Kommunikativ durch den Cyberspace

26. Juni 2012, 17:25
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Elisabeth Augustin untersucht Blogs als Verarbeitungsstrategie

Sie erforscht, was viele Menschen nur zum Zeitvertreib tun: Facebook, Blogs und Co. Elisabeth Augustin vom Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Uni Klagenfurt hat sich auf digitale Medien spezialisiert. Ihre Arbeit dreht sich um die Frage, wie User und Userinnen webbasierte Dienste und Internetanwendungen nutzen und welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben.

In ihrem Dissertationsprojekt untersucht die 31-jährige Südsteirerin, inwieweit das Führen eines digitalen Tagebuchs (Weblogs) eine aktive Bewältigungsstrategie bei kritischen Lebensereignissen darstellt. Für junge Studierende kann das typischerweise ein Erasmus-Aufenthalt sein. Sie führte qualitative Interviews mit Studierenden aus Österreich, die ein Auslandssemester absolviert und gebloggt hatten.

Selbstreflexion, emotionale Auseinandersetzung mit Erlebtem und die Verbundenheit mit den Daheimgebliebenen sind die drei Dimensionen, in denen sich neue Medien als nützlich erweisen. Die Blogs werden meist öffentlich geführt - mit der Absicht, auch anderen Informationen, Erfahrungen und Wissen zugänglich zu machen. Sich die Gefühle von der Seele zu schreiben birgt im Netz, das nicht vergisst, auch Gefahren. Die Grenze zwischen Selbstreflexion und Seelenstriptease war den interviewten Bloggern sehr wohl bewusst: "Sie wissen, dass Professoren und Eltern mitlesen. Zum Schutz der Privatsphäre kommt es hier zu einer Selbstzensur", erklärt Augustin.

Die Absolventin der Germanistik schätzt Literatur als "in Geschichten und Fabeln verpackte Annäherungsversuche an das Wesen des Menschen". Dass ihr nichts Menschliches fremd ist, zeigt auch ihre Bakk-Arbeit über Kontaktanzeigen und Geschlechtsstereotype: "Ich tauche gern in die Lebenswelten anderer Menschen ein, zeichne sie nach und versuche sie in gesellschaftliche, medienwissenschaftliche Zusammenhänge einzubetten."

Frühe Einblick in die Forschung

Während des Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaft war sie bereits als Studienassistentin an der Uni Klagenfurt tätig. Der frühe Einblick in Uni-Betrieb und Forschung, ein guter Zugang zu Kontakten sowie analytische und methodische Fähigkeiten halfen ihr bei der Berufsfindung.

Nach vier Jahren als Universitätsassistentin genießt sie eine kleine Auszeit, bevor sie nach Klagenfurt zurückkehrt und bei einem Projekt mitarbeitet, das von der Volkswagen-Stiftung und dem Wissenschaftsfonds FWF finanziert wird. In Kooperation mit drei deutschen Unis werden darin die virtuellen Kommunikationsräume von jungen Menschen zwischen acht und 30 Jahren analysiert.

Mit dem Teilprojekt "Kommunikative Öffentlichkeiten im Cyberspace" werden Onlinenetze auf Werte, Partizipation und Kommunikationsformen untersucht. Diskutiert wird auch das Aufwachsen in einer durch digitale Medien geprägten Zeit. Elisabeth Augustin spricht sich deshalb für eine fächerübergreifende Medienpädagogik in der Schule aus: "Es geht um die Stärkung reflexiver, kritischer und gestalterischer Kompetenzen."

In ihrer Freizeit ist sie gern bewusst offline. Auch Facebook-Aktien besitzt sie nicht: "Wenn ich mit Fantasiegeld hantieren möchte, spiele ich einfach DKT." (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 27.6.2012)

  • Elisabeth Augustin erforscht virtuelle Räume.
    foto: d. augustin

    Elisabeth Augustin erforscht virtuelle Räume.

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