Bettler-Debatte: Chronik einer angekündigten Kriminalität

Leserkommentar | Kerstin Kellermann, 27. Juni 2012, 08:45

Wie ist es dazu gekommen, dass BettlerInnen als Vorläufer der organisierten Kriminalität und des Menschenhandels angesehen werden und ihnen die Dringlichkeit ihrer Bitte um Münzen nicht geglaubt wird?

Es bleibt ein Rätsel, wie es in Wien scheinbar ein einzelner Mann - mit sehr guten Kontakten zur Polizei und zu Journalisten, aber quasi im Alleingang - schaffen konnte, die öffentliche Meinung über BettlerInnen so stark zu beeinflussen.

Bettler als Bandenmitglieder abgestempelt

Die Stimmung ist gekippt. So dass jetzt eigentlich von vielen Wienern sämtliche Bettler als Vertreter von "Banden aus dem Osten", als Vorläufer der organisierten Kriminalität, gesehen werden - als Ausbeuter und Ausgebeutete des Menschenhandels. Wie kam es dazu?

Als ständige Reporterin der Zeitung "Augustin" bin ich seit Jahren sensibel für dieses Thema und denke, dass der Beginn dieses verzerrten Bilds der Bettler schon einige Zeit zurückliegt.

Sicherlich ist es sogar schon Jahre her, da erschien ein großer Artikel in der Tageszeitung "Kurier", in dem der Leiter der Kinder-"Drehscheibe" (ein Zufluchtsort der Gemeinde Wien für Jugendliche) erklärte, dass es auf der Mariahilfer Straße hunderte kleine Taschendiebinnen aus Rumänien gebe.

Drehscheibe-Leiter Norbert Ceipek wies zum Beweis eine Mappe mit Fotos von etwa 30 jungen Frauen vor, die ihm die Polizei persönlich ins Haus geliefert habe. Es gab damals keine Mitarbeiter, die sich mit den Mädchen in ihrer Sprache verständigen konnten, die jungen Frauen wurden allein dem deutschsprachigen Amtsarzt vorgeführt und einige sofort nach Rumänien bzw. Bulgarien abgeschoben.

Andeutungen und keine Überprüfungsmöglichkeit

Ceipek stoppte dann nach eigenen Angaben durch österreichische Hilfsprojekte in Rumänien und Bulgarien diese "Kinderflut" in Zusammenarbeit mit der ausländischen Polizei. Er machte immer wieder öffentlich Andeutungen über Prostitution und Mädchenhandel. Norbert Ceipek ist Sozialpädagoge, kommt aus der Burschenarbeit, nun kümmert er sich also um Mädchen mit Gewalterfahrung?

Unter ging und geht seit damals bei manchen Sensationsartikeln, dass es oft in Wien lebende Frauen waren und sind, die mit ihren Kindern betteln, dass es sehr viele unterschiedliche Bettlergruppen und Einzelpersonen gab und gibt, dass sich nur wenige sterbensarme Menschen aus Südosteuropa auf die Socken machen können. Und dass es, wenn das mit dem Mädchenhandel stimmt, keine Organisation gab (und gibt), die sich adäquat um die Mädchen kümmert.

In Wien folgte inzwischen die nächste Stufe - Politiker wurden angesprochen und es wurde beschlossen: Das Betteln mit Kindern ist verboten. Die SPÖ-Abgeordnete Nurten Yilmaz brachte den Initiativantrag ein, sie steckte hinter dieser Novellierung des Landes-Sicherheitsgesetzes. Frau Yilmaz war in einem Telefoninterview der festen Meinung, es gebe in Wien ein Abbruchhaus, in dem Roma-Mädchen Opfer von Frauenhandel würden, und dieser Umstand sei der eigentliche Grund für die Gesetzesverschärfung. Das habe ihr die Polizei berichtet. Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und das Betteln auf der Straße wurden auf diese Weise wieder einmal auf eine Stufe gestellt.

Jetzt kann man sich "abputzen"

Inzwischen ist es so weit gekommen, dass sich viele Menschen in ihrer Ablehnung der BettlerInnen bestärkt fühlen. Gerade Menschen mit Geld "putzen sich ab". Die Message, dass man nämlich die Menschenhändler im Hintergrund unterstützen würde, wenn man Geld gibt, ist zur öffentlichen Meinung geworden.

Gleichzeitig erfolgten vor kurzem vor Gericht bedingte bwz. geringe Strafen für reale, von der "Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel" und der Polizei angezeigte TäterInnen des Frauenhandels. 31 bulgarische Frauen waren betroffen, eine davon minderjährig. (Leserkommentar, Kerstin Kellermann, derStandard.at, 27.6.2012)

Kerstin Kellermann ist freie Journalistin in Wien. kerstinkellermann.com

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Wie viele Millionen schnorrt mehrmals im Jahr Licht ins Dunkel und

wer hat jemals eine öffentliche Auflistung gesehen, WAS mit dem Geld passiert?

wer sich von bettlern bedroht, belästigt, provoziert fühlt

ist ein armer wicht.

