Frequenzstörung im Dekolleté

Ordnung muss sein. Aber manchmal ist der Toleranzspielraum kleiner als so manches Dekolleté

Vor einigen Wochen entschied Southwest Airlines, dass das großzügige Dekolleté einer Passagierin ein Grund sei, ihr die Mitreise zu verweigern (siehe hier). Die unpassende Kleidung der Dame wollte man den Mitreisenden nicht zumuten, zu viel gab es da zu sehen. Der Herr am Ticketschalter empfahl Avital, so der Name der Passagierin, mit Nachdruck, ihre Brust zu bedecken - oder sich zu entfernen.

Avital entfernte sich nicht, ließ den Kartenverkäufer stehen und ging an Bord. Letzten Endes kam, was kommen musste: Die Airline entschuldigte sich bei der Dame und sie bekam den gesamten Reisepreis zurückerstattet. Avitals Kommentar zu der ganzen Sache: "Ich bin am Ende doch geflogen, die Maschine ist nicht abgestürzt, meine Brüste haben niemanden aufgeregt und der Flieger hat einwandfrei funktioniert."

Southwest Airlines behält sich vor, Passagieren das Boarding zu verweigern, wenn diese nicht ordentlich gekleidet sind. Und die Airline ist auch dafür bekannt, immer wieder im Clinch mit weiblichen Fluggästen zu sein, deren Kleidungsstil nicht den Vorstellungen der Fluglinie enspricht. Muskelshirt, Badehose und Bikini im Flieger sind tatsächlich grenzwertig - oder jenseitig (hier steht, was nicht gut ankommt). Um ein einfaches Baumwollkleid mit Dekolleté als ein öffentliches Ärgernis einzustufen, braucht es aber schon eine ordentliche Portion Verkrampftheit und Prüderie. (red, derStandard.at, 27.6.2012)

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