"Der Dollar wird sterben"

Regina Bruckner
26. Juni 2012, 14:19

Die USA mahnen Europa mit zu­nehmender Intensität zur Eile bei der Eurorettung, dabei sehen manche nicht ganz so beachtet die Dollar-Dämmerung heraufziehen

Er repräsentiert Banken, Versicherungen und Hedgefonds, also jene, die auf den richtig großen Geldbergen sitzen: Der Amerikaner Charles H. Dallara ist Geschäftsführer des Institute of International Finance (IIF), eines globalen Bankenverbands mit mehr als 400 Mitgliedern. Der Bankenlobbyist warnt nun in der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" die USA vor spekulativen Attacken auf ihre Staatsschulden: "Die USA bekommen mittelfristig Fiskalprobleme. Wenn das nach der Präsidentenwahl nicht angegangen wird, werden die Märkte ihr Augenmerk darauf richten", sagte Dallara demnach auf einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Bundesbank.

Aufruf zur Eile

Mit dieser Mahnung steht der Mann nicht alleine da. 2009 sagte etwa der Chef der chinesischen Notenbank, Zhou Xiaochuan, nur wenige Monate nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers das Ende des US-Dollars als Leitwährung voraus. Aus dem Mund eines Amerikaners entbehrt die Warnung dennoch nicht einer gewissen Pikanterie. Denn laut vernehmbar sind derzeit vor allem zahlreiche Zwischenrufe aus den USA: Europa möge zügig die Eurokrise bewältigen, die Weltwirtschaft sei andernfalls ernsthaft in Gefahr, mahnte jüngst einmal mehr der wahlkämpfende US-Präsident Barack Obama.

Ende der US-Währung am Horizont

Auch zwischen den Buchdeckeln sind Währungsräume und Währungen derzeit ein beliebtes Thema. Der Abgesang auf Europas Währung wird in zahlreichen Variationen angestimmt. Der Dollar und die Probleme der USA sind etwas aus dem Fokus verschwunden. Allerdings nicht ganz: Die Schweizer Währungsexpertin Myret Zaki sieht in ihrem nicht ganz taufrischen Werk "Dollardämmerung" das Ende der US-Währung am Horizont. Sie zeichnet ein Szenario "von der Leitwährung zur größten Spekulationsblase der Geschichte".

Für Zaki ist eines klar: "Die US-Wirtschaft ist technisch bankrott." Der Greenback - so nennen die Amerikaner ihre Währung wegen ihrer Farbe - sei auch dank der in den letzten Jahren von der US-Notenbank (Fed) gedruckten Riesenmenge an Dollarscheinen zur größten Spekulationsblase der Geschichte geworden, der Crash nur noch eine Frage der Zeit. "Die größte Volkswirtschaft der Welt ist eine große Illusion. Um 14.000 Milliarden Dollar Volkseinkommen zu generieren, erwirtschafteten die USA mehr als 50.000 Milliarden Gesamtschulden, deren Verzinsung allein jährlich 4.000 Milliarden Dollar kostet." Jene, die solche Hinweise mit der Bemerkung vom Tisch wischen, dass man den Tod des Dollars schon seit Jahren voraussage und es ihm noch immer hervorragend gehe, "irren sich", so die Journalistin. "Sie vergessen, dass der Dollar seit 1913 ständig abgewertet wurde und 97 Prozent an Wert verlor."

Vertrauen der Investoren

Tatsächlich bemisst sich der Wert des Greenback seit der Aufhebung der Dollar-Goldbindung im Jahr 1971 allein am Vertrauen der Investoren. Vertrauen darauf, dass die USA als mächtigste Volkswirtschaft der Welt auch künftig kräftig wachsen und ihre Verbindlichkeiten tilgen werden. Gewachsen sei in den vergangenen Jahren allerdings vor allem der gigantische amerikanische Schuldenberg. Um die Wirtschaft zu stützen, hat die Fed während der Finanzkrise außerdem die Leitzinsen gesenkt und damit begonnen, eigene Staatsanleihen aufzukaufen. Fed-Chef Ben Bernanke druckt also frisches Geld, um die Krise zu lindern. Aber jeder Dollar, der aus der Druckerpresse kommt, schmälert tendenziell den Wert der grünen Geldscheine, die bereits im Umlauf sind. Und damit das Vertrauen der Investoren.

