Wissenschaft: Heftige Kritik an Klischee-Spot der EU

  • Den Spot "Science: It's a girl thing" gibt es noch auf Youtube.
    foto: screenshot/youtube

    Den Spot "Science: It's a girl thing" gibt es noch auf Youtube.

Spot zur Kampagne "Science: It's a girl thing" sorgt für Empörung bei Forscherinnen - EU-Kommission nimmt Video aus dem Netz

Wien - Vergangenen Donnerstag hat die EU-Kommission die Kampagne "Science: It's a girl thing" gestartet, mit der Mädchen für Wissenschaft begeistert werden und außerdem Vorurteile abgebaut werden sollen. Gerade den Vorwurf, Stereotype zu transportieren, müssen sich nun allerdings die Macher der Kampagne selbst gefallen lassen. Grund ist ein pink-lastiger Werbespot, in dem drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor staksen, dort wie Models posieren und Lippenstifte im Logo auftauchen, während in Zwischenschnitten rauchende Reagenzgläser und anderes Laborinventar zu sehen sind.

Im Internet wurde der Spot von Forscherinnen und Kommentatoren entsetzt bis höhnisch aufgenommen. Von "ekligen Klischees" ist da die Rede und von einer Kampagne, mit der Wissenschafterinnen dazu gebracht werden sollen, kürzere Röcke zu tragen. "Das ist keine Parodie, das ist keine gemeine Kreation von Anti-Europäern", fühlt man sich beim "Forbes Magazine" gar genötigt hervorzuheben. Die EU-Kommission hat das Video mittlerweile aus dem Netz genommen. Außerdem hat sie die kritischen Forscherinnen dazu eingeladen, auf Twitter Mitglied von #realwomeninscience zu werden.

Hintergrund der Kampagne ist der Mangel an Wissenschaftern, bis 2020 werden in der EU eine Million Forscher zusätzlich benötigt. Derzeit machen Frauen in der EU zwar 45 Prozent aller PhDs bzw. Doktorate aus, stellen aber nur ein Drittel der Forscher. Vor allem im Ingenieurs- und Produktionswesen sind Doktorandinnen noch immer in der Minderheit. In Österreich sind Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Studien ebenfalls unterrepräsentiert: Mit Ausnahme der Biowissenschaften machen Frauen in keinem Feld über 40 Prozent aus, in Informatik, Ingenieurwesen und den technischen Berufen sind es sogar unter 20 Prozent. (APA, 26.6.2012)

 

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ziemlicher humbold

....

Seriös wie die Axt im Walde....

Ja weiß der Geier,

was da wieder los ist. Wie soll denn bitte das Bild, wenn man schon eines braucht, der Wissenschaft aussehen? Weibliche Nerds, oder was hat man sich da vor zu stellen? Fakt ist, dass Wissenschaft ein unweibliches Klischee hat und was liegt daher näher, ihr ein überzeichnetes weibliches Klischee zu verpassen? Abgesehen davon hat der Mangel an wissenschaftlichem Nachwuchs ganz andere Ursachen? Ich muss meine R&D zB selbst finanzieren, weil weder Staat noch Privat investieren wollen. Heute finde ich das ganz praktisch, weil ich dadurch ungebunden bin, aber viele brauchen eben diese Unterstützung. Aber eigentlich, so richtig zerstört wird das System mit der Erziehung/Schule.

Hab das Video einer Freundin gezeigt, die in einem großen und bekannten Labor in Spanien arbeitet.

Die meint, dass es dort abläuft. Die Frauen sind Top gestylt und kommen auch so in das Labor (Video.)

Jetzt halt die Frage, was das Problem am Video ist? Also dürfen Frauen im Labor nicht hübsch sein?

Also dürfen Frauen im Labor nicht hübsch sein?

Natuerlich duerfen sie das. Es existiert allerdings ein bisschen ein Kult dass Wissenschaftler zumindest vorgeben nicht viel Wert auf die aeussere Erscheinung zu legen (daher eher Jeans und T-shirt). Leute die im Anzug erscheinen oder Frauen die in Stoeckelschuhen herumstelzen werden da schnell als intelektuell unterbelichtet angesehen (eine Art "inverted snobismus").
Auf unserer Universitaet sieht man am Kleidungsstil sehr deutlich ob sich einer als Wissenschaftler fuehlt (Jeans & T-shirt) oder ob wer in die Managementebene uebergewechselt hat (Anzug und Kravatte oder Hosenanzug/Stoeckelschuhe)

Na ja.

Ich bin Denker und ich hab einen mittelmäßig hohen Autismusfaktor, wäre also an sich der perfekte Nerd, laufe aber trotzdem gepflegt herum. Wobei ich sagen muss, dass ich Krawatten albern finde und über Anzugträger meist leicht lachen muss, weil die selbst albern wirken. Auch ein Anzug muss sitzen. Da schlägt dann halt mein ästhetisches Empfinden zu und so etwas besitzen eine Menge Wissenschaftler. Denken sie an Architekten...

politisch korrekt? oder erfolgreich!

vielleicht ist der spot nicht geradte ein beispiel für politische korrektness; aber ich finde es geht darum junge mädchen/frauen anzusprechen und in ihrer welt 'abzuholen'. Und ich denke, dafür könnte dieses (sicher sehr klischeehafte) video funktionieren.

science ist vor allem a money thing. solange die staaten nicht gewillt sind, geld auf den tisch zu legen, wird nach wie vor nur eine minderheit in die wissenschaft gehen. man sollte wissenschaft zuerst den politikern schmackhaft machen, ehe man leute in diesen bereich lockt, die dann ohnehin keinen job finden.