Unangenehm

Mir gehen die BettlerInnen sehr auf die Nerven - und ich habe nicht viel Geld! Ich finde es belästigend, wenn mir vor jedem (!!!) Supermarkt (zumindest im 7. Bezirk) eine Zeitung aufgedrängt wird. Die manipulative Freundlichkeit der meisten, die in dem Moment erlischt und sehr oft ins Unfreundliche kippt, wenn man keine Zeitung kauft, finde ich unangenehm.
Ja, es geht ihnen schlecht, aber wieso muss ich dafür täglich belästigt werden? Es gibt andere Wege, um Armen zu helfen!
Außerdem finde ich das Betteln demütigend für die BettlerInnen (inkl. ZeitungsverkäuferInnen). Im Gesicht eines Mannes, der bis vor kurzem vor dem Zielpunkt im 7. Bezirk stand, stand die Scham geschrieben.

Mario Sedlak
Mario Sedlak
212
28.6.2012, 07:22

Ich halte es ebenfalls für sinnvoll, nur an geprüfte Organisationen zu spenden, denn wenn man jemandem etwas bar auf die Hand gibt, hat man nicht die geringste Möglichkeit, festzustellen, was er mit dem Geld macht und ob er wirklich so bedürftig ist.

Lustigerweise weiß jeder Reisende,...

...dass man auch nur so spenden soll. In jedem besseren Reiseführer steht das samt Begründung.

Aber kaum sind sie in Österreich, vergessen sie das alles und machen genau das, was man in ärmeren Ländern nie machen würde.

ganz kürzlich in einem wiener gartenkaffee..

ein "global player" verkäufer zieht seine runden von tisch zu tisch und ist nur mit gutem zureden dazu zu überreden wieder weiterzuziehen - gleichzeitig bettelt ein kind von ca. 9 jahren die gäste an jedem tisch auf der anderen seite des schanigartens aufdringlich an. "teamarbeit" nennt man das. und belästigung ebenfalls.

Ach sie armer Belästigter.

Wurden sie verletzt? Hat man sie bestohlen? Wurden sie bedroht oder angegriffen? Nein?
Wenn nämlich nichts davon zutrifft, wenn der einzige Grund für ihre Empörung die Tatsache ist, dass ihnen angesichts des vor die Augen gehaltenen Elends, welches Menschen dazu bringt (ja, das sind Menschen, da schau her) wieder ihrer Selbstachtung Betteln gehen zu MÜSSEN (nein, diese Menschen haben oft keine andere Wahl!), der kleine Braune und das Kipferl nicht so recht in ihren überfütterten Wohlstandsbauch rinnen wollten, dann sollten sie sich fragen, wie sie es schaffen am Morgen in den Spiegel zu sehen, ohne sich zu übergeben.

Es ist in Ordnung nichts geben zu wollen. Aber die Not anderer als Belästigung zu empfinden...das ist Widerlich!

hm...
... zum ersten Mal, dass ich zu 100% deiner Meinung bin.
Sachen gibts ;-)

Danke für die Argumentationshilfe..

Magister. Die kann ich das nächste Mal gut gebrauchen, wenn ich mit meinem Hund ohne Leine und Maulkorb durch die Stadt gehe. Schließlich hat er noch nie wen gebissen und wer auf die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften besteht ist eh ein Spießer ;-))

menschlichkeit

sie haben das argument von mister magister offenbar nicht verstanden - er hat in keinster weise mit der einhaltung von gesetzen argumentiert

es gibt nämlich tatsächlich etwas, das über der einhaltung von gesetzen steht - menschlichkeit

ihr hunde-beispiel ist in diesem zusammenhang nur peinlich

Es ist auch Gesetz dass man auf der Autobahn zwischen der Auffahrt Enns und Linz max. 100km/h fahren darf...auf der wohl bestausgebauten, fast vollkommen geraden Strecke, wo ausser im Frühverkehr so gut wie nie was los ist.

Es ist auch Gesetz dass mitten in einer Finanzkrise die Parteinförderung fast verdoppelt wird.

Es ist Gesetz dass Martin Graf Dinge tun darf, für die man einen nicht-dritten NR-Präsi sofort in U-Haft nehmen könnte.

Checkst dus jetzt, oder muss ich malen nach zahlen bemühen?

IST DER WIRKLICH MAGISTER?

... was sind den sie für ein kasperl, der glaubt, bestimmen zu können, welche gesetze sinnvoll und daher einzuhalten sind und welche nicht .... und dann noch den moralischen raushängen lassen ......

ICH TIPPE - DER IST KEIN MAGISTER, SONDERN KOMPLEXLER

Caps macht dich nicht seriöser.

Warum ich das bestimmen kann? Ganz einfach:

Gesunder Menschenverstand > Schafsherdengehorsam

Und ab zurück auf die Weide mit dir, der Schäfer sucht schon.

danke schön,

für die präpotenten belehrungen ;-)

ändert aber nichts daran. aufdringliches betteln ist in wien zu recht verboten. ergo: ich kann es tolerieren, muss es aber nicht tolerieren.