Die Angriffe auf den Euro seien lediglich ein Schutzschild zur Verdeckung des Bankrotts der US-Wirtschaft, so Zaki, die nach eigenen Angaben bei der Recherche für ihr Buch auf wenig Sympathie für ihre These stieß. "Es war ein Kraftakt, sich gegen die Vernebelungstaktik des Schlagworts 'Eurokrise' und die allgemeine Verleugnung der gravierenden Probleme der USA durchzusetzen." Die typische Antwort der Gesprächspartner bestand in einem langen Schweigen und einem gedankenverlorenem Blick, gefolgt von dem Ratschlag: "Sie sollten über den Tod des Euros ein Buch schreiben." Mehr als ein Gesprächspartner habe ihr nach dem Hinweis auf die sagenhaften Selbstheilungskräfte der USA gesagt: "Was auch immer geschehen mag, wir müssen die USA unterstützen. Das ist immer noch besser als eine Kontrolle durch die Chinesen." Die Vereinigten Staaten, so ihr Schluss, profitierten von einem Vertrauensvorschuss, dem die ökonomische Realität nicht standhalten würde.

Spiel auf Zeit

Ein Spiel auf Zeit also, das nun auch Banken-Kapazunder Dallara so beschreibt. Auch er begründet die relative Ruhe für die US-Staatsanleihen und den Dollar mit der Unruhe in Europa. "Die Märkte haben uns in den USA eine Pause gegeben. Aber wir wissen, dass die begrenzt ist. Derzeit hauen sie auf Spanien drauf. Aber sie laufen von Stimmung zu Stimmung. Das Thema Staatsschulden wird über den Atlantik schwappen - eher früher als später." Dabei könnten die Attacken plötzlich und scharf kommen. "In den USA gibt es den Ausspruch 'zu wenig, zu spät'. Die Märkte reagieren derzeit 'zu spät und zu harsch'."

So gesehen wären die Zurufe aus den USA fast schon unter ferner liefen abzuqualifizieren. Eines haben die USA allerdings den Europäern weit voraus, nämlich den Umgang mit den maroden Banken. Seit Ausbruch der Krise - die, wie José Barroso jüngst süffisant anmerkte und damit US-Präsident Barack Obama vergraulte, doch eigentlich von den USA ausgelöst worden sei - sind im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" 300 Banken Pleite gegangen. Auch Europa will Bankenpleiten beherrschbar machen, nachdem von Oktober 2008 bis Oktober 2011 insgesamt 4.500 Milliarden Euro an staatlichen Beihilfen für krachende Kreditinstitute bereitgestellt wurden. Die EU-Kommission legte heuer einen lang erwarteten Gesetzentwurf zur Bewältigung von Bankenkrisen vor. Das Gesetz soll nach Verabschiedung durch die EU-Staaten und das Europäische Parlament allerdings erst 2015 in Kraft treten. (Regina Bruckner, derStandard.at, 26.6.2012)

Myret Zaki ist Politologin und stellvertretende Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins Bilan. Mit ihren Büchern "UBS am Rande des Abgrunds" (2008) und "Das Bankgeheimnis ist tot Es lebe die Steuerflucht" (2010) sorgte sie im deutschsprachigen Raum für Aufsehen. "Dollar-Dämmerung, von der Leitwährung zur grössten Spekulationsblase der Geschichte" erschien bei Orell-Füssli.

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Dann nochmals einen drauf...sagen die Jungs

http://www.usdebtclock.org/world-deb... clock.html

Danke Regina Bruckner!

Endlich wird da mal ein neuer Aspekt angesprochen.
Bitte noch vertiefen.

Kapitalisten schöpfen Geld um daraus mehr Geld zu machen

und Punkt.

jegliche Diskussion über gerechtes Geld verschleiert diese Tatsache.

Und ist es nicht der Dollar, oder der Euro, oder der Yen, so irgend eine andere Geldeinheit.

Nur eine Diskussion über eine andere Gesellschaftsordnung ist sinnvoll.

