Die Bären in der Gladiatorenarena

  • Olimpija Ljubljana und die Vienna Capitals gastieren am 14. bzw. 16.September im Amphitheater der kroatischen Hafenstadt Pula.
    foto: medvescak press

    Olimpija Ljubljana und die Vienna Capitals gastieren am 14. bzw. 16.September im Amphitheater der kroatischen Hafenstadt Pula.

  • Kaum eine antike Arena ist so gut erhalten wie jene in Pula, deren Bau vor 1.944 Jahren fertiggestellt wurde.
    foto: boris licina

    Kaum eine antike Arena ist so gut erhalten wie jene in Pula, deren Bau vor 1.944 Jahren fertiggestellt wurde.

  • Ryan Kinasewich, in den beiden letzten Spielzeiten jeweils Medveščaks Topscorer, verlässt den Klub in Richtung Salzburg.
    foto: gepa/redbull/krauss

    Ryan Kinasewich, in den beiden letzten Spielzeiten jeweils Medveščaks Topscorer, verlässt den Klub in Richtung Salzburg.

  • Der tagesaktuelle Kader:
    Medveščak Zagreb 2012/13

In seiner vierten Saison in der EBEL setzt Medveščak Zagreb einmal mehr neue Maßstäbe und trägt zwei seiner Heimspiele im antiken Amphitheater in Pula aus

Als die Erste Bank Eishockey Liga nach dem wirtschaftlich bedingten Ausstieg des HC Innsbruck im Sommer 2009 durch Medveščak Zagreb ergänzt wurde, herrschte vielerorts große Skepsis ob der Konkurrenzfähigkeit des Teams aus dem Eishockey-Entwicklungsland Kroatien. Drei Jahre später ist davon nichts mehr zu spüren, längst haben sich die Bären als der deutlich stärkste der internationalen Klubs in der Liga etabliert und über 48 Prozent ihrer bisherigen 183 EBEL-Spiele gewonnen.

Möglich gemacht hat dies einerseits die sehr liberale Handhabung in Staatsbürgerschaftsfragen, gleich 21 (meist nordamerikanische) Spieler mit kroatischen Wurzeln wurden eingesetzt, ohne dass sie das Punktekontingent des Klubs mit den für Importspieler üblichen vier Zählern belasteten. Neben dem so komponierten, sehr starken Kader ist die Kreativität und der Ideenreichtum in der Öffentlichkeitsarbeit Medveščaks zweiter großer Trumpf: Die Spieler lachen von unzähligen Plakat- und Videowänden in Kroatiens Hauptstadt, den Verantwortlichen gelang es, die anfängliche Neugierde der sportinteressierten Bevölkerung zu konservieren und in nachhaltige Begeisterung umzumünzen.

Zuschauerboom

Im Grunddurchgang der abgelaufenen Saison konnten die Bären pro Heimspiel im Schnitt 8.835 Fans begrüßen, ein in der Erste Bank Eishockey Liga bisher unerreichter Wert und europaweit der zwölfthöchste Publikumszuspruch. Mitverantwortlich für diesen Boom sind nicht nur die sportlichen Leistungen der Mannschaft, Medveščak hat es auch besser als jeder andere Klub der Liga verstanden, Eishockey als massenwirksames Event zu verkaufen. Gleich sieben Spiele der Saison 2011/12 wurden in Zagrebs großer Multifunktionshalle (Fassungsvermögen: 15.200 Zuschauer) ausgetragen, das "Arena Ice Fever" mit einer Auslastung von 99,3 Prozent zum großen Erfolg. Im Feber absolvierten die Bären im Rahmen des "Šalata Winter Classic" zudem zwei ihrer Heimspiele unter freiem Himmel.

Eishockey im mediterranen Amphitheater

In der kommenden Spielzeit geht Medveščak noch einen Schritt weiter und verlegt die Partien gegen Olimpija Ljubljana und die Vienna Capitals in die Hafenstadt Pula an der Adria. Gespielt wird im antiken Amphitheater, einem der besterhaltenen der Welt, das auf eine fast 2000-jährige Geschichte zurückblicken kann und wie die gesamte Altstadt Pulas von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
In der ehemaligen Gladiatorenarena werden den beiden Eishockeyspielen am 14. und 16. September jeweils knapp über 7.000 Fans beiwohnen können, ob der Einzigartigkeit des Events darf jedoch mit weltweitem medialen Echo und entsprechend positiven Imageeffekten für den Klub und auch die Liga gerechnet werden.

Größte Herausforderung für die Veranstalter wird die im adriatischen Spätsommer eventuell noch recht hohe Temperatur sein, jeweils am 15. September bewegten sich die Abendtemperaturen in Pula im Laufe der vergangenen fünf Jahre zwischen 17 und 24 Grad. Dementsprechend sollen speziell für die Eiskonservierung tagsüber eigens konzipierte Schutzmatten zum Einsatz kommen.

Acht Spiele in der Arena

Neben der Doppelveranstaltung in Pula wird der kroatische Meister auch in der Saison 2012/13 wieder eine Partie auf der Freiluftanlage Šalata austragen und für insgesamt acht Spiele in die große Arena Zagreb übersiedeln: Im November gastieren Olimpija Ljubljana, der KAC und der EC Salzburg in der 15.200 Fans fassenden Halle, im Jänner steigen die Begegnungen mit dem HC Innsbruck, dem Villacher SV und dem Dornbirner EC sowie zwei Spiele der Zwischenrunde im großen Rahmen.

Für die 27 Heimspiele von Medveščak ergibt sich so eine Gesamtkapazität von über 255.300 Plätzen, kann der Klub seine letztjährige Auslastung von über 97 Prozent halten, würde sein Zuschauerschnitt auf knapp 9.200 ansteigen.

Sportlich noch Fragezeichen

So weit die Kroaten mit der organisatorischen Planung für die kommende Spielzeit auch sind, in der sportlichen Vorbereitung hinken sie noch ein wenig hinterher: Aktuell stehen erst 13 Cracks unter Vertrag, sechs davon sind Neuzugänge. Schmerzlich vermissen werden die Bären ihren Topscorer der vergangenen beiden Jahre, nach 124 Punkten (58 Toren) in 112 Spielen wechselt Ryan Kinasewich zum EC Salzburg. Seine Karriere beendet hat Center Joel Prpic, mit 133 Zählern punktebester Spieler der dreijährigen EBEL-Geschichte Medveščaks. Noch nicht fixiert, aber durchaus wahrscheinlich sind zudem die Abgänge von Sniper Frank Banham und Puckartist Vyacheslav Trukhno.

Insgesamt hat der erfolgreichste der internationalen Klubs in der Liga die Notwendigkeiten und Anforderungen bei der Zusammenstellung des neuen Kaders jedoch erkannt: Das stärkste Torhüterduo der EBEL (Robert Kristan/Michael Ouzas) bleibt ebenso erhalten wie große Teile der im Vorjahr sehr effektiven Abwehr, die ehemals zu schwache Besetzung der Mittelstürmer-Positionen soll mit den europaerfahrenen Imports Leavitt und Miller verbessert werden. Trainer Marty Raymond, zuletzt von italienischen Vereinen heiß umworben, wird Zagreb erhalten bleiben. Seine zentrale Aufgabe: aus Bären Gladiatoren zu machen, die nicht nur im September im Amphitheater zu Pula, sondern endlich auch in den Play-offs durchschlgend erfolgreich sind. (Hannes Biedermann, derStandard.at, 26.6.2012)

 

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