Ein halber Sieg für den härtesten Sheriff Amerikas

Frank Herrmann aus Washington
27. Juni 2012, 05:30

Arizonas Bürger dürfen weiter "auf begründeten Verdacht", also nach Hautfarbe, von der Polizei nach ihren Papieren gefragt werden

Joe Arpaio sieht sich als Sieger im Ringen mit Barack Obama. "Ich werde gar nichts stoppen", sagt er. "Ich denke gar nicht daran, mich dem Willen des Weißen Hauses zu beugen." Der Präsident, fügt der 80-Jährige zornig hinzu, benutze ihn als eine Art Popanz in der Einwanderungsdebatte. Aber davon lasse er sich nicht beeindrucken.

Zumindest als halber Sieger kann sich der Sheriff des Maricopa County fühlen, eines Bezirks in Arizona, zu dem die Großstadt Phoenix gehört. Der Supreme Court hat für verfassungskonform erklärt, was Arpaio seit drei Jahren praktiziert: In Arizona dürfen Polizisten fortan Leute anhalten und nach ihren Papieren fragen, wenn sie den "begründeten Verdacht" haben, es seien illegale Einwanderer. Das Prozedere irritiert umso mehr, als die USA keine Ausweispflicht kennen und etwa an Flughafenschleusen ein Führerschein genügt.

Die Gummiklausel des begründeten Verdachts bedeutet im Alltag, dass fast ausschließlich Menschen mit brauner Haut gestoppt werden. Menschen, von denen die Beamten annehmen, dass sie aus Mexiko oder El Salvador, Honduras oder Guatemala stammen. "Kein Amerikaner sollte allein wegen seines Aussehens unter einer Wolke des Argwohns leben müssen", bringt Obama die Kritik auf den Punkt. Wenn der Staatschef so besorgt sei, kontert Arpaio ungerührt, solle er doch dafür sorgen, dass keiner mehr ohne Papiere ins Land komme.

Vor drei Jahren beschloss der Senat Arizonas die Novelle SB 1070, ein Gesetz von drakonischer Härte, das in Paragrafen goss, was Arpaio vorexerzierte. Einige Klauseln erklärte der Oberste Gerichtshof nun für verfassungswidrig, etwa eine Bestimmung, wonach sich Migranten bereits strafbar machen, wenn sie ihre Dokumente nicht ständig bei sich tragen. Der umstrittenste Passus, salopp "show me your papers" genannt, bleibt indes in Kraft.

Fünf Wahlsiege in Folge

Als Agent der Drogenbehörde war Arpaio einst Rauschgiftschmugglern auf den Fersen, in der Türkei, in Mexiko, zum Schluss in Arizona. 1982 quittierte er den Dienst, zehn Jahre später beschloss er, Sheriff zu werden. Es ist ein Posten, auf den man gewählt werden muss. Arpaio hat fünfmal in Folge gewonnen, das letzte Mal 2008. An einer Wandtafel in seinem Büro prangt in Balkenlettern ein Superlativ: "Der härteste Sheriff Amerikas".

Was er darunter versteht, demonstriert er in Tent City, einem Gefängnis am Rande von Phoenix, dessen Insassen in Zelten hausen. Die Häftlinge tragen rosa Unterwäsche, einfach deshalb, weil Arpaio weiß, dass Männer rosa Unterwäsche in aller Regel nicht mögen. Unter den Zeltbahnen herrscht brütende Hitze. Wie zum Hohn lässt der Sheriff den Wetterkanal laufen, Prognosen über angenehm kühle Sommertage oben in Kanada. Bevor sie an Landstraßen Unkraut jäten, lässt er die Gefangenen anketten. Allein der Anblick soll abschrecken. Was Arpaio verschweigt, ist, dass es sich bei den meisten Insassen nicht um schwere Jungs handelt. Wer dort einsitzt, hat maximal zwölf Monate abzusitzen.

Kritiker sehen bei Arpaio Motive eines Sadisten. Selbst unter Ordnungshütern regt sich Widerspruch. Roberto Villasenor, Polizeichef von Tucson, sieht seine Patrouillen nach Arpaios halbem Triumph vor Gericht in endlose Papierkriege verwickelt. In Sisyphusarbeit müssten sie nun den Aufenthaltsstatus überprüfen, ehe sie jemanden laufen lassen. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 27.6.2012)

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Widerliche Person

Das so jemand auch noch gefeiert kann einem Angst machen.

Ganz schön viele Tode durch Gefängniswärter in dem Gefängnis da.

