchte. Sorry, so nicht!

Interessant: Ich spare in entsprechenden Diskussionen wirklich nicht mit Kritik an der israelischen Regierung (und nicht etwa an "den Isrealis") und dennoch wurde ich bisher nicht ein einziges Mal als Antisemit bezeichnet.

Vielleicht ist der Schlüssel dazu eine generell möglichst differenzierte Sichtweise, damit einhergehend der kategorische Verzicht auf unreflektierte Kategorien und Klischees, sowie der konsequente explizite, wie implizite Verzicht auf eine Parteinahme für eine der Konfliktparteien. (Wohlgemerkt alles davon im "Kombipack", nicht nur das eine oder das andere.)

Das setzt natürlich voraus, dass man sich mit den eigenen gedanklichen/sprachlichen Gewohnheiten wirklich tiefgehend auseinandersetzt. Der Mangel an einer solch reflektierten Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen verbaut nämlich den Sinn für implizit inakkurate, z.B. antisemitische Statements. Der Unterschied zwischen berechtigter Kritik und Ismen liegt allzu oft im Detail.

Klar -wenn man alles dermaßen nivelliert, dass man niemandem 'auf die Füße tritt', bleibt man ungerührt und rührt auch nichts - sauber!

Jetzt müssen Sie mir nur noch etwas von der weißen Leinwand eines Alfred Adlers erzählen,

hinter der Sie in ihrer explizit-impliziten Parteilosigkeit sitzen und von der sich Ihre Differenziertheit kaum abhebt, wenn Sie ein demokratisches (der Wortinhalt ist Ihnen bekannt?) Staatsvolk von den Aktionen seiner Regierung freisprechen.

Sind Ihre tiefgehend durchrationalisierten Postings je wahrgenommen oder gar bewertet worden?

Unrecht bleibt Unrecht und lässt sich durch Unrecht nicht rechtfertigen, bleibt aber solange aufrecht, bis klar bekannt ist: „Yes, we did it.“

Antisemitismus ist eine Frage der Intention, wenn diese nicht vorliegt und der Vorwurf kommt, ist zu prüfen, ob man sich vertan oder missverständlich ausgedrückt hat. Entsprechend ist zu reagieren.

Ansonsten steht dieses Wittgenstein'sche Nashorn nicht im Raum.

Lassen Sie Wittgenstein aus dem Spiel, denn der würde sich im Grabe umdrehen, wenn er Ihre laienhaft philosophische Großwildjagd mitlesen müsste. ;-)

Das heißt, ich darf Sie auch persönlich für allen Unsinn zur Verantwortung ziehen, den unsere jeweilige Regierung und unsere Beamten verbocken?

Witzig: Ihre unsinnig-überhebliche "durchrationalisierte Postings"-Frage haben Sie sich, scheinbar ohne es zu merken, sogar selbst beantwortet. :-D

Kein Ismus ist notwendigerweise eine Frage der Intention. Im Gegenteil: Ismen sind, wie das bei persönlichen Einstellungen generell der Fall ist, nichts anderes als allzu oft unreflektierte Handlungs- oder Denkmaxime, die die alltäglichen Handlungen und Gedanken einer Person hauptsächlich unbewusst prägen.

Genau das macht das Ganze ja so problematisch: Nur die misanthropischsten Rassisten, Antisemiten, Sexisten, etc. sehen sich auch als solche.

ich moechte jetzt eigentlich gar nicht auf den konflikt eingehen, sonder nur warum die mauer so wichtig hier ist!

sie schuetzt uns vor terror, seitdem es den zaun/mauer gibt, fliegt in jerusalem kein bus mehr in die luft, in teverya kein cafe und in tel aviv keine autos, er bringt uns sicherheit (jedoch um einen hohen preis)

und die gefahr besteht, jeden tag versucht jemand sprengstoff oder waffen an einem chechpoint vorbei zuschmuggeln...

der Hohe Preis war alles, was die Attentate zur IntifadaII auslösen mussten.
Jetzt sperrt "Ihr da unten" euch ein, und wähnt euch in illusionärer Sicherheit!

btw: komme grade aus der Region zurück, und hätte x-mal einen Bus sprengen können, wenn ich gewollt hätte! Checkpoints & bodyscans hin oder her ;)

all fake! es geht "euch da unten" nur darum, den Palis das Leben derart zu erschweren um die Hoffnung aufrechtzuerhalten, dass sie von selbst verschwinden. Aber das wird es nicht spielen. Tatsächlich müsst ihr sie umbringen. Jeden Tag ein paar.