Andere Gesellschaftsordnung = Islamische Gesellschaftsordnung mit ethischer Verpflichtung

Solange es Kapitalismus gibt, solange wird die Welt keine Andere Chance haben, außer Schuldendienst und in weiterer Folge Versklavung ganzer Völker a lá Griechenland zu betreiben. Seinerzeit, als es den Kommunistischen Ostblock noch gab, haben die Ultrakapitalisten nie übertrieben in der Furcht, dass die Westlichen Gesellschaften auch Kommunistisch und daher alles Privateigentum zum Staatseigentum übertragen würde. Jetzt, wo der Kommunistische China selbst auch Kapitalistisch ist, wird die Welt unter der Last der Schuldenberg erdrückt! Lösung: Islamische Marktwirtschaft: Absolute Zinsverbot! Armensteuer auf mehr als 1 Jahr altes Vermögen! Verstaatlichung natürlicher Ressourcen! Goldanbindung der Islamischen Währung als Stabilisator! usw.

ich stimme mit ihnen überein und möchte andere Leser auf diesen Film aufmerksam machen

Endstation Fortschritt

http://www.youtube.com/watch?v=hWlF2VeBAQU

der Film erläutert ganz gut auf welchen Irrwegen sich unser Geldsystem gerade bewegt.

Wahnsinnig interessant

kleine korrektur:

das ist der film "endstation fortschritt vom arte themenabend":

http://www.youtube.com/watch?v=BgHC1GcABF4

bis jetzt war diese geselschaftsordnung die gerechteste und am längsten andauernde.

andere waren bis jetzt bei weitem nicht so erfolgreich.

man muss auch alternativen anbieten die funktionieren. und nichts ist perfekt.

du wirst wohl bis jetzt auf der Gewinnerseite gestanden sein und weiters nix hinterfragt haben.

statt raten oder vermutungen aufstellen sollten sie fragen

ich habe auf drei kontinente gelebt und habe sehr viel hinterfragt und habe nicht wie SIE (wir sind nicht bei du) ein verklärten europäischen blick. SIE haben armut noch nie haut nah erlebt. SIE haben noch jemandem gehabt der wirklich arm war, der ihnen auch nahe gestanden ist. und arm ist $100 pro monat.

also sie brauchen mir nicht mit ihre falsche bescheidenheit daher kommen.

das ist wie mit dem berg, im internet sind wir alle per du.

ich darf dich auf die unbedeutende tatsache aufmerksam machen, daß alles was du über andere gesellschaftsordnungen weißt aus der feder unserer gesellschaftsordnung stammt - das war immer so, und wird immer so sein, und es hat bisher noch nie ein system gegeben, daß nicht von sich selbst behauptet hat das beste, schönste und fairste zu sein, und daß davor prinzipiell nur menschenressende sklaventreiber exisitierten - und weißt was?

es war immer gelogen

Wir sind nicht bei DU!

2. warum glauben sie, dass sie was besseres sind? beziehen sie ihr wissen von aliens? NEIN. sie haben auch nur ihr wissen von IHRE gesellschaftsordnung.

3. ad geselschaftsordnung. wir haben nicht die gleiche. sie sind europäer, ich nicht. ihre muttersprache ist deutsch, ich bilingual d.h. ich denke & träume sogar in zwei sprachen.

4. sie sind noch immer eine funktionierende alternative schuldig. eine alternative die sich selbst hält und die natur des menschen berücksichtigt: also immune (soweit wei möglich) gegen misbrauch sein.

Okay - aber recht hat er schon damit, daß keiner Alternativen anbietet

Maximal Tauschwirtschaft etc wird öfters propagiert, aber das ist nachgewiesenermaßen echt unpraktisch. Mal jemand finden, der 10 kg Äpfel gegen eine Zahnbehandlung tauscht oder so.

keine Tauschwirtschaft

in die bist du (mit oder ohne Geld) von dieser Gesellschaftsordnung gezwungen um Eigentum (10 kg Äpfel) mit einer Zahnfüllung zu entschädigen - falls du z.B. Dentist bist.

Nein, wir setzen uns zusammen und organisieren, produzieren, verteilen und konsumieren *gemeinsam*.

also nicht ich Äpfel und du Zahnfüllung, sondern
wir Äpfel und wir Zahnfüllung.

nennt sich dann aber auch kolchose/kommunismus/5-Jahresplan/was-immer.

Da ist mir Tauschwirtschaft aber schon noch lieber. Aber Geld ist echt schlicht einfacher und schneller.

