"Kampagne für kürzere Röcke bei Wissenschafterinnen"

26. Juni 2012, 16:13
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Sexistisches EU-Werbevideo "Science: It's a girl thing" sorgt für Empörung - Kommission hat mittlerweile mit Schadensbegrenzung begonnen

Wien - Vergangenen Donnerstag hat die EU-Kommission die Kampagne "Science: It's a girl thing" gestartet, mit der Mädchen für Wissenschaft begeistert werden und außerdem Vorurteile abgebaut werden sollen. Was die Macher der Kampagne allerdings präsentiert haben, ist eine Ansammlung von Stereotypen und sexistischen Bildern: In einem pink-lastigen Werbespot staksen drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor, posieren dort wie Models und das Logo der Kampagne wird von einem Lippenstift gekrönt. In Zwischenschnitten sind rauchende Reagenzgläser und anderes Laborinventar zu sehen.


Die EU-Kommission hat den Spot mittlerweile vom Netz genommen; hier eine gespiegelte Version (Quelle: Youtube).

Hohn und Entsetzen

Im Internet wurde der Spot von Forscherinnen und Kommentatoren entsetzt bis höhnisch aufgenommen. Von "ekligen Klischees" ist da die Rede und von einer Kampagne, mit der Wissenschafterinnen dazu gebracht werden sollen, kürzere Röcke zu tragen. "Das ist keine Parodie, das ist keine gemeine Kreation von Anti-Europäern", fühlt man sich beim "Forbes Magazine" gar genötigt hervorzuheben. Die EU-Kommission hat das Video mittlerweile aus dem Netz genommen. Außerdem hat sie die kritischen Forscherinnen dazu eingeladen, auf Twitter Mitglied von #realwomeninscience zu werden.

Frauen in der Minderheit

Hintergrund der Kampagne ist der Mangel an Wissenschaftern, bis 2020 werden in der EU eine Million Forscher zusätzlich benötigt. Derzeit machen Frauen in der EU zwar 45 Prozent aller PhDs bzw. Doktorate aus, stellen aber nur ein Drittel der Forscher. Vor allem im Ingenieurs- und Produktionswesen sind Doktorandinnen noch immer in der Minderheit. In Österreich sind Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Studien ebenfalls unterrepräsentiert: Mit Ausnahme der Biowissenschaften machen Frauen in keinem Feld über 40 Prozent aus, in Informatik, Ingenieurwesen und den technischen Berufen sind es sogar unter 20 Prozent. (APA/red, derstandard.at, 26.6.2012)


Zum Thema

Zitrone: Auch Forscherinnen müssen hübsch sein - auf dieStandard.at/Meinung

Link
Science: It's a girl thing - offizielle Seite der EU-Kommission

  • Auf der offiziellen Seite der Kampagne symbolisiert nach wie vor ein Lippenstift jene "Girls", die in die Wissenschaft geholt werden sollen.
    screenshot: european commission

    Auf der offiziellen Seite der Kampagne symbolisiert nach wie vor ein Lippenstift jene "Girls", die in die Wissenschaft geholt werden sollen.

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