Für "euch da unten" ist sogar die regelmäßige friedliche Demo an der Mauer ein "terroristischer Akt".

es ist so schoen soetwas aus dem mund eines oesterreichers zu hoeren (bin beides aut. isr.)...
sie kennen aber das leben hier nicht, sie wissen nicht wie es ist freunde und bekannte bei anschlaegen zu verlieren, oder einen krieg zu erleben...
und ich moechte klarstellen, ich bin freund der 2 staatenloesung, und gegen die sieldungspolitik und was die idf auffuehrt auch (lt.ge. eisner und der daenische aktivist z.b.)
aber sie verstehen es nicht ganz, wie oft sind sie mit dem bus gefahren waehrend sie hier waren? Hatten sie jemals ein mulmiges gefuehl? vor 5 - 10 jahren ist hier keiner mit gutem gewissen eingestiegen...
die mauer ist nur ein tropfen auf dem heissen stein, aber er bewirkt was... jedoch es ist natuerlich keine loesung der prob

Ja - für den Israeli in seinem Alltag ist das natürlich nachvollziehbar

aber die Ursache ist die israelische Besatzungspolitik. Für die Palästinenser gibt es auch keine Sicherheit so lange die IDF und die Siedler dort das Sagen haben - und das ist unerträglich - würde das aufhören - dann würde Israel auch bald keine Mauern brauche - so mauert es sich selbst ein - nicht schön - aber ein wenig sicher - für die Palästinenser wirds immer schlimmer.

das einzig ungute Gefühl hatte ich beim permanenten Anblick tw.schwer bewaffneter Soldaten & ziviler Securities rundherum!

in der Westbank habe ich nichts als Freundlichkeit & Offenheit erlebt. selbst die pal. Sicherheitskräft waren um einiges gemütlicher als die ILs - vielleicht WEIL ich als Österreicher mit einem lebensfreundlichem Gemüt durch die Welt marschiere?

und aus den Gesprächen mit Einheimischen hätte sich mir ebenfalls kein Bild der unmittelbaren Bedrohung eröffnet,
k.A.! woher dieser gesellschaftspolitisch fanatische Abschottungsmechanismus seine Kraft bezieht...
es wäre mMn prinzipiell einfach, gut miteinander auszukommen -wenn man nur auf "Zäune" und Wachtürme mit Schiessbefehl verzichtete :(

Israel das asiatische Westberlin

http://us.123rf.com/400wm/400... eption.jpg

Es ist nicht leicht als Vorposten der westlichen Zivilisation mit all der westlichen Lebensqualität und all der westlichen Rechtssicherheit und all dem westlichen Lebensstandard und all der westlichen Moral und Demokratie inmitten von Arabern leben zu müssen,

die rund ums Land in Lagern besser leben als je zuvor und sich einen Ländernamen aberwitzig als Eigenbezeichnung anmaßen, anstatt ihre Schlüssel wegzuwerfen und in ihre arabischen Brüder zu diffundieren.

Wenn so verschiedene Welten so unerwartet aufeinander prallen, dann muss man eben auch wissen, sich Raum zu verschaffen und Grenzen zu ziehen.

Das Wort Terror ist echt süß.

Das 'Wort Terror ist 'süß' ' - wie soll man das verstehen?

Israel setzt viel daran jeden Fortschritt in der arabischen Welt zu sabotieren.

So lange das so ist, brauchen sich die Israelis über die angeblichen arab. Barbaren nicht zu beschweren - wenn sie nicht auf einem arabisch geprägten Kontinent leben wollen und nicht vorhaben sich auch mit der arabischen Kultur und ihren Nachbarn und musl. Mitbürgern anzufreunden - dann haben sie dort nichts verloren - dann sollten sie besser nach Berlin oder New York gehen - machen eh schon viele.

das blöde an der Geschichte ist: die Juden sehen sich noch immer als Opfer und haben teilweise die Opferrolle verlassen.

Wir könnten auch bei der Geschichte mit der "Henne oder Ei - was war zuerst" anfangen.

Die Opferrolle ist mir schlicht zu 100% egal, denn weder ich, noch meine Eltern haben den Juden jemals etwas getan. Das JETZT zählt für mich, hier sind die Juden jedenfalls nur teilweise Opfer, doch genau so oft Täter. Die Vergangenheit ist nun mal vergangen und gibt KEINEN Bonus für eine Ewigkeit. Die Täter von Damals sind fast alle verstorben.
Wer selbst Gewalt anprangert, darf selber keine Gewalt sähen! Sorry für die harten Worte, nur langsam reicht es was da in Israel alles abgeht!

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