Überhaupt: in wievielen "Planungsboards" soll ich da sitzen? Bis zum Fernseh-Produzier-Board?
Das funktioniert nicht.

das System nennt sich /was-immer.

es gibt 7 Mrd Menschen, willst du mir sagen dass da keiner was G'scheites finden kann?

Natürlich funktioniert /was-immer;

(spätestens dann, wenn Kapitalismus nicht mehr funktioniert)

Wie originell - eine Notenbank käuft Anleihen des eigenen Staates.

Da wandert doch Geld nur von der linken in die rechte Hosentasche.

Rein formal funktioniert das auch nur, weil die Fed in Wahrheit keine "Nationalbank" ist, sondern einem Zusammenschluss von US-Banken gehört. Der Präsident bestimmt bloß, wer im Direktorium sitzt. Das war's aber schon mit dem staatlichen Zugriff.

Die Fed ist also de facto eine Privatbank, die dem Staat Geld leihen - und die ihren Mitgliedern beliebige Mengen an gewünschtem Geld drucken - kann.

Seit der Aufhebung der Goldreserven-Bindung des Dollars schwebt dieser also tatsächlich frei im Raum und ist genau so viel wert, wie irgendjemand dafür zu bezahlen bereit ist, seien es die Chinesen - oder eben auch die Fed selbst.

Dass das funktioniert (hat), ist erstaunlich...

wenn der euro erstmal geschichte ist und die europäische wirtschaft als folge der sozialdemokratischen realitätsverweigerung darniederliegt, wird sich der dollar schneller erholen als ein europäischer linker die 7 todsünden des kapitalismus aufsagen kann, weil fachkräfte in ganzen schiffsladungen nach amerika strömen werden, die halbwegs qualifizierten einwanderer in ihre heimat zurückgehen werden und nur noch der bodensatz übrigbleiben wird. und dann werden sich grüne, rote und auch schwarze ganz belämmert gegenseitig bedackeln und vermutlich noch immer nicht begreifen was sie falsch gemacht haben, während draussen europa in flammen steht.

Wer auch immer den Dollar als Welthandelswährung

in Frage stellen mag, wird eine ordentliche Tracht Prügel beziehen. Genau aus diesem Grund sind die USA die stärkste Militärmacht der Erde. Und weil weltweite Dollarhalter auf diese militärische Durchsetzungkraft vertrauen, wird es ihn noch lange geben. Währung bedeutet Vertrauen in die Stärke eines Staates, dieselbe mit allen Mitteln zu verteidigen.

richtig. und deshalb ist sie eine blase.

und blasen platzen

irgendwann mal.

so gesehen im Irak und im Libyen ...

So einfach ist das Ganze nicht

die gedruckten Dollars kommen ja weder in der Realwirtschaft (wo ist ein Aufschwung in US sichtbar) noch bei der allgemeinen Bevölkerung an (wäre sofort mit sehr hoher Inflation verbunden). Die Dollars dienen primär dazu die Vermögen der Elite zu sichern, die vorwiegend in US-Staatsanleihen investiert ist- in welchen Markt sonst könnte man diese Billionen sonst unterbringen. Solange es nicht im Interesse der Eliten ist, den weltweiten Markt mit diesem Stausee an Vermögen zu fluten, kann die Fed drucken soviel sie will. Zudem ist der Dollar Leitwährung und wird es bleiben, nachdem man den Euro sturmreif geschossen hat.
Irgendwann wird es aber zu einer Schuldenreduktion (Währungsreform) kommen müssen, dann sind die Vermögen weg und wir frei.

... und die Wölt wird sowieso untergehen, wenn ihr nicht alle brav seid!

Es wird eine Heuschreckenplage kommen, die Meere werden sich mit Blut füllen ..... ach ja und das Valdsterbèn gab's ja auch mal. Wenn ich eines nciht leiden kann, dann sind es ewige Schwarzmaler und Weltuntergangsprediger. Das heisst ja nicht man solle "Vogelstraußpolitik" betreiben aber Mensch Meyer Leute, es hat doch einen Grund warum die halberte Wölt in $ bezahlt. Und das wird wohl auch noch eine ganze Zeit lang so bleiben. only bad news are good news ist ein reichlich langweiliger Zeitvertreib, zieht aber offenbar immer noch mehr wie 1000 Ochsen ...

jo und des römische reich gibt's ja auch noch immer!

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