Lustig

Mangel an Wissenschaftern. Der könnte liebend gerne sofort gestoppt werden.
Das wahre Problem ist doch nicht der Mangel an Wissenschaftern, sondern der Mangel an adäquaten Jobs in der Wissenschaft. Da hilft keine Kampagne. Mehr Studenten, oder sogar mehr Wissenschafter, ob w oder m, würden an dem Problem ja nichts ändern.
Gefragt sind in Wirklichkeit die Staaten, entsprechende Forschungsstellen zu finanzieren. Aber die weigern sich standhaft.

sie hätten lieber einen spot mit amy farrah fowler machen sollen ...

ein wenig verkrampft das verhältnis

zu rosa, high-heels und hübschen frauen.

in polen (und generell in osteuropa) ist es alltag, dass gutaussehende frauen, perfekt hergerichtet mit high-heels (!!) top-jobs machen. die sehen nicht nur gut aus, sondern sind oft tougher als so mancher mann. egal in welchen berufen. und keinen stört das.

was?! die sind tougher als so mancher mann, kann ich einfach nicht glauben.

Naja, da...

...sieht und hört man an Mainstreamradio täglich wesentlich Schlimmeres. Stichwort "Was Frauen wirklich interessiert" (natürlich der letzte Klatsch oder Männer*rsche) und auch die guten Putz-Feen sind jetzt nicht so die Kompetenzträgerinnen ausserhalb der Küche.

Da dürfen Mädels, die an Wissenschaft interessiert sind (und dabei dem am Rande dargestellten männlichen Darsteller gegenüber ziemlich smart rüberkommen) doch gerne auch High Heels tragen.

Wtf?

naja, offenbar soll die Generation "Germanys/Austrias usw. next Topmodel" angesprochen werden ;-)

sehe ich auch so...
was bringt die geschlechtsloseste werbung wenn sie keiner sieht...

Danke EU-Kommission - zeigt genau das Niveau dieser Damen und Herren!

Was sie wirklich können: immer mehr Kompetenzen für sich verlangen!

sowas

trauen die sich zu veröffentlichen? Sowas peinliches hab ich ja schon lange nicht mehr gesehen!

Und wieder ordentlich Kies in den Sand gesetzt ...

Zitronenteam bitte übernehmen Sie, und nicht darauf vergessen, dass auch der Hr. Wissenschaftler in der Realität wohl nicht so gutaussehend sein wird ;)

So schnell steht man am Pranger

Da versucht einer mit dem Klischee aufzuraeumen, dass Wissenschaftlerinnen in der Technik nur grosse Brillen tragende Blaustruempfe in streng geschnittenen Kostuemen oder Latzhosen sind und zeigt sie sexy hexy maessig - und wieder daneben.
Merke: Wenn Du High Heels, Lippenstift und kurze Roecke magst, dann kannst Du zu Germanys next Topmodel gehen - aber doch niemals wissenschaftlich arbeiten!

Und um mit dem einen Klischee aufzuräumen, muss zwingenderweise ein andres herhalten, nämlich dass Frauen supersexy sein müssen und voll auf rosa und Lippenstift stehen?
Also ich glaub um eine erfolgreiche Kampagne zu fahren, wär es besser gewesen auf beide Klischees zu verzichten.

da scheinen die kämpferinnen für die emanzipation

ihren eigenen klischees zum opfer zu fallen.

naja das wäre eh gut, das problem ist es ist wirklich schwer zu erkennen dass es um wissenschaft geht.. es wird lippenstift gezeigt usw ..schaut aus wie eine werbung für die modeindustrie.

Es ist ja nicht so, als würden die Frauen in dem spot wissenschaftlich arbeiten. Statt dessen posieren sie, während sich die wissenschaftliche Arbeit von alleine macht (mit Ausnahme der Berechnungen an der Tafel).

Mit Klischees aufzuräumen ist keine schlechte Idee, aber solange die "sexy hexy" Frauen keine Pipette in die Hand nehmen wird das Klischee leider eher bestätigt als aus dem Weg geräumt. (Der einzige in dem Spot, der wissenschaftlich arbeitet, ist bezeichnenderweise der Herr am Mikroskop. Der dann noch dazu abgelenkt wird, weil plötzlich Frauen im Labor sind - auch nicht gerade sachdienlich)

nach dem Lesen des Artikels hab ich mir gedacht

dass es ein schlimmer Spot ist, aber der hat dann doch alle Erwartungen übertroffen!
Wenn die EU so viele ForscherInnen braucht, dann sollen sie halt a bissi mehr Geld dafür ausgeben, hm? Im Moment heissts immer noch: Karriere ODER Familie in den meisten Fällen.

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