Wissenschaft für Mädchen: Kritik an klischeehaftem EU-Werbevideo

  • Screenshot aus dem kritisierten Video.
    screenshot: red

    Screenshot aus dem kritisierten Video.

Spot zur Kampagne "Science: It's a girl thing" sorgt für Empörung bei Forscherinnen

Vergangenen Donnerstag hat die EU-Kommission die Kampagne "Science: It's a girl thing" gestartet, mit der Mädchen für Wissenschaft begeistert werden und außerdem Vorurteile abgebaut werden sollen. Gerade den Vorwurf, Stereotype zu transportieren, müssen sich nun allerdings die Macher der Kampagne selbst gefallen lassen. Grund ist ein pink-lastiger Werbespot, in dem drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor staksen, dort wie Models posieren und Lippenstifte im Logo auftauchen, während in Zwischenschnitten rauchende Reagenzgläser und anderes Laborinventar zu sehen sind.

EU nimmt Video vom Netz

Im Internet wurde der Spot von Forscherinnen und Kommentatoren entsetzt bis höhnisch aufgenommen. Von "ekligen Klischees" ist da die Rede und von einer Kampagne, mit der Wissenschafterinnen dazu gebracht werden sollen, kürzere Röcke zu tragen. "Das ist keine Parodie, das ist keine gemeine Kreation von Anti-Europäern", fühlt man sich beim "Forbes Magazine" gar genötigt hervorzuheben. Die EU-Kommission hat das Video mittlerweile aus dem Netz genommen, mittlerweile wurde es jedoch schon weiter verbreitet. Außerdem hat sie die kritischen Forscherinnen dazu eingeladen, auf Twitter Mitglied der Liste #realwomeninscience zu werden.

Hintergrund der Kampagne ist der Mangel an Wissenschaftern, bis 2020 werden in der EU eine Million Forscher zusätzlich benötigt. Derzeit machen Frauen in der EU zwar 45 Prozent aller PhDs bzw. Doktorate aus, stellen aber nur ein Drittel der Forscher. Vor allem im Ingenieurs- und Produktionswesen sind Doktorandinnen noch immer in der Minderheit. In Österreich sind Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Studien ebenfalls unterrepräsentiert: Mit Ausnahme der Biowissenschaften machen Frauen in keinem Feld über 40 Prozent aus, in Informatik, Ingenieurwesen und den technischen Berufen sind es sogar unter 20 Prozent. (APA, 26.6.2012)

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