Naja, und wenn du es nicht tolerierst interessiert das auch keinen.

Was willst du denn machen mit deinen tollen Gesetzen? Jeden Bettler einsperren? Soviele Haftanstalten haben wir im ganzen Land nicht. Und selbst wenn wir sie hätten...auf der Strasse kannst du sie ignorieren, sitzen sie hinter Gittern MUSST du für sie aufkommen, ob du willst oder nicht, denn Haftanstalten werden nun mal von Steuergeld finanziert.

Sie des Landes verweisen? Dann kommen sie eben wieder. Wer sollte sie daran hindern, du?

Diese Menschen haben die Wahl zwischen Betteln und Hungern. Glaubst du wirklich die interessiert was unter irgendeinem Paragraphen steht, oder wenn man sie im Polizeibus zur Grenze bringt? Nö.

Also häng dir dieses Gesetz aufs Klo, da macht es wesentlich mehr Sinn.

verbieten hat meiner meinung wenig sinn
aber
geldstrafen für die drahtzieher
und entwicklungshilfe vorort

Geldstrafen für die Drahtzieher, Drahtzieher verhaften, die Bettelmafia zerschlagen, die Hintermänner der Bettelmafia ausforschen...

Diese Law&Order Sprüche kommen von FPÖ und rechten Teilen der Polizei auch schon seit Jahren, nur gefunden werden konnten diese "Hintermänner" nie...also entweder ist unsere Polizei komplett unfähig, oder *trommelwirbel* es gibt diese gar nicht?

das heisst:

die nutzniesser des bettelns sind die frauen und kinder am straßenrand?
wenn/falls sie es nicht sind, wer profitiert, wer organisiert?
wenn/falls es nicht die direkten verwandten sind, wer ist es dann?
wie kann man verhindern, dass die kinder weiterhin am straßenrand stehen?

und nein
ich bin weder rechts, noch fpö wählerin

"...Jeden Bettler einsperren? Soviele Haftanstalten haben wir im ganzen Land .."

Ja eh, Geldstrafen verhängen und einsperren.

Haftstrafen haben wir genug.

Es geht ja nur darum, dass es für die Bettler kein Geschäft sein darf. Dann hört es von selbst auf.

Wäre blöd, wenn sich unser Staat auf seinem Staatsgebiet nicht durchsetzen könnte.

Es ist nur eine Frage des politischen Willens.

Lesen ist nicht deine Stärke, oder?

es geht um frequenz und anzahl

und darum, dass einfaches ignorieren und einmal nein sagen nicht reicht

es ist diese dreiste art, die sie selbst ausgrenzt

wahrscheinlich ist das ein psychologischer trick zur selbstbestätigung, dass die anderen, die reichen ö nur böse rassisten sind (falterbericht) und man sie deswegen belästigen darf

auch bei ihnen schwingt sowas mit (wohlstandsbauch), dass man keine ruhige minute haben dürfte, solange es elend auf der welt gibt

das ist erstens falsch, denn so rieben sich die hilfsbereiten auf, außerdem wird mit dieser haltung mancher laue befürworter vertrieben

- ich hasse es mit dingen konfrtontiert zu werden, mit denen ich mich nicht konfrontieren will
- ich hasse es angebettelt zu werden, und das gefühl zu haben, wenn ich jetzt nichts gebe, bin ich ein schlechter mensch
- ich hasse es, mir nicht sicher zu sein, ob ich mit meiner spende jemanden helfe (nämlich den der bittet) der den drahtzieher, der ausbeuter ist dabei weiterunterstütze
- ich hasse es, hier zu entscheiden zu müssen, jemanden im blindflug zu helfen, weil die herkunftsländer selbst so wurscht sind, dass sich das problem auslagert.

das einzige bei dem ich mich da sicher bin ist: kinder gehören in die schule und nicht an den strassenrand.
wo kann ich für ein enstprechendes projekt spenden?

Oh, sie Guter!

Sie haben ja sooooo recht!
Jeder hat sich gefälligst sein ganzes Leben lang an jedem Ort belästigen zu lassen. Schließlich sind wir ja grausliche "Reiche", und damit zweifellos daran schuld, dass ostslowakische Roma im Elend leben.

Was heißt eigentlich "belästigen"? FREUEN sollten wir uns, dass schulpflichtige Kinder bettelnd vor unserem Cafehaus-Tisch stehen, während wir versuchen, mit einem Freund zu plaudern! Schließlich sind sie extra hergekommen, anstatt in der Schule zu lernen, wie man sein Leben selbst in die Hand nehmen könnte.

Also: Leidet gefälligst! Ihr Ausbeuter, die ihre Kinder zur Schule schicken und arbeiten! Ihr habt kein Recht auf Freude oder Ruhe. Denn es gibt Arme. Nur wegen Euch!

hm...vielleicht sollte man sich nicht belästigt fühlen oder "freuen", sondern einfach akzeptieren.

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