"we`re not just gonna let you walk outta here"
"who`s we?"
"smith and wesson.. and me"

Sheriff J.W. Pepper (aus den Bond-Filmen)

http://www.imdb.com/media/rm3... /ch0000393

;-)

na und?

ist in wien ja nicht anders, gangstern rate ich das tragen von anzuügen, dann ist man immer fein raus und wird nie kontrolliert

.

Es sei noch hinzugefügt, dass es nicht nur lediglich zwei Mahlzeiten am Tag gibt, sondern auch generell kein Salz und Pfeffer.

Angeblich spart das der Gemeinde zwanzigtausend USD.

salz is eh ungesund

Der beschriebene Knast wäre genau der Ort, wo ich mir die ganzen korrupten ÖVP, FPÖ und BZÖ Partie hinwünsche.

Grasser, Strasser, Mendorff, Rauch-Kallat, Scheuch, Meischberger, Scheibner, Gorbach und so weiter...

schüssel nicht vergessen! eurofighter.

zum Glück nur die korrupten Politiker von der ÖVP. FPÖ und dem BZÖ...

Wenn Ihnen ein korrpter Grüner einfällt, nennen Sie ihn mir doch bitte! Danke!

...und diesen

sadistischen Idioten von Sherifff dazu.

Ich bin auch für deren Bestrafung wenn bei allen richtig gearbeitet wurde und die Delikte bewiesen, bzw. endlich mal die schwammigen gesetze berichtigt werden. Nur ich wünsche keinem Mensche der Welt solche Haftbedienungen auch den oben genannten Personen nicht, wo kämen wir da hin wenn wieder ausnnahmen gemacht werden, das sind auch "nur" Verbrecher.

nimms mit mehr leichtigkeit

;-)

Das schöne an Arizona ist

dass ein großer Teil Indianergebiet ist, sodass man sich dort gut von den USA erholen kann, wenn einem Sonora oder Baja California zu weit ist.

Eine Option die auch weidlich von US-Bürgern ausgenutzt wird, wie sich im Havasupai Canyon zeigt.

"Bevor sie an Landstraßen Unkraut jäten, lässt er die Gefangenen anketten"

Ist Zwangsarbeit in den USA wirklich noch erlaubt?

Der Skandal ist nicht, dass es solche Leute gibt

Der Skandal ist, dass solche Leute aufgestellt werden, gewählt werden, wiedergewählt werden und auch höheren Orts nicht abgesetzt werden können und das seit 20 Jahren.

Das ist keine sechs Jahrespartie wie bei Schüssel und seinen Verbrechern. Das ist dort das Fundament der Freiheit.

rofl

echt ein skandal, dass leute, die demokratisch wieder und wieder gewählt werden, nicht höheren orts abgesetzt werden können. das bräuchte man bei uns auch.

gerade in dem Bereich funktioniert bei Wahlen Angstmache und Populismus am allerwunderbarsten.

Derjenige, der verpricht "am härtesten durchzugreifen", wird gewählt.

Lang wird er nicht mehr quälen, der alte

Hoßenbrunßer, die Zeit arbeitet gegen ihn ...

Merkwürdige Bilder gehen mir durch den Kopf:

Ein Sheriff am Spieß mit unmengen glühender Kohlen und roten Teufeln rundherum...

Ich find das Großartig,

wenn es derartig verantwortungsvolle Leute gibt denen die Sicherheit der Bevölkerung wichtig ist.
Die Freiheit des einen hat dort zu ändern, wo ein anderer gefährdet wird. Deshalb wäre ein derart konsequentes und verantwortungsvolles Vorgehen auch bei uns zu begrüssen. Damit man sich in dem Land endlich wieder sicher fühlen kann.

"Damit man sich in dem Land endlich wieder sicher fühlen kann."

das nenne ich mal eine gelungene selbstdiagnose für fortgeschrittene paranoia.
wenn sie sich hier so unsicher (verfolgt? bedroht?) fühlen, dann kommens doch mal nach z.B. moskau ... oder nehmens vielleicht doch mal professionelle hilfe in anspruch.

ausserdem hält die polizei in österreich einen einfach auf verdacht an.
natürlich nur in den städten, weil in unterstinkenbrunn wo sie scheinbar her sind, kennt der dorfkiberer jo eh seine üblichen verdächtigen ...

Wie in dem Artikel ja schon angedeutet sitzen die Insassen dieses Zeltgefängnisses für Delikte ein, für die es ausserhalb der USA bestenfalls Geldstrafen gibt; also beim Jointrauchen erwischt, oder so.

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