Rosenthal-Porzellan ganz in italienischer Hand

26. Juni 2012, 19:40

Frankfurt - Bei der Pleite des deutschen Geschirrherstellers Rosenthal ist weniger Porzellan zerschlagen worden als befürchtet. Drei Jahre nach der Übernahme hat das italienische Familienunternehmen Sambonet Paderno am Dienstag die letzte Rate des Kaufpreises von rund 40 Mio. Euro an Insolvenzverwalter Volker Böhm gezahlt.

Nun kann Böhm an die Auszahlung der Gläubiger gehen und zieht im Gespräch mit Reuters ein positives Fazit: "Die Insolvenzquote wird im zweistelligen Prozentbereich liegen. Den Insolvenzforderungen von rund 100 Millionen Euro wird am Ende ein zweistelliger Millionenbetrag gegenüber stehen." Das ist deutlich mehr als bei den meisten Unternehmenspleiten.

Noch in diesem Jahr soll es eine erste Abschlagszahlung für die Gläubiger geben, wie Böhm sagte. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen aus dem oberfränkischen Selb eigenen Angaben zufolge wieder knapp schwarze Zahlen geschrieben, obwohl der Umsatz bei rund 85 Mio. Euro stagnierte.

Rosenthal war von dem irischen Mehrheitsaktionär Waterford Wedgwood mit in die Insolvenz gerissen worden. Schließlich schlug der Besteck- und Kochgeschirrhersteller Sambonet aus Italien zu. "Der Porzellanmarkt ist nach wie vor schwierig. Aber Sambonet ist nicht auf den schnellen Euro aus", sagte Böhm am Dienstag. "Sambonet investiert langfristig und nachhaltig in das Unternehmen. Es hat bisher keine weiteren Entlassungen gegeben." Auch hier habe Firmenchef Pierluigi Coppo Wort gehalten. Böhm hatte in der Insolvenz etwa 300 der verbliebenen 1.300 Beschäftigten gekündigt.

Letztlich habe es sich auch für die finanzierende Bank of America gelohnt, an Rosenthal festgehalten zu haben, statt nur die an sie verpfändeten Markenrechte zu verkaufen, so Böhm. "Die größte Herausforderung war es, die finanzierende Bank für eine Fortführungslösung zu gewinnen", erinnert sich der Insolvenzverwalter. Die Hedgefonds, die die Bank mit in ihr Finanzierungs-Konsortium geholt hatte, hätten auf die Verwertung der werthaltigen Sicherheiten gedrängt. "Letztlich ist aber auch sie mit dem Verkauf besser weggekommen als mit einer Zerschlagung", sagte Böhm. Die besicherten Gläubiger haben schon vorab einen zweistelligen Millionenbetrag aus der Insolvenzmasse bekommen. (APA/Reuters, 26.6.2012)

vorbildhaft gelöst und abgewickelt, es ist nur schade, dass dabei doch 300 